Durchschaltegebühren

01. Oktober 2010 07:35; Akt: 01.10.2010 12:06 Print

Das Telefonieren bleibt teuer

von Elisabeth Rizzi und Sandro Spaeth - Comcom-Präsident und Postregulator Marc Furrer erklärt, warum die Handytarife heute wider Erwarten nicht sinken werden.

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Comcom-Chef Marc Furrer in seinem Element. (Bild: Keystone)

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Zwar senken Swisscom, Sunrise und Orange per 1. Oktober ihre Gebühren für das Weiterleiten von Anrufen auf ein anderes Telefonnetz auf das europäische Niveau. Die Durchschaltegebühren galten bislang in Expertenkreisen übereinstimmend als zu hoch und Mitgrund für die hohen Handy-Tarife in der Schweiz. Trotz der Gebührensenkung bleiben die Preise im Mobilfunk vorerst weiter hoch. Die Swisscom senkt bloss die Tarife für Anrufe vom Festnetz auf die Schweizer Mobilfunknetze. Nichtsdestotrotz glaubt Comcom-Präsident Marc Furrer, dass bald Bewegung in den Markt kommen wird.

Im Postmarkt findet vorderhand nur eine Bewegung statt (die vollständige Liberalisierung wurde vom Parlament verworfen), nämlich der Leistungsabbau. Furrer warnt die Post vor zu viel Rationierung.


Wie hoch ist eigentlich Ihre Handyrechnung?
Ungefähr 200 bis 300 Franken.

Und das bezahlt der Bund?
Die berufliche Kommunikation ja, die private nein.

Die Durchschaltgebühren zwischen den drei Mobilfunknetzen werden per 1. Oktober gesenkt. Trotzdem bleiben die Handytarife gleich hoch. Was tun Sie dagegen?
Die Comcom hat keine Möglichkeit, Endkundenpreise festzulegen. Orange und Sunrise profitieren nicht von den tieferen Durchschaltegebühren. Sie verlieren nur die vorher vorhandenen ungerechtfertigten Gewinne.

Sie haben früher aber gesagt, tiefere Durchschaltgebühren könnten zu einem Preisrutsch von bis zu 20 Prozent bei den Handytarifen führen. Ein Irrtum?
Die Anbieter sind nicht verpflichtet, die Senkung der Durchschaltgebühren an die Konsumenten weiterzugeben, Sie haben das in früheren Fällen aber getan. Der Anbieter VTX etwa senkt die Preise für Anrufe vom Festnetz aufs Handy um 54 Prozent. Wenn Swisscom die Preise senkt, würden Orange und Sunrise nachziehen, weil sie ja billiger sein wollen. Aber der wirkliche Preisbremser wird die Technologie sein.

Konkret?
Erst wenn mobiles Voice over IP auf den Markt kommt, werden die Preise rutschen. Anbieter wie Skype u.a. werden billig Gespräche anbieten. Es entsteht mehr Wettbewerbsdruck, weil Kundenanteile wegbrechen. Auch Telecomanbieter werden attraktive VOIP-Lösungen kreieren.

In der EU werden die Handytarife von heute durchschnittlich 17 Euro pro Monat weiter sinken. In der Schweiz bleiben sie also weiter bei 30 Euro…
Das Problem ist und bleibt der geringe Wettbewerb unter den Schweizer Anbietern.

Was tun Sie gegen die versteckten Preiserhöhungen der Telecomanbieter bei Flatrates und Package-Angeboten?
In der Marktwirtschaft zählt der Wettbewerb. Wenn Konsumenten bereit sind, hohe Flatrates zu bezahlen, bleiben die Preise hoch. In Ländern, in denen Flatrates zu hohen Kosten nicht akzeptiert werden, purzeln die Preise.

Ein Bericht über die Fernmeldebranche, den der Bundesrat in Auftrag gegeben hat, zeigt Systemmängel. Trotzdem wird das Fernmeldegesetz nicht revidiert. Was fordern Sie nun?
Nicht nur wie bisher Kupferleitungen, sondern auch die Glasfasernetze müssten im Falle einer Marktdominanz reguliert werden. Nur mit einer technologieneutralen Regelung können wir garantieren, dass ein fairer Zugang für alle Telecomanbieter besteht. Ausserdem sollten wir von Amtes wegen eingreifen können, wenn sich kartellähnliche Situationen abzeichnen. Das sind punktuelle Änderungen, dafür braucht es keine Totalrevision des Fernmeldegesetzes.

Wie der Mobilfunk wirft auch die Post Wellen. Ist es Ihnen egal, wenn Ihre Steuererklärung von einem Taxifahrer aus dem Briefkasten gefischt wird?
Solange die Post ihren Service-Public-Auftrag erfüllt und Qualität, Pünktlichkeit und Sicherheit gewährleistet, kann auch eine Privatfirma anstelle des altgedienten Pöstlers die Briefkästen leeren.

Briefe von über 2cm Dicke werden neu zu teureren Paketen gerechnet. Sie schreiben in Ihrem Jahresbericht lediglich, das sei «unbefriedigend». Ist die PostReg so zahnlos?
Das ist an sich korrekt, denn rechtlich gilt nur ein Brief bis 2 cm Dicke als Brief. Die Post liess das einfach jahrelang so durchgehen – gegen einen Aufpreis allerdings. Und das neue Postgesetz sieht auch diese Grenze vor – alles was dicker als 2 cm ist, gilt auch in Zukunft als Paket. Leider.

