Unternehmer mit Herz

10. April 2017 13:05; Akt: 10.04.2017 13:43 Print

Sawiris verliert Millionen für Andermatt

200 Millionen Franken Verlust – Orascom-Chef Samih Sawiris sieht das nicht so tragisch und sagt, weshalb es dem Unternehmen besser geht, als es die Zahlen zeigen.

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Mit der Entwicklung in Andermatt ist Resort-Entwickler Samih Sawiris nur bedingt zufrieden. Das Geschäft entwickelt sich nicht so schnell, wie es der Investor gern hätte. Aber immerhin gehe es linear aufwärts, sagt er im Interview mit der «Aargauer Zeitung» (AZ).

Das Hotel Chedi habe im letzten Winter einen «schönen Sprung» vorwärts gemacht, bald werde man Ausgaben und Einnahmen ausgleichen. Die Bilanz bleibe damit aber noch im roten Bereich wegen Abschreibungen und Zinszahlungen.

Millionenverluste wegen Ganzjahresbetrieb

Eine Knacknuss bleibt die Nebensaison. Sawiris will sein Hotel nicht temporär schliessen, wie es viele andere tun. Das würde zwar das finanzielle Ergebnis verbessern, aber Sawiris gibt an, er wolle helfen, dass sich im Dorf ein «normales Leben» entwickeln kann.

Wenn der «Grossteil der örtlichen Wirtschaft» zumache, kämen nur Saisonarbeiter, aber keine Familien. Er finde dann beispielsweise keine Kellner, die sich in Andermatt einleben und ihre Kinder dort zur Schule schicken. «Ich bin bereit dafür am Anfang ein paar Millionen zu verlieren, damit sich das Dorf entwickeln kann», sagt Sawiris. Langfristig werde sich das für alle auszahlen, gibt sich der Ägypter überzeugt.

Sorge um Schweizer Tourismus

Er warnt, der Schweizer Tourismus könnte im internationalen Vergleich weiter abrutschen. Punkto Wettbewerbsfähigkeit fiel die Schweiz in einer Untersuchung des WEF bereits auf Rang 10 zurück. Bald könnte es nur noch Rang 20 sein und «irgendwann ist es vorbei mit dem Tourismus».

Die Behörden des Landes seien hier gefordert, Wege zu finden, wie sie helfen können. Das fange bei Arbeitsbewilligungen an. «Ich musste letztes Jahr mein Japan-Restaurant für zwei Monate schliessen, weil ich für den japanischen Chef keine Arbeitsbewilligung bekam.»

«Reine Papierverluste»

Der Hotelkonzern Orascom hat letzte Woche vor einem 200-Millionen-Franken-Verlust gewarnt. Im AZ-Interview sagte Sawiris, das seien «reine Papierverluste», die durch Bilanzregeln entstehen.

Weil das ägyptische Pfund abwertete und der Konzern in US-Dollar bilanziert, mussten die Schulden der ägyptischen Orascom doppelt so hoch bewertet werden. «In der Realität aber läuft mein Geschäft in Ägypten durch die Abwertung besser», sagt Sawiris der AZ.

So habe das Resort El Gouna schon im letzten Jahr wieder das Niveau von 2010 erreicht, als der Tourismus auf dem Höhepunkt war. Das Gesamtresultat für Orascom in Ägypten konnte trotzdem nicht ans Rekordjahr anknüpfen. Sawiris macht dafür unter anderem Reisebeschränkungen für das Resort Taba Heights verantwortlich. Deutsche und Engländer dürfen den Ort auf der Halbinsel Sinai nicht anfliegen.

Hirnwäsche für tolerante Ägypter

Nach dem Attentat auf ein russisches Passagierflugzeug Ende 2015 hatten mehrere Länder ihren Fluggesellschaften verboten, den Sinai anzufliegen. Erst am Wochenende hatte der IS zwei Attentate auf Kirchen in Ägypten verübt. Trotzdem werde er als Christ Ostern offen feiern, antwortet Sawiris beinahe entrüstet auf eine entsprechende Frage.

