Produktpiraterie

17. Februar 2015 08:32; Akt: 17.02.2015 08:32 Print

So gehen Marken gegen Fälschungen vor

Erwischt der Zoll Personen mit gefälschten Taschen oder Kleidern, leitet er ihre Adressen an die Hersteller weiter. Die Rechnung kann saftig ausfallen.

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Erfolgreiche Markenprodukte sind seit jeher Zielscheibe von Fälschern. Mit der Globalisierung des Handels nehmen Fälschungen und Produktpiraterie immer weiter zu. Sogar beim Kauf auf seriös anmutenden Websites kann man auf Produktfälschungen hereinfallen – allenfalls mit unangenehmen Konsequenzen.

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So auch in einem Fall, über den die «SonntagsZeitung» in ihrer letzten Ausgabe berichtete. Mit ein paar Klicks erwarb eine Leserin der Zeitung eine Louis-Vuitton-Tasche im Internet. Doch das edle Stück stellte sich als chinesische Fälschung heraus. Der Zoll beschlagnahmte das Accessoire.

900-Franken-Rechnung

Ausserdem gab die Behörde die persönlichen Daten der Käuferin an den Anwalt von LVMH, dem Hersteller der Marke Louis Vuitton, weiter. Kurz darauf erhielt sie einen Brief mit der Aufforderung, der Firma LVMH 900 Franken als «Unkostenbeteiligung» für den entstandenen Schaden zu bezahlen.

Muss man eine solch saftige Rechnung bezahlen? «Auf gar keinen Fall», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Aus rechtlicher Perspektive müsste die Firma LVMH vor Gericht ein Verfahren gegen die Käuferin des Imitats anstrengen. Dort müsste der Hersteller beweisen, dass ihm durch den Imitatkauf ein Schaden entstanden ist. «Die Chancen auf einen Erfolg wären aber wohl gering», erklärt Stalder.

Einfach ignorieren

Die Konsumentenschützerin rät Betroffenen daher, den Anwaltsbrief zu ignorieren. Falls der Hersteller des gefälschten Produkts mit einer Betreibung reagiere, solle man Rechtsvorschlag erheben. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, ist es aber noch nie so weit gekommen. Bei Personen, die die Rechnung einfach ignorierten, habe sich das Unternehmen meist nicht mehr gemeldet – und das ist richtig so, findet Stalder: «Die Drohkulisse per Anwaltsbrief ist äusserst unfair und zielt darauf ab, die Kunden zu drangsalieren.» Original und Fälschung stammten manchmal aus der gleichen Produktionsreihe und seien für den Konsumenten nicht voneinander zu unterscheiden.

Auch für die Schweizer Anti-Fälschungsplattform Stop Piracy sind hohe Schadenersatzforderungen eher kontraproduktiv. Verständlich sei, dass Originalhersteller Zollkosten an die Käufer der Fälschungen weitergeben würden, erklärt Geschäftsführer Lukas Lüthi. Diese müssten sie ansonsten bezahlen, obwohl es sich nicht um ihr Produkt handelt. Es könne aber nicht sein, dass man die Konsumenten mit hohen Schadenersatzforderungen kriminalisiere. «Besser ist es zu erklären, warum der Kauf von Fälschungen problematisch ist.»

Wie man sich schützen kann

Doch wie kann man sich vor Fälschungen schützen? Lüthi rät bei Käufen im Internet auf Faktoren wie merkwürdige Domainnamen oder fehlende Kontaktangaben auf der Website zu achten. Auch der Preis sei ein guter Indikator. Luxusartikel, die mit Rabatten von 60 bis 80 Prozent angeboten würden, seien fast immer Fälschungen.

Der LVMH-Konzern hat auf eine Anfrage von 20 Minuten nicht reagiert.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konsument am 17.02.2015 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man sich schützen kann

    Indem man gar keine solch masslos überteuerten Markenartikel mehr kauft!

  • Marianne Schöni-Renz am 17.02.2015 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat als Helfershelfer...

    der Luxus-Industrie! Die exorbitanten Margen sollten mehr als nur genügen, um die Kosten einer Verfolgung von Piraterie zu decken. So zahlt der Staat (wir) einen schönen Batzen an die dekadenten Saläre der Protagonisten! Schutz von Arbeitsplätzen? Welch eine Heuchelei, meist werden die Kopien in den gleichen Billigst-Werkstätten wie die Originale hergestellt!

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  • El Barto am 17.02.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    wieso zerstören

    ich finde es eine riesen Sauerei vom Staat, dass intakte Produkte (auch wenn Kopien) einfach so zerstört werden. Und das nur aus dem Grund damit ein Herr LV und Gucci sich einen Swimming Pool für Ihr Hündchen leisten können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E.N. am 18.02.2015 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prado Italien da wird noch Produziert

    Prado lädt grüssen die Kopienwerkstätten der Asiaten in der nähe von Florenz

  • syrius.maximus am 17.02.2015 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit oder Frechheit

    Zölle gehören weltweit abgeschafft.

  • E.N. am 17.02.2015 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo beginnt und wo endet der Schwachsinn

    Schwachsinn Kauf ein Übel der Gesellschaft Der Kunde möchte ja über den Tisch gezogen werden.

  • Lösu am 17.02.2015 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz

    Wenn der Zoll persönliche Daten an private Unternehmen weitergibt stellt sich die Frage wie weit dies mit dem Datenschutz vereinbar ist. Wenn schon was weitergegeben wird müsste dies die Adresse des VERkäufers sein nicht die Adresse des Empfängers. Aber eben bei den Schweizer Behörden ist immer der Konsument der Dumme und die Unternehmen werden für all ihre Schandtaten noch geschützt.

  • Mary am 17.02.2015 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    UGG-Boots

    Gerade bei UGG-Boots ein Riesenbschiss. Denn in Australien, wo die Original UGG-Boots eigentlich herkommen, kann der Begriff als Marke gar nicht geschützt werden. Weil UGG-Boot ein allgemeiner Begriff ist, der einen Stiefel aus dem Fell eines weiblichen Schafs (=Ugg) bezeichnet und von der Form her immer etwa gleich ist. Die Marke UGG-Boot hat sich eine amerikanische Firma weltweit (ausser in Australien) schützen lassen und verdient Geld mit etwas, was die Firma gar nicht erfunden oder kreiert hat.