Dann kann man also hoffen, dass dicke Briefe künftig wieder billiger werden?
Nein, kann man nicht – zu dicke Briefe kann man ja auch nicht in den Briefkasten stecken…

Welche Abbaumassnahmen der Post wären für Sie absolut nicht mehr tolerierbar?
Die Zustellung der Post am Nachmittag wäre nicht akzeptierbar, ebenso sollte die Post die Anzahl Zugangspunkte – also Postbüros oder Agenturen wie Lädeli z.B. – nicht reduzieren. Wünschbar wäre auch, dass die Briefkästen nicht schon frühmorgens geleert werden – denn sonst kommt ein A-Post-Brief erst am übernächsten Tag an. Kurz: Die Rationalisierung in Ehren – aber sie ist langsam an einer Grenze angelangt!

Die Unabhängigkeit Ihrer Person als Regulator wurde infrage gestellt: Sie sind Präsident der Eishockey-Liga und Postfinance deren Hauptsponsor. Was entgegnen Sie?
Der Bundesrat hat mehrere Male klar bestätigt, dass meine Unabhängigkeit gewährleistet ist. Schliesslich habe ich es mit der Post und nicht mit der Postfinance zu tun. Beim Eishockey wiederum habe ich nie die Verträge mit der Postfinance ausgehandelt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 01.10.2010 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    mal wieder

    ...seit 15 Jahren heisst es nun, die telefonie Kosten in der Schweiz seien zu hoch. Seit 15 Jahren wird angekündigt, dass es bald billiger wird. Herausgeschoben wegen immer neuen "pseudo" Gründen, wie fehlende Kabel, fehlende Masten, neuere Technick und was weiss ich für mist. Fakt ist, die Schweizer bezahlen halt auch das dreifache als nötig, also wieso billiger machen.

  • m4nu am 01.10.2010 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    interessant

    Der ComCom Chef hat eine Handyrechnung von 200-300.-, dabei gäbe es doch von der Swisscom ein all-inclusive Abo für 169.-, sowie eines von Sunrise ab 105.- (halt ohne SMS). Komisch dass er die verschiedenen Angebote nicht kennt.

    einklappen einklappen
  • alex am 01.10.2010 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Es besteht doch gar kein Interesse was zu senken, pasta. Solang die Schweizer es bezahlen, warum soll man was senken, selber Schuld. Solang das Schweizer Volk die höheren Preise akzeptiert, passiert auch in dem Land nichts damit die Preise auch fallen, da hilft auch nichts dagegen was seitens der Politik gemacht wird. Also nicht immer aufregen über überteuerte Preise in der Schweiz, sondern auch mal was machen und nicht immer alles akzeptieren. Es gilt schon lange nicht mehr teuer ist auch gut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sascha Greber am 01.10.2010 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Telio bietet Anrufe auf Handys für 19 Rp

    Telio Telecom hat bereits vorgestern mitgeteilt, dass Telio Kunden für Anrufe auf Schweizer Mobilfunknetze nur noch 19 Rp./min. bezahlen und unlimitert in das Schweizer Festnetz telefonieren.

  • Ueli M. am 01.10.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wettbewerb, aber wie

    "Das Problem ist und bleibt der geringe Wettbewerb unter den Schweizer Anbietern". Das ist kaum wahr - was brauchte es denn noch, weitere Anbieter, die aber die Technologie der anderen mieten müssten. Noch mehr Masten aufzustellen, dann ja auch nicht die Lösung sein. In Frankreich sind die Tarife viel tiefer - dort gibt es aber auch nur 3 Anbieter. Ich habe eher den Eindruck, die Schweizer Anbieter sind ein Kartell mit Preisabsprachen. Dass hier nicht endlich eingegriffen wird zeigt auch, dass Liberalisierung eben nicht klappen kann, wenn die entsprechenden Randbedingungen nicht erfüllt sind.

  • Sandra am 01.10.2010 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    So hohe Natelrechnung?

    200-300Fr./Monat ?! Dafür würde ich mir lieber etwas ordentliches zum Anziehen kaufen... Ich komme mit ca. 10 Fr./Monat aus, den rest erledige ich per Mail, ist in der heutigen Zeit ja kein Problem mehr.

    • Kicherer am 02.10.2010 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Das zahlt ihm doch der Arbeitgeber

      vermutlich wie Repräsentationsspesen.

    einklappen einklappen
  • matze am 01.10.2010 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    sorry aber...

    solange grossunternehmen mit quasi monopolstellung und ohne echten konkurrenzkampf sich aufgrund ihres starken einflusses auf die entscheidungsträger in der politik sicher fühlen können, solang werden sie sich in aller ruhe austoben können und sich die kampfkassen füllen. machen wir uns doch nichts vor. die einzige option wäre eine marktöffnung.

    • Ueli M. am 01.10.2010 11:35 Report Diesen Beitrag melden

      Offener Markt

      Marktöffnung - ja schönes Schlagwort: Können Sie mal darlegen, wie das gemeint ist?

    einklappen einklappen
  • Ursi Schiegg am 01.10.2010 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Da gibt es etwas was ich nicht verstehe? Warum ist es in Deutschland möglich, 1 Einheits-Tarif zu machen der für alle Handynetzte gilt? Egal in welches Netz ob von Vodafon zu O2 oder wie die alle heissen. Es kostet zwischen 3 und 9 Cent. Bei uns sind Tarife von bis zu 70Rp./min "normal". Jeder Anbieter hat andere Tarife. Wäre doch einfacher z.b.30Rp egal von welchem Anbieter aus, zu einem Anderen. Ich bin überzeugt das würde gehen, technisch auf jeden Fall.