Geodaten-Technik

09. Juni 2016 05:43; Akt: 09.06.2016 08:15 Print

Wie sich Hochwasser-Schäden begrenzen lassen

von K. Wolfensberger - Ob Hochwasser oder Überschwemmungen: Naturgefahren nehmen stetig zu. Moderne Geodaten-Technik hilft, Schäden zu begrenzen.

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In Zukunft dürften Naturkatastrophen in der Schweiz zunehmen. Durch die Klimaerwärmung gehen die Gletscher zurück, Permafrostböden tauen auf und Extremereignisse nehmen laufend zu.

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Eine Möglichkeit, solcher Probleme Herr zu werden, ist der Einsatz von Geodaten. Das sind digitale Informationen, denen auf der Erdoberfläche eine bestimmte räumliche Lage zugewiesen werden kann. Geodaten geben somit Auskunft über die Beschaffenheit von Landschaft und Natur. Mit ihnen lassen sich Computermodelle entwickeln, die helfen, Gefahren besser einzuschätzen und gezielte Vorsorgemassnahmen zu treffen.

Wie die Daten konkret bei der Verhinderung von Katastrophen zum Einsatz kommen, erklärt Pol Budmiger. Der Geoexperte hat den GEOSummit in Bern mitorganisiert (siehe Box) und war an Projekten zur Verhinderung von Überschwemmungen im Berner Mattequartier beteiligt. Dieses litt seit 2005 mehrfach unter starkem Hochwasser.

Zu 20 Minuten sagt Budmiger: «Dank Geodaten lassen sich heute Karten mit den Reliefs grosser Gebiete erstellen. Mithilfe von Computern können dann alle möglichen Szenarien in allen Details durchgespielt werden.»

Vorab den Keller ausräumen

Denn ob die Aare in Bern steigt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Wann setzt die Schneeschmelze ein? Kommt es zu starken Regenfällen? Wie hoch ist der Pegel des Thunersees bereits vorher?

Die Verbindung dieser Fragen gebe schliesslich die Antwort darauf, welche Massnahmen im Einzelfall zu ergreifen seien. Budmiger sagt: «Behörden können dank der Information zum Beispiel die Bevölkerung anweisen, ihre Keller leerzuräumen.»

Mit den Daten lasse sich auch grundsätzlich sagen, wie stark ein Gebäude im Überflutungsbereich steht. Dies ermöglicht es, passende bauliche Massnahmen zu ergreifen. Ausserdem hilft es Versicherungen beim Erstellen von detaillierten Prognose- und Prämienmodellen. Sie können so die Risiken richtig einschätzen und wissen, ob sie sich für den Extremfall rückversichern müssen, so Budmiger.

Enorme Fortschritte

In der Schweiz sind die Mobiliar Versicherung sowie die kantonalen Gebäudeversicherungen die ersten gewesen, die intensiv mit Geodaten arbeiteten. Auf internationaler Ebene waren es grosse Rückversicherer wie SwissRe, die damit Risiken bei Erdbeben oder Tsunamis berechneten. «Die Möglichkeiten haben dabei in den letzten Jahren beständig zugenommen», sagt Budmiger. Dank der Daten werde es immer besser möglich, Versicherungspolicen einen Ortsbezug zu geben. Will heissen: «Wer im Risikogebiet wohnt, bekommt Empfehlungen zur Prävention oder bezahlt eine höhere Prämie.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silvie am 09.06.2016 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg mit Wäldern u.Wiesen-her mit Beton

    Je mehr Zubetonierung, je weniger Wasser kann versickern ! Das Gedankengut - wieviel Geld kann ich dort und dort noch abzocken- ist heute nur noch gefragt und nicht das des Umweltschutzes. Diese Katastrophen sind hausgemacht. Die globale Erderwärmung hat seinen Ursprung, nämlich die der geldgierigen Menschheit.

