Einkaufstourismus

29. Juni 2012 12:40; Akt: 29.06.2012 13:50 Print

Was beim billigen Nachbarn teurer ist

von Sandro Spaeth - Shopping im grenznahen Ausland ist für die Schweizer zum Volkssport geworden. Nicht immer ist der «billige Jakob» ennet der Grenze aber tatsächlich günstiger.

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Zollstation an der Hiltalingerstrasse in Basel: Wenige Meter dahinter das Einkaufsparadies Rhein Center in Weil am Rhein. (Bild: Sandro Spaeth)

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Schnäppchenjagd in Waldshut, Lörrach oder Konstanz: Samstag für Samstag fahren Tausende Schweizer nach Deutschland, um sich mit dem Nötigsten einzudecken. Laut einer neuen Erhebung der Marktforschung GfK gingen im April 2012 rund 30 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer mindestes einmal über die Grenze, um gezielt Einkäufe zu tätigen. Kommen Spontan- und Ferieneinkäufe hinzu, waren es im April sogar 50 Prozent. Ökonomen der Credit Suisse haben berechnet, dass der Einkaufstourismus den Schweizer Detailhändlern im vergangenen Jahr einen Schaden von 4 bis 5 Milliarden Franken beschert hat.

Überraschendes haben die Marktforscher bei der Analyse der Konsumelektronik-Preise zu tage gefördert. «Einzelne Geräte sind hierzulande sogar günstiger als in Deutschland», sagt Gfk-Marktforscher Peter Fickentscher. Über die Top-5-Flachbildfernseher gesehen, lag der Durchschnittspreis in der Schweiz zwischen Januar und April bei 962 Franken. Das ist zwar fast 30 Prozent höher als in Deutschland. Betrachtet man die Produkte aber einzeln, sind zwei Fernseher in Deutschland teurer als in der Schweiz und ein Produkt kostet gleich viel. Das beinahe identische Bild zeigt sich bei den Digital-Kameras.

Noch extremer fällt der Top-5-Preisvergleich bei Computern und Notebooks aus. Hier sind alle fünf Produkte in Deutschland teurer – im Durchschnitt rund 5 Prozent. «Das ist eine gute Nachricht für die leidgeprüften Schweizer Händler», sagt Fickentscher und fügt an: «Die Deutschen sollten zu uns einkaufen kommen.» Eine ähnliche Preisentwicklung – sprich keine Preisunterschiede – sieht der Detailhandelsexperte im Segment der Hochpreis-Bekleidung.

Enormer Wettbewerb und Zoll-Vorteil

Grund für die günstigen Schweizer Elektronik-Preise ist laut einem Marktkenner einerseits die Preistransparenz: «Die Kunden können die TV-Preise dank dem Internet international relativ einfach vergleichen.» Andererseits herrsche in der Schweiz enormer Wettbewerb. Treiber dieses Preiskampfs ist unter anderen der Online-Unterhaltungselektronik-Händler Digitec: «Wir haben exakt dasselbe Preisniveau wie Deutschland. Teilweise sind wir sogar günstiger», behauptet Digitec-Mitgründer Florian Teuteberg.

Der Schweizer Heimelektronik-Markt hat ein schwieriges Jahr hinter sich. 2011 sind die Umsätze laut Gfk insgesamt um drei Prozent zurückgegangen. «Der Preis- und der Margenzerfall konnte nicht mehr durch grössere Stückzahlen kompensiert werden», so Dominik Achermann von Fachmagazin «HomeElectronics». Dasselbe Bild mit um drei Prozent rückläufigen Umsätzen zeigte sich zwischen Januar und Mai. Verglichen mit dem Ausland sind diese Zahlen aber alles andere als schlecht: In England, Frankreich und Italien brach der Markt im ersten Quartal 2012 zwischen zehn und 20 Prozent ein.

Primärdestinationen Aldi, Lidl und Saturn

Obwohl das Billig-Jakob-Image nicht auf alle Branchen zutrifft, erwarten die Kunden von ihren Shopping-Touren in Deutschland vor allem günstige Preise, insbesondere für Markenprodukte. In der Umfrage zu den Gründen für Shopping-Touren nach Deutschland weit weniger oft genannt wurden die grössere Auswahl an Produkten und die grössere Anzahl an Läden.

Diese Erkenntnis deckt sich mit den Beobachtungen eines Detailhandelsberaters, der lieber anonym bleiben will. «Die primären Destinationen der Schnäppchenjäger sind auch im Ausland Aldi, Lidl und Saturn.» Am liebsten kaufen die Schweizerinnen und Schweizer laut GfK in Deutschland Körper- und Haarpflegeprodukte. Hier sind die Preisunterschiede besonders Gross: Kostet das Nivea for Men Douche Energy in der Schweiz rund 3.15 Franken, sind es in Deutschland umgerechnet rund 2.25 Franken. Oder anders gesagt: Die Schweiz ist 40 Prozent teurer.

