Direkter Geldsegen

27. Februar 2011 12:01; Akt: 27.02.2011 18:19 Print

Einzelne Bauern erhalten über 400'000 Franken

Bauernbetriebe erhalten jedes Jahr Riesensummen als Direktzahlungen. Der grösste Empfänger erhält gar eine halbe Million Franken - das überrascht selbst den Bauernpräsidenten.

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Vor und im Bundeshaus stark: Die Bauern werden gegen das neue Direktzahlungssystem kämpfen. (Bild: Keystone)

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Der Bund greif jedes Jahr tief in die Taschen und zahlt 2,8 Milliarden Franken an Direktzahlungen an Bauern. Pro Betrieb macht das im Schnitt 51 400 Franken, doch zahlreiche Bauernbetriebe erhalten weit mehr: Der Spitzenreiter in der Schweiz erhält knapp eine halbe Million Franken an Direktzahlungen. Mehrere weitere Betriebe kommen auf über 400 000 Franken, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gegenüber der «NZZ am Sonntag» bestätigte. Die Zahlen überraschen selbst den Präsidenten des Bauernverbandes, Hansjörg Walter: Er wusste nur, dass einzelne Betriebe «über 100 000 Franken» erhalten.

Wer die Spitzenkassierer sind, sagt das BLW nicht. Es handelt sich aber gemäss «NZZ am Sonntag» vorwiegend um Betriebsgemeinschaften im Jura. Sie verfügen über die grösste Fläche pro Betrieb, was ihnen den Geldsegen garantiert. 1040 Franken gibt es pro Hektare. Zwar erhalten die hohen Beträge vor allem Bauernbetriebe, die «vorbildlich», besonders tierfreundlich arbeiten und «Leistungen erbringen, die im Interesse der Allgemeinheit sind», sagt die bernische Volkswirtschaftsdirektion über ihren Spitzenverdiener gegenüber der «NZZ am Sonntag»; der grosse Batzen geht aber dennoch rein über die Fläche an die Betriebe. Jetzt möchte der Bund das System allerdings ändern.

Grösse soll keine Rolle mehr spielen

Ab 2014 soll nicht mehr in erster Linie die Grösse eines Betriebs die Höhe der Beiträge bestimmen, sondern die Leistungen, die ein Bauer für die Allgemeinheit erbringt – etwa bei der Landschaftspflege, der Versorgungssicherheit oder der Förderung der Artenvielfalt. Das Prinzip wurde von den Interessenvertretern begrüsst, doch über die Verteilung der Mittel ist man sich nicht einig: Während Umweltverbände das Augenmerk auf Ökologie legen, wollen die Wirtschaftsverbände die Effizienz steigern.

Die Bauern fürchtet letztlich beides: Wenn sie ökologischer sein müssen, könnten sie nicht mehr effizient sein. Die Landwirte haben deshalb bereits Widerstand angekündigt. Wie die «NZZ am Sonntag» prophezeit, haben sie dank ihrer starken Lobby im Bundeshaus gute Chancen, sich durchzusetzen.

(amc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AlexKeller am 27.02.2011 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wegespfeiler

    Mit einem solchen Erhalt könnte ich ohne finanzielles Risiko in die Selbstständigkeit gehen... Der Bund sollte jetzt einfach entscheiden... Erhaltung der Bauerntradition oder mehr junge Unternehmer?! ps: Ein Bauernhof kann man mit Leidenschaft, aber vor allem auch unternehmerisch führen, dies vergessen leider zu viele Bauern...

  • Felix am 28.02.2011 06:19 Report Diesen Beitrag melden

    Marktverzerrung

    Gehen der Bauernlobby die Argumente aus erfindet man neue! Wieviel Subventionen erhalten all die KMU die die Wirtschaft am Leben erhalten, Lehrlinge ausbilden etc.? Die armen Bauern, wie man immer wieder hört. Totel ergibt sich also ein Einkommen gegen 100000 p.a. Da sagen alle Handwerker danke. Subvention verzerrt den Markt.

