Börsen-Gurus

17. August 2009 16:06; Akt: 17.08.2009 17:00 Print

Hauptsache extrem

von Werner Grundlehner - «Die ultimative Krise steht noch bevor – alles Geld in Gold» oder «Jetzt Aktien aus Sri Lanka kaufen». Die Börsengurus wissen, was sie ihrem Publikum schuldig sind – um aus der Menge herauszustechen, werden Szenarien und Tipps bisweilen sehr exotisch.

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«Dr. Doom» (Doktor Untergang) wird er respektvoll gerufen. Mark Faber, Schweizer mit Wohnsitz in Hongkong, sagt voraus, dass die «ultimative Finanzmarkt-Krise» in den nächsten fünf bis zehn Jahren eintreffen wird. Der Dollar werde einen Wert von Null erreichen und die asiatischen Währungen auf dem Rücken der chinesischen Valuta einen Höhenflug erleben. Wann dies der Fall sein wird, gibt Dr. Doom nicht bekannt. Der Pferdeschwanzträger mit schütterem Haupthaar begründete seinen Ruhm mit der Vorhersage des Börsencrashs im Jahr 1987. Dass seine Bilanz davor und danach durchzogen war, interessiert seine Anhänger kaum.

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Andere Gurus wollen da nicht nachstehen. Um die riesige PR-Maschinerie, die um sie herum aufgebaut wurde, am Laufen zu halten, beglücken sie uns mit originellen Tipps oder extremen Prognosen. Jim Rogers, Rohwarenexperte und Träger von sehr bunten Fliegen, empfiehlt auf Aktien aus Sri Lanka zu setzen. Derweil sieht Kollege Mark Mobius eine weltweite Korretur der Aktienkurse um 30 Prozent. Robert Prechter will da nicht nachstehen, er prognostiziert einen Preiszerfall des Erdöls auf zwischen 4 und 10 Dollar je Fass. Prechter, ein Autor von 14 Büchern und Marktanalyst, ist der breiten Masse kaum bekannt – das würde sich schlagartig ändern, falls der Fasspreis tatsächlich unter 10 Dollar fällt.

Cash-Guru setzt auf Praxisnähe

Kommt in der Schweiz die Rede auf Finanzgurus, denkt die Mehrheit an den «Cash-Guru». Fredi Herbert, so sein bürgerlicher Name, arbeitet jedoch ganz anders als Dr. Doom & Co. «Für mich steht der praktische Nutzen im Vordergrund - was will der Anleger heute und morgen wissen», erklärt er. Diese Praxisnähe habe zu seiner hohen Akzeptanz in der Schweiz geführt. «Diese extremen Finanztipps haben aber einen guten Unterhaltungswert», sagt der Cash-Guru. Zudem werden diese zum Teil zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Wenn ein bekannter Anlagestratege Aktien aus Sri Lanka empfehle, sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass dies auch eintreffe. Denn der dortige Aktienmarkt ist derart klein, dass schon wenige Käufer die Kurse antreiben können. «Der praktische Nutzen für den Durchschnittsanleger bleibt gering», so der Cash-Guru.

Wie die Astrologen

Die Gurus arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie Wahrsager und Astrologen. Diese versuchen mit extremen Prognosen zum Tod von wichtigen Persönlichkeiten oder Naturkatastrophen Aufmerksamkeit zu erregen. Trifft die Vorhersage nicht ein, kümmert das kaum jemand und die Prophezeiung geht mit vielen anderen wirkungslos vergessen. Trifft das Ereignis jedoch ein, kann der «Seher» mit jahrelanger Aufmerksamkeit rechnen - «das ist doch der, der den Tod von XY vorhergesehen hat».
Auch die Tipps der Finanzgurus werden diskutiert, wenn sie publiziert werden, kaum jemand zieht indessen Bilanz über die gesammelten Ratschläge. Doch wenn jemand die Börsenkrise vorhersah, ist die Aufregung gross. Und man übersieht gern, dass betreffender Guru den Absturz auch schon für die vorhergehenden Jahre vorhergesagt hatte. Wenn man lang genug eine These vertritt, wird sie irgendwann auch eintreten – ganz nach dem Motto des britischen Ökonomen John Maynard Keynes: «In the long run we are all dead» (langfristig sind wir alle tot).