Gefährlicher Boom

14. August 2013 11:14; Akt: 14.08.2013 18:41 Print

Tappt Raiffeisen in die Hypotheken-Falle?

Die Nationalbank warnt vor riskant vergebenen Hypotheken - doch die Banken sprechen weiter grosszügig Kredite: Das Hypothekarvolumen bei Raiffeisen stieg im ersten Halbjahr um 3,8 Mia. Franken.

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Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: Seine Bankengruppe hat im Hypothekengeschäft einen Anteil von mehr als 16 Prozent. (Bild: Keystone)

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Trotz der Warnungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vor einer Immobilienblase hat die Raiffeisen-Gruppe im Hypothekargeschäft erneut deutlich zugelegt. Das Hypothekarvolumen der Bankengruppe wuchs im ersten Halbjahr um 3,8 Mia. auf 139,7 Mia. Franken. Das sind 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Institut am Donnerstag bekannt gab. Damit hat Raiffeisen einen Anteil von 16,2 Prozent am gesamten Hypomarkt in der Schweiz. Oder anders ausgedrückt: Beinahe jeder sechste Hypothekarnehmer hat bei der Raiffeisen-Gruppe sein Geld geholt.

Aufs Jahr hochgerechnet sei die Raiffeisen im Hypothekargeschäft mit einem Wachstum von 5,6 Prozent leicht stärker gewachsen als der Gesamtmarkt (4,6 Prozent), hiess es in einer Präsentation des Instituts zum Halbjahresergebnis. Insgesamt habe sich das Hypothekarwachstum leicht abgeschwächt.

Mahnung der Nationalbank

Die SNB hatte vor kurzem erneut ihre Sorgen über den Schweizer Hypothekarmarkt ausgedrückt. «Bei 40 Prozent der neu gesprochenen Hypothekarkredite wird die Vorsichtsregel nicht eingehalten», sagte SNB-Vizedirektor Jean-Pierre Danthine kürzlich zu der Sonntagspresse. Diese Regel besagt, dass ein Haushalt in der Lage sein muss, die Hypothekarzinsen auch noch bei einem Zinssatz von gegen 5 Prozent begleichen zu können, wobei höchstens ein Drittel des Einkommens dafür verwendet werden darf.

Wie genau nimmt es die Raiffeisen Gruppe mit der Sicherheitsregel?««Wir haben seit Jahren verankert, dass keine Hypotheken vergeben werden, wenn ein möglicher Schuldner die Hypothek bei einem Zinssatz von 5 Prozent nicht halten kann», sagt Sprecher Franz Würth auf Anfrage von 20 Minuten. Ausnahmen lasse das Reglement nur zu, wenn die Tragbarkeit auf Grund eines detaillierten Budgets nachgewiesen werde. Die Einhaltung dieser Regel werde intern streng überwacht.

Die Notenbanker mahnen insbesondere inlandorientierte Banken zu grosser Vorsicht. Denn deren Hypothekenvolumen sei innert Jahresfrist um weitere rund 5 Prozent gestiegen, und auch das Risiko einer Preiskorrektur habe sich nochmals vergrössert. Laut Ansicht der SNB ist die Risikobereitschaft bei den Banken gross: Zahlreiche Hypotheken würden mit einem Belehnungsgrad von über 80 Prozent vergeben.

Schlechtere Note von Moody's

Ins gleiche Horn stiess vor einem Monat die Ratingagentur Moody's, die die Bonitätsnote der Raiffeisen Schweiz von Aa2 auf Aa3 senkte. Moody's begründete die Herabstufung unter anderem mit dem überdurchschnittlichen Hypothekarwachstum der Bankengruppe. Dieses mache Raiffeisen anfällig für Schocks bei einem signifikanten Preiszerfall im Immobilienmarkt.

Bei der Raiffeisen-Gruppe sei das Hypothekarvolumen von 2007 bis 2012 jährlich im Durchschnitt um 7,6 Prozent gewachsen, stellte Moody's fest. Dies könnte bei einem Preiszerfall im Häusermarkt die Kapitalpolster der Gruppe schwächen.

Raiffeisen selber hält fest, dass die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken seit Ende Dezember 2012 auf 273 Mio. Franken gesenkt worden seien. Das entspreche 0,19 Prozent des Kreditvolumens. Die effektiven Verluste betrügen lediglich 0,004 Prozent der Ausleihungen, also praktisch null.

Höhere Kapitalpuffer angedroht

Die Nationalbank warnte, dass weitere regulatorische Massnahmen nötig werden könnten, wenn die Risiken auf den Schweizer Hypothekar- und Immobilienmärkten zunehmen sollten. Die SNB werde regelmässig prüfen, ob der antizyklische Kapitalpuffer erhöht werden solle.