Hitliste im Schweizer Detailhandel 2011

(Quelle: Gfk/ Ohne Ausland und Brenn- und Treibstoffe)
1) Alle Verkaufsstellen, die mit Coop beschriftet sind.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn man die Sachen ordentlich verzollt stimmt das leider nicht. Und wenn man sich erwischen lässt wirds richtig teuer. Aber richtig krass finde ich den Unterschied bei weisser Ware. Da kostet der Schweizer Stecker immer 200 Stutz extra. – Ossi

Es ist doch echt schon lange bekannt, dass man als Schweizer nicht nach Deutschland geht um Elektronikgerät zu kaufen... Man geht dorthin um Lebensmittel, Kosmetikprodukte oder Haushaltswaren zu kaufen. Wenn ich mir die Preisunterschiede bei Duschgel, Tabs für die Abwaschmaschine, Wäschemittel, Haushaltpapier, Klopapier usw. anschaue ist es einfach eine Frechheit, was hier bei uns verlangt wird. Da kommt man teils 50-60% billiger weg in Deutschland als bei uns, nicht nur 40% wie im oben gezeigten Beispiel mit Nivea. – Mark Berger

Tja, die elektronischen Geräte sind halt in DE teurer, weil dort auch eine Garantie von 2 Jahren gewährleistet wird und der Konsumentenschutz um einiges höher als in der Schweiz ist. Das schlägt sich eben auch auf den Preis. – K. B.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Ritschard am 29.06.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat macht es vor!

    Was heisst hier Schaden. Der Bund und Kantone machen es uns vor Vergleiche zu machen und im bestenfall halt im Ausland Einkaufen. Hört endlich auf dem kleinen Konsumenten ein schlechtes Gewissen einzureden! Auch die Banken sind nicht besser. Mein Typ macht es wie diese vergleicht und kauft halt im Ausland ein ohne ein schlechtes Gewissen zu haben!

    einklappen einklappen
  • josef am 29.06.2012 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    gehe gern einkaufen

    man schaue sich die statistik an,. migroz und coop teieln sich den markt. und dier preise sind auch noch abgestimmt. und das angebot bei mirgros ist ehrlich gesagt total daneben. wen ich in konstanz in den edeka gehe dann blutet mir jedesmal das herz wenn ich sehe was den schweizern alles verweigert wird. alle die vielfalt und qualität der wurst. warum sind die fleischwurstscheiben in der schweiz so dünn? bestimmt nicht weil das sooo fein ist.....

    einklappen einklappen
  • Nico Meier am 29.06.2012 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusartikel

    Gilt zum Teil nur für Luxusartikel wie grosse Flachbildschirme. Bei kleinen Geräten wie Toaster und Neuheiten wie z.B. Induktionsplatte vor allem auch SAT-TV ist in Deutschland viel günstiger, weil der Markt grösser ist. Allerdings ist der D/CH Stromadapter in Coop günstiger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ben am 30.06.2012 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcher Schaden?

    Verstehe nicht weshalb man hier von Schaden an der schweizerischen Marktwirtschaft redet. Es ist doch grundsätzlich das Recht jeden einzelnen dort Einzukaufen wo er sie das möchte. Es heisst ja der bessere möge gewinnen. Hier entscheidet halt oft der Preis oder auch die Lust auf den weiteren Ausflug.

  • Lars am 30.06.2012 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Bahn umgekehrt

    Ich, als Deutscher, profitiere auch umgekehrt von der Schweiz. Ich bin oft unterwegs mit der Bahn zwischen München und Zürich. Zur Zeit buche ich über die SBB-Seite. Hier kostet eine einfache Fahrt, ohne besondere Ermäßigung zu Zeit, umgerechnet, ca. 39 Euro. Buche ich über die Seite der Deutschen Bahn sind es knapp 50 Euro, bei gleicher Verbindung. Glaubt man kaum, aber ist so.

  • j.schwegler am 30.06.2012 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    deutsche kaufen in der schweiz auch ein!

    an alle die immer jammern dass viele schweizer im ausland einkaufen! sehr oft bin ich von basel bis bodensee unterwegs. was denkt ihr wer schlange steht bei unseren TANKSTELLEN??? es sind unsere deutschen nachbarn! von 10 autos tanken 9 mit "D" kennzeichen. das sind auch einige miliarden. somit geht die rechnung wieder auf.

  • der Deutsche am 30.06.2012 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Autoersatzteile ....

    Was ist eigentlich mit Ersatzteilen für das Auto? Ein Luftmassenmesser (heute in fast jedem Wagen) in D = 169,- (original Bosch Teil) in der Schweiz (gleiches Fabrikat und Teil !!) = CHF 800,- , ist das Teil vergoldet? Solche Beispiele kann man von Xenon Birnen bis zur Stosstange hinten fortführen. Preisunterschiede von 200% sind noch human!

  • Mathias S. am 30.06.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Blablablabla

    Schon in meiner Kindheit (bin heute 25) gingen wir zu DM Zeiten in DE einkaufen. Darum kann ich das ganze gelabere von "Ihr schadet der CH-Wirtschaft" oder "Ihr, die in DE einkaufen geht, zerstört CH-Arbeitsplätze" nicht mehr hören! denn es ist der reinste Schwachsinn! Wie gesagt, schon zu DM Zeiten gingen tausende in DE Einkaufen, auch damals bekam man die Mwst. zurück. Heute werden es ein Paar mehr sein die in DE einkaufen.... aber Wayne... Coop und die Migros gibt es immer noch. Und wenn man sich den "Ausbauwahn" der neiden Riesen ansieht, muss es ihnen ja sehr gut gehn....