Geldschöpfung

06. Dezember 2017 10:39; Akt: 06.12.2017 10:39 Print

Was genau steckt hinter der Vollgeld-Initiative?

von Isabel Strassheim - Die Geldschöpfung versteht kaum einer. Nun stimmen Parlamentarier darüber ab – in Form der Vollgeld-Initiative. 20 Minuten erklärt, worum es dabei geht.

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Unser Geld beziehen wir meistens aus dem Bancomaten. Doch wer schöpft es? Die Grossbank UBS schöpft genauso wie andere Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts. Die SNB erklärt das auf der Info-Seite Iconomix.ch wie folgt: «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.» Sie wachen einzig über das Bargeld: Das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andrea Mächler). Sie verlangen eine vollständige Finanzierung durch Notenbankgeld: Hansruedi Weber, Präsident des Vereins Monetäre Modernisierung (MoMo, Mitte) reicht zusammen mit als Wilhelm Tell und Helvetia verkleideten Aktivisten in Bern die Vollgeld-Initiative ein. (1. Dezember 2015) Um bei der Schaffung von Geld neue Schulden zu vermeiden, würde die Nationalbank Geld ohne Gegenleistung dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern übertragen: Aktivisten reichen die Initiative ein. Die Schweizerische Nationalbank in Bern: Wird unser Bankensystem bald umgebaut, wie es die Vollgeld-Initiative fordert? Der Bundesrat glaubt nicht, dass das Finanzsystem dadurch sicherer wird. Finanzminister Ueli Maurer erklärt, weshalb der Bundesrat die Initiative ablehnt. (9. November 2016) Der Bundesrat warnt auch vor den Risiken, wenn die Schweiz im Alleingang eine weitgehend unerprobte Umgestaltung des Geld- und Währungssystems wagen würde. Es sei mit Verwerfungen im Finanzsektor und negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu rechnen: Ueli Maurer (r.) und Serge Gaillard, der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, zur Vollgeld-Initiative in Bern.

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Die Vollgeld-Initiative will die Geldschöpfung verändern: Banken sollen kein Geld mehr schaffen dürfen, sondern nur noch die Nationalbank. Am Mittwoch stimmt der Nationalrat über die Initiative ab, das Volk wird nächsten Sommer darüber entscheiden. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Nur die Nationalbank schöpft Geld – stimmt das?
UBS, Credit Suisse und die anderen Geschäftsbanken schaffen selbst Geld, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) darlegt. Rund 90 Prozent des Geldes kommt nämlich nicht von der SNB. Diese stellt nur das Bargeld her, das aber nur rund 10 Prozent ausmacht. Das elektronische Geld, also die Guthaben auf unseren Bankkonten, existiert unabhängig von der SNB.

Die Banken seien nur Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einer Talkshow auf Teleticino. Geben sie nur Geld weiter, das sie von anderen bekommen haben?

Diese Erklärung war bis zur Finanzkrise sehr weit verbreitet. UBS-Sprecher Mark Hengel sagt zu 20 Minuten: «Eine Bank kann keinen Franken Kredit vergeben, wenn ihr dieses Geld nicht in Form von Einlagen oder anderen Verbindlichkeiten von Sparern oder Investoren anvertraut wurde. Dabei müssen Banken gleichzeitig eine Reihe von regulatorischen Anforderungen beachten. Sie finanzieren sich daher keinesfalls aus dem Nichts.»

Er räumt aber ein, dass bei der Geldschaffung Banken im Rahmen der Kreditvergabe auch Geld herstellen. Um die Rolle der Banken transparenter zu machen, hat die SNB auf ihrer Website für den Schulunterricht Iconomix.ch extra Material für den Schulunterricht zusammengestellt. Darin heisst es: «Geschäftsbanken brauchen für die Vergabe von Krediten weder Notenbankgeld noch Spareinlagen.» Denn Banken stellen das elektronische Geld für die Kreditvergabe selbst her.

Wie soll das gehen?
«Bei der Vergabe eines neuen Kredits gibt die Bank kein physisches Geld in Form von Banknoten aus. Folglich sind auch kein physisches Notenbankgeld oder Spareinlagen nötig», heisst es auf der SNB-Site Iconomix.ch. «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.»

Wie viel Geld schaffen die Banken auf diese Weise?
Im Jahr 2014 waren es knapp 329 Milliarden Franken, besagt die Vollgeld-Initiative unter Bezug auf Daten der SNB. Fast die Hälfte davon schöpften die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, der andere Teil kam von den Kantonalbanken, Raiffeisen- und den anderen Banken.

Im Durchschnitt erzielten die Geschäftsbanken mit dem so selbst geschöpften und als Kredit vergebenen Geld zwischen 2007 und 2015 pro Jahr 2,8 Milliarden Franken an Zinsgewinn, so eine Studie der Copenhagen Business School und der New Economics Foundation. Durch den aktuellen Negativzins jedoch entfällt dieser Gewinn.

Was würde sich durch die Vollgeld-Initiative ändern?
Das Geld würde ausschliesslich von der SNB geschaffen, auch das elektronische Geld. Die Guthaben auf unseren Konten wären vollumfänglich von der SNB gedeckt, daher der Name Vollgeld. Die Banken dürften zwar weiterhin Kredite vergeben, aber nur in der Höhe, die durch Spar- oder Anlageguthaben tatsächlich gedeckt ist.