Auf Antrag der SNB hat der Bundesrat per 30. September einen solchen Puffer verhängt, der von den Banken eine zusätzliche Eigenmittelhinterlegung für Hypotheken von 1 Prozent verlangt. Der Satz könnte auf bis zu 2,5 Prozent erhöht werden.

Vergeben die Banken die Hypotheken zu grosszügig? Welche Angebote haben Ihnen die Banken unterbreitet?:feedback@20minuten.ch

(sda/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Herren am 14.08.2013 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen geht es gut

    Nein, wir haben im 2008 eine festhypothek zu 4.15 abgeschlossen. Wenn noch mehr hyponehmer so dumm waren geht es der Raiffeisenbank noch lange gut! Werner Herren

  • Pierre Nussbaumer am 14.08.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hypo-Risiko

    man hat den Eindruck, die Raiffeisen will der Grösste werden in der Hypo Branche, was solls, wenn der Krasch kommt, ist Herr Vincenz schon lange in Rente. Zuwenig wird auf die Scheidungsrate geachtet, auch keine Beachtung wieviel Leid und Schaden entstehen beim kleinsten Zwischenfall !

    einklappen einklappen
  • Joseph Eldin am 14.08.2013 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gier von Pierin Vincent

    Die Gier von Herr Vincent als der meist gefeierte Banker der Schweiz zu sein ist immens. Wenn es eine Hypotheken Krise geben würde, was ich nicht hoffe, dann wird das schlimme Folgen für die Schweizer Bevölkerung haben. Ospel wird dann bald einen Nachfolger erhalten... Bitte dann kein Rettungspacket für Raiffeisen schnüren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gottfried Weibel am 14.08.2013 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Verzweifelt

    Ich werde mein Sparkonto bei der Raiffeisenbank jetzt transferieren. Ich werde nicht mein sauer verdientes Geld dem Grössenwahnsinn eines Bankers nachwerfen der sich nicht vorstellen kann, dass die Zinsen steigen und damit die Lebenskosten und den Hyponehmern das Geld ausgeht. Hoffe nur dass die neue Bank seriöser geschäftet.

  • Upanddow am 14.08.2013 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht schwarzmalen

    Ich denke doch das hier einige übertreiben oder zu wenig Ahnung von der Materie haben. Es mag zwar sein, dass es Probleme geben kann durch die Finanzierung mittels PK geldern (jedoch erst im Pensionsalter falls der Betrag nicht wieder einbezahlt wurde). Doch ich bin sicher, dass sich 99% aller Banken und Berater an die 20% EK halten (es wird eher mehr verlangt) und die Tragbarkeit mit 5% plus 1% Amortisation zuzüglich 1% Nebenkosten (insgesamt ca. Mit 7%) rechnet. Dies vorallem in denletzten Jahren. Ausnahmen gibt es zwar, doch sehr selten und diese sind gut begründet (z.B. Sehr hohes Vermögen

  • Paladin am 14.08.2013 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    Habe gerade die Bank gewechselt und bin zur Raiffeisen gegangen - obwohl ich da noch einiger massen Vertrauen habe, fühle ich mich bestätigt in meiner Entscheidung KEIN Genossenschaftsmitglied zu werden und mit zu haften. Huch!

  • D. Linser am 14.08.2013 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Xte Blase egal welche Bank

    Wer nichts hat dem sollte auch nicht gegeben werden. So hätten die Banken auch keinen hohen Risiken. Aber jeder muss zu jedem Preiss ein Eigentum erwerdeben. Pensionskasse, Verwandte alle müssen daran glauben und dann bringen sie nicht mal 20% Eigenkapital zusammen. Würde mind. 30% Eigenkapital verlagen bis 700'000 .

  • Banker2013 am 14.08.2013 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    korrekte Realität

    Probleme hätte nicht die Raiffeisenbank sondern die Schuldner, die die Banken übrigens häufig mit Konkurrenzofferten zwingen Konditionen zu senken und "grosszügig" zu sein. Aber zuerst geht immer das Eigenkapital der Kunden flöten. Zudem: wer sein Eigenkapital mittels Pensionskassenguthaben finanziert ist selber Schuld, Der hat dann weder Pensionskassengeld noch Eigenkapital. Ist auch völlig falsch, dass die der Gesetzgeber überhaupt je zugelassen hat. Dies ist der grösste Blödsinn bei den Liegenschaftsfinanzierungen. Das wird Problemfälle geben.