  • antibauer am 27.02.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    ich glaub ich spinne!!!!

    das kann doch nicht wahr sein? wir subventionieren unsere eigenen nahrungsmittel mit steuergeldern und dann noch so etwas!!!! da lässt sich richtig geld damit verdienen und wahrscheindlich arbeiten nur billige ausländische arbeitskräfte auf diesen höfen!! fordere den sofortigen stopp von direktzahlungen!!!!!!! sollen die doch selbst schauen wie jeder andere betrieb

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dorfbewohner, TG am 01.03.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    ja aber....

    Ich lebe in einer Gemeinde mit (noch) vielen Höfen - und gerade die sind es die das heimische Gewerbe noch am Leben halten mit ihren Aufträgen. Und die Bauernfamilien kaufen noch im Dorfladen ein. Ohne die Bauern gäbe es hier weder Dorfladen noch Schreinerei, Werkstätten, Bäcker, Metzgerei, denn die anderen sitzen ins Auto und fahren in den Supermarkt weil sie denken sie sparen so Geld. Schon mal an sowas gedacht ? Aber es muss eine Beitragslimite gefunden werden , da stimme ich zu.

  • Patrik Walzer am 01.03.2011 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Danke, Merci, Grazie

    Liebe Bauern: Ich - Städter notabene - danke auf diesem Weg für die tollen Produkte, die Ihr herstellt! Fertig, Punkt aus - und nein ich nörgele nicht und das meine ich nicht ironisch sonder als Dankeschön. Es arbeiten viele Leute sehr hart in diesem Land und anderswo, man muss sich nicht immer als Opfer sehen sondern auch mal dankbar sein!

  • db der städter am 01.03.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    nötig

    ich finde es nötig , dass vorallem die bergbauern anständig entlöhnt werden . nebst der harten arbeit , muss man auch berücksichtigen , dass diese bauern auch für die erhaltung der landschaft verantwortlich sind . natürlich sollte man auch in diesem fall höfe unterstützen , die besonders naturnah und tierfreundlich arbeiten .

  • eva wälti am 01.03.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Annahme

    ich finde es wäre richtig Kleinbetriebe zu unterstützen, nicht aber die Grossen. Mit all dem Bundesgeld wird ihnen ermöglicht Land zu überrissenen Beträgen zu kaufen und eliminieren so die Kleinbauern, welche auf mehr Land angewiesen wären, dies betrifft insbesondere das Grosse Moos, von andern Regionen kann ich nicht sprechen. Aber im Seeland kaufen die Grossbetriebe, mit Subventionen, ganze Betriebe auf und die finanzschwachen haben das Nachsehen. Uebrigens wird vergessen, dass nicht der Landwirt den Preis macht, sondern der Zwischenhandel, der sahnt ganz schön ab!!! Auf Kosten der Landwirte

  • Noro elle am 01.03.2011 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt hier eigentlich einer mit?

    Wieso zahlt der Bund die ganzen Gelder? Habt ihr euch das mal überlegt? Schlussendlich kommt das Geld uns allen zu gute, denn so sind die Produkte im Laden günstiger. Würden die Bauern keine Gelder bekommen, müssten sie so viel für die Produkte verlangen, dass sie kaum mehr bezahlbar wären. Ich kenne auf jeden Fall keinen Bauern, der gut verdient. WIr haben schlussendlich wahrscheinlich alle mehr Lohn und dazu noch Wochenende und Ferien. Also-haltet den Ball mach flach!

    • Heliamphora am 01.03.2011 08:51 Report Diesen Beitrag melden

      Stress...

      Als ob alle Nicht-Bauern keinen Stress haben und uns den ganzen langen Tag faul am Bauch kratzen können...Auch wir arbeiten

    • Noro elle am 01.03.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ja klar

      Das sagst du jemanden mit einer 50 Stunden Arbeitswoche und einem ehrenamtlichen Job. Natürlich arbeiten wir auch, aber wir haben ein Wochenende und Ferien. Die meisten Bauern haben das ganz selten. Der Bund sind eigentlich wir und der Bund muss unsere Gelder in unsrem Sinne verwalten.Durch die Zahlungen an die Bauern, gibt er uns das Geld zurück.Die Produkte sind so günstiger.Mir ists lieber so,als dass wieder zig Gelder in fremde Länder geschickt werden.

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