Was sagen Nationalräte zur Vollgeld-Initiative?
Bundesrat und Ständerat haben die Initiative abgelehnt. Auch viele Nationalräte sind skeptisch: Beat Flach (GLP) warnt etwa davor, dass ohne Geldschöpfung der Banken allein die SNB über den Umfang der Kreditvergabe durch die Banken bestimmt. Sehen Sie seine Stellungnahme und diejenige anderer Nationalräte im Video.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wave Dancer am 06.12.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl am Bürger / FIAT-Geld!

    Ja die Banken geben sich selber Geld und wenn diese es verzocken bezahlt der Bürger dann den Schaden mit seinem Ersparten! Warum kriegt Ihr heute nichts mehr auf euren Sparguthaben? Weil die Banken in Massen Geld produziert haben, das Euer Erspartes direkt konkurrenziert! Zu Gunsten der Banken natürlich, die ja an all den irrsinnigen Transaktionen verdienen!

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  • Gregor Dietrich am 06.12.2017 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Täuschung oder Betrug?

    Das Bankengeld-System wurde ohne Wissen der Bevölkerung eingeführt und konnte sich auch nur aus diesem Grund so lange halten! Aber damit ist nun schluss!

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  • Schöschu vo Bärn am 06.12.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mach das jetzt auch so!

    Ab sofort bin auch ich eine Bank! Gebe jedem Kredit in jeder Höhe, solange er mir 1% Zins bezahlt. Ach ja, und die Parlamentarier finden das okay!?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 07.12.2017 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Lohn gehört nicht in die Bankbilanz

    Wie kann es sein, dass mein Lohn in der Bilanz meiner Bank auftaucht? Mein ehrlich verdientes Geld gehört mir, bis ich es freiwillig ausleihe! Die Vollgeld-Initiative will, dass mein Geld ausserhalb der Bankbilanz steht. Daher Ja zu Vollgeld und einem sicheren elektronischen Portemonnaie!

    • Bruno Wüst am 07.12.2017 22:34 Report Diesen Beitrag melden

      Vollgeld ist wohl eine etwas unglückliche Bezeichn

      Ich bin ganz deiner Meinung

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  • Dr. Strange am 07.12.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drauf los drucken

    Jetzt kommen wir der Bitcoin Sache schon näher... nur dass das Bitcoin nicht einfach künstlich hergestellt werden kann..

  • Willhelm Stocker am 07.12.2017 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schein trügt

    Vollgeld wär schon super. Diese Initiative geht es aber vA darum die Planwirtschaft auszuweiten und um Zentralisierung. Die Zentralbank wird damit noch mächtiger und das Volk wird dann noch mehr ausgenommen. Wenn Ihr wirklich Vollgeld wollt, dann braucht es eine Initiative für einen neuen Goldstandart! Alternativ kann jeder individuell einen Teil seines Vermögens in Gold Investieren und sich damit vor der ständigen Geldentwertung schützen. Diese pseudo Vollgeld Initiative ist nicht was sie scheint und ich werde definitiv dagegen stimmen!

    • Gregor Dietrich am 07.12.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz sicher keine Planwirtschaft!!!

      Was wir wollen ist: Staatliche Geldherstellung und private Kreditvergabe!

    • Mike Meier am 07.12.2017 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Gregory Dietrich

      Das IST Planwirtschaft! Ziel ist die Zerschlagung des Finanzsektors und Etablierung des Staates in Sachen Geldwirtschaft. Private Kreditvergabe? Mit Vollgeld inexistent.

    • pantau am 07.12.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      weiter im Initiativtext:

      Sie (SNB) bringt im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages neu geschaffenes Geld schuldfrei in Umlauf, und zwar über den Bund oder über die Kantone oder, indem sie es direkt den Bürgerinnen und Bürgern zuteilt." Wen es nicht ein marxistischer Paradies ist...

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  • Das Badezimmer am 07.12.2017 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Ja, muss her. Es kann nicht sein das Banken Geld horten.

  • Dieog am 07.12.2017 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestreservesystem

    die Banken müssen nur 2-5% der Guthaben bevorraten. Bringt jemand 100'000 zur Bank, macht die Bank folgendes, sie behält die 2-5% und vergibt 95000 als Kredit. Bringt der Sparer das Geld auf eine Bank beginnt das spiel von vorne. Aber das Problem ist auch das Interbankensystem wo die Geldmengen exponentiell wachsen. Das aktuelle Finanzsystem ist ursächlich für alle Wirtschaftskrisen. Das System ist ausgeklügelt und weiss immer einen Schuldigen zu bennenen- ausser sich Selbst. Greenspan sagte, würden die Leute das System verstehen, hätten wir noch heute Abend eine Revolution!

    • A.Surrer am 07.12.2017 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      So hatten wir es an der Uni gelernt.

      doch kann dies nicht sein! Es wäre simpel und einfach DIEBSTAHL! Ihre Spareinlagen haben keinen Einfluss auf die Kreditvergabe einer Bank, dafür ist das Eigenkapital der Bank entscheidend und die Gesetzte, denn ohne könnte ein Bank unendlich viele Kredite vergeben. Es ist grundsätzlich nicht so, das eine Bank das Geld der Sparer an diejenigen weiterleitet die Kredite brauchen.(Ausnahmen sogenannte "Einmaleinlagen", nicht jedoch ihr Spar- oder Kontokorrentkonto) Und sogar der Pressesprecher der UBS scheint dies anscheinend nicht zu wissen...

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