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  • Christiane am 09.06.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturkatastrophen

    Je mehr Boden zubetoniert wird, desto weniger Wasser kann versickern. Das Abholzen der Wälder zerstört den harmonischen Ablauf der Natur. Wälder sind die Lunge der Erde, sie verdunsten Wasser und binden Dasselbe in der Erde. Die Welt ist übervölkert mit Menschen ohne jegliches Naturverständniss. Arme Erde!

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  • M.H am 09.06.2016 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflege der Bachläufe.

    Würden die Bachläufe besser gepflegt, gäbe es auch weniger Schwemmholz. Ein gutes Beispiel von Vernachlässigung ist der Kiesenbach in Kiesen. Die Gemeinde bzw. die Verantwortlichen sind absolut untätig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 10.06.2016 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Naive Menschheit

    Re-Naturierung. Würden die Flüsse nicht viel zu stark kanalisiert und eingegrenzt warden, sprich hätten sie breitere Flussbete, wie es in der Natur ohne Mensch normal ware, so gäbe es nicht gleich bei jedem stärkeren Regenfall überschwemmungen. Ausserdem wird einfach zuviel und zu nahe an die Flüsse heran gebaut. Der Mensch begreift einfach nicht mehr, dass die Natur uns duldet und nicht wir sie ...

  • A. Schwab am 10.06.2016 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mit Chemtrails aufhören

    Wenn wir ENDLICH mit den Chemtrails aufhören würden, dann könnte sich das Klima eventuell erholen. Das sind keine Verschwörungstheorien. Frau Prof. Lohmann von der ETHZ wurde kürzlich beauftragt, die Abgase der Triebwerke von Flugzeugen auf Spuren von Aluminium, Barium, Strontium etc. zu untersuchen und wurde tatsächlich fündig. Es kommt Bewegung in die Sache und die Wahrheit drängt ans Licht. Das Geoengineering ist ein Verbrechen an uns allen und die Folgen der bisherigen Aktionen sind nicht nur unabsehbar, sondern evtl. schon nicht mehr rückgängig zu machen. Ursachen angehen Bitte!!!!

  • Realist am 10.06.2016 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung: Noch mehr Bäume abholzen!

    Dann wird alles besser und ein paar Wenige können sich dann sogar noch mehr bereichern.. Natürlich auf Kosten von uns Steuerzahlern, dass ist ja klar. Unverständlich was für "Pumpen" das Steuerrad in den Fingern halten dürfen und wir dies zulassen...

  • Frosties am 09.06.2016 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kanalisierung

    Durch die Kanalisierung versuchte man, das Wasser schneller abfliessen zu lassen. Das Problem: Fliessen viele kleiner Flüsse in einen grösseren, steigt einfach dessen Pegel massiv an. Durch die Kanäle fliesst das Wasser schneller und hat auch viel mehr Wucht, Gegenstände mitzureissen. Lösung: Flüsse natürlich belassen und Überflutungsmöglichkeiten bieten. Das Wasser kann sich so ausdehnen und langsamer abfliessen.

  • ursa am 09.06.2016 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochwasserzunahme infolge Klimawandel?

    räumt endlich dir Wälder wieder auf, damit nicht auch noch wertvolles Holz (Heizmaterial) die Abflüsse verstopfen und Überschwemmungen damit provoziert werden.

    • Reto Kieser am 09.06.2016 20:48 Report Diesen Beitrag melden

      Klimawandel ist Tatsache

      Entscheidend ist, dass Hochwasser weder Bäume noch Schlamm mitreissen kann. Zentral ist die richtige Standort-Wahl und Pflege der Bäume entlang der Gewässer. Das kostet - und ist trotzdem viel billiger. Wertvoll ist Holz (leider) nicht mehr - es müsste mehr geholzt werden.

    • Realist am 10.06.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Holz und Öl sind die rentabelsten

      Produkte auf dem Markt.. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Jemand allen ernstes glaubt, der Staat würde dies aus Sicherheitsgründen tun! Alles was getan wird hat mit Geld zu tun und nicht mit dem Wohl von irgendwem und schon garnicht FÜR irgendwen... Und übrigens, Klimawandel ist seit entstehung der Erde eine Tatsache! Man sollte Fakten nicht mit Propaganda verwechseln..

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