Die Attentate der vergangenen Jahre hätten das Bild des Landes verzerrt. Aber der Alltag im Land ist so: «95 Prozent der Muslime stören sich nicht an unserer Religion, an unserer Tradition.» Die Schuld für die Attentate sieht der koptische Christ bei ultrakonservativen Eiferern aus Saudiarabien. Diese hätten viel Geld aufgewendet, «um ägyptischen Muslimen das Gehirn zu waschen». Insgesamt seien die Ägypter aber nach wie vor tolerant.

(rub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besucher am 10.04.2017 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Projekt, guter Investor

    Ich bin grundsätzlich kritisch gegenüber ausländischen Investoren aber Sawiris belebt ein aussterbendes Dorf, das wunderschön ist. Toll, dass er auch an die langfristige Entwicklung des Dorfes denkt und nicht nur an den kurzfristigen Profit! Die Behörden müssen mitziehen und unterscheiden zwischen einem japanischen Küchenchef und einem rumänischen "Alleskönner".

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  • ruth marie am 10.04.2017 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch

    Herr Sawiris ist ein gut Mensch, es sollte mehr von ihnen geben, was er alles an gutem tut, habt ihr keine Ahnung. danke.

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  • Eric krumm am 10.04.2017 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzfristig heute

    Allzuviele Manager die kurzfristig denken heute. Gute Manager kalkulieren Buchverluste ein und ein und überstehens.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hubi S am 12.04.2017 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4-Sterne?

    Das Hotel hat 5 Sterne... Eine Übernachtung in einem 4-Sterne Hotel würde nicht mindestens 650 Franken kosten :-)

  • Dré am 12.04.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Projekt, guter Investor?

    Bei solchen Aussagen, frage ich mich manchmal. Keiner in der Schweiz, vorallem Andermatt, hat sich je gefragt von wo, und wie, die Familie Sawiris zum Geld kam! 20min, macht einmal Recherche zu Sawiris und Mubarak. Es waren 3 oder 4 ägyptische Familien, die mit Mubaraks Unterstützung, zu viel Geld kamen. Paradox die Akzeptanz, trotz Weltverbesserungssyndrom und Weissgeldstrategien der CH. Dann zu Andermatt. Fragt einen Urner, der nicht von dort kommt über Andermatt. Die sind weder innovativ noch besonders fortschrittlich. Ideen kommen extern! Der St. Moritz Effekt passiert, trotz Verneinung.

    • Supermario am 12.04.2017 10:59 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz einfach

      Du wirst wohl auch nicht so schnell einen Andermatter finden, welcher irgendwo 750 Mio. flüssig hat, um die Gegend aufzupeppen!

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  • Remo am 12.04.2017 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vergleich

    Auch mit Sawiris Hotel und Umbauten ist und bleibt es das Schattenloch Andermatt, da gibt es nichts zu beschönigen! Was die Gäste für den selben Preis in anderen Schweizer Skigebieten an Wetter, Alpenromantik und Infrastruktur kriegen steht in absolut keinem Verhältnis zum derzeitigen Andermatt.

  • Der Grösste am 12.04.2017 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Fehler

    Das war ein grosser Fehler.Man sollte sich nie auf Fremde verlassen.

    • Supermario am 12.04.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Rundumschlag?

      Ziemlich allgemein; es gibt genügend gegenteilige Beispiele! So etwa Hayek als eingewanderter Libanese, hat die Schweizer Uhrenindustrie nachhaltig und gewinnträchtig "gerettet".

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  • E. Weizenkeim am 12.04.2017 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    guter Mann

    Kann es sein, dass er damit einfach viel Steuern einspart, der gute Mann?

    • Supermario am 12.04.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      Ha ha

      Selbstverständlich "spart" er Steuern; kein Unternehmen bezahlt solche, wenn nur Verluste anfallen!

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