Swissair-Grounding

12. Oktober 2017 02:46; Akt: 12.10.2017 03:41 Print

Gericht weist Sabena-Milliardenklage ab

Die Liquidatoren der belgischen Fluggesellschaft Sabena müssen auf viel Geld verzichten. Das Zürcher Obergericht bestätigt das Urteil des Bezirksgerichts.

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Die Belgier erhalten die geforderten 2,38 Milliarden nicht: Ein Sabena-Flugzeug zusammen mit einer Maschine der Swissair. (Archivbild) (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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16 Jahre nach dem Swissair-Grounding ist die finanzielle Aufarbeitung der grössten Schweizer Firmenpleite immer noch nicht abgeschlossen: Das Zürcher Obergericht hat nun entschieden, dass die Liquidatoren der belgischen Fluggesellschaft Sabena auf viel Geld verzichten müssen.

Im Jahr 1995 stieg die Swissair bei der Sabena ein: Sie übernahm 49,5 Prozent der damals schon stark verschuldeten belgischen Fluggesellschaft. Der belgische Staat hielt 50,5 Prozent der Anteile.

Das ganze SAirGroup-Konstrukt und mit ihm die Sabena stürzte bekanntlich im Jahr 2001 zusammen. Seither wird das Geflecht aus Anfangs 260 Einzelgesellschaften liquidiert. Gemäss Angaben von Swissair-Liquidator Karl Wüthrich wurden inzwischen Forderungen in der Höhe von 15 bis 20 Milliarden Franken anerkannt. Auf Sabena entfallen davon Forderungen im Umfang von 382 Millionen.

Forderung von 2,38 Milliarden

Das reicht den Sabena-Liquidatoren aber nicht: Sie verlangten aus dem Nachlass der SAirGroup weitere stolze 2,38 Milliarden Franken. Dieser Schaden sei der Sabena entstanden, weil die SAirGroup den gemeinsamen Vertrag, das Astoria-Agreement, nicht eingehalten habe. Darin ging es unter anderem um den Kauf von neun Airbus-Maschinen, die von der SAirGroup hätten übernommen werden sollen.

Die Sabena-Liquidatoren verlangten deshalb, mit dem Milliarden-Betrag in den Kollokationsplan aufgenommen zu werden. In diesem Plan werden alle Forderungen der Gläubiger aufgelistet und in drei Klassen eingeteilt. Die Gläubiger mit Forderungen in der 1. und 2. Klasse, darunter sind etwa Arbeitnehmer, Pensionskassen und Sozialversicherungen, wurden bereits vollumfänglich ausbezahlt.

Was noch teilweise offen ist, sind Forderungen von Gläubigern der 3. Klasse, zu der Lieferanten, Obligationäre, Banken und Geschäftspartner zählen – dazu gehört auch die Sabena.

Nur 28 Millionen bewilligt

Ihre geforderten 2,38 Milliarden werden die Belgier aber nicht erhalten: Bereits das Zürcher Bezirksgericht lehnte es ab, diesen Betrag zuzulassen. Nun entschied das Zürcher Obergericht genau gleich. Gemäss dem kürzlich publizierten Urteil werden nur 28 Millionen Franken als zusätzliche Forderung akzeptiert.

Die Sabena-Liquidatoren erhalten zudem nicht die ganzen 28 Millionen, sondern nur die Konkursdividende darauf. Diese beträgt aktuell 18,5 Prozent. Was sie erhalten, entspricht somit nur noch einem Bruchteil ihrer Forderung.

Wie Wüthrich auf Anfrage sagte, zieht die Sabena dieses Urteil nicht ans Bundesgericht weiter. Es ist somit rechtskräftig. Für Wüthrich ist dieser Obergerichtsentscheid ein grosser Fortschritt. Das Urteil ermögliche es, weitere Zahlungen an Gläubiger zu machen. Vorher musste er Rückstellungen machen, um die eventuell erfolgreiche Sabena-Forderung erfüllen zu können.

Wie lange es noch dauert, bis die SAirGroup komplett liquidiert ist, kann Wüthrich nicht genau sagen. Er hofft, dass er die meisten der noch hängigen Projekte in den kommenden zwei Jahren abschliessen kann.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ghino di Punta am 12.10.2017 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine unglaubliche

    lange Geschichte. Man hat Herr Bruggisser schalten und walten lassen. Die, die kontrollieren mussten, taten es nicht. Bund, Kantone, Gemeinden, Institutionelle. Das ist die echte Schande. Alle davon gekommen.

  • Simon am 12.10.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich

    Ich kann verstehen, dass so eine Liquidation ein langwieriger Prozess ist aber 16 JAHRE? Bearbeitet das ein einzelner Mitarbeiter?

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  • King Louis XIV am 12.10.2017 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten liquidation

    Wäre spannend zu erfahren wieviel Hr Wüthrich an dem Mandat schon verdient hat. Er hat bestimmt kein Interesse, dass es schnell vorwärts geht, wahnsinn nach 16 Jahren immer noch dran

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Zac am 12.10.2017 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiiiissaaaair :'-(

    die beste Airline die es je gegeben hat. Fliegende Bank. Staatsgarantie. Luxus und Qualität. Schade ist sie tot. Die kleine Swiss ist nichts im Vergleich zur Swissair.

  • Techno-Oldie am 12.10.2017 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reutlinger und co

    Die bankrupte Sabena war ein Haiptgrind warum die Swissair hops ging!

  • Chäcks es am 12.10.2017 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Neueste These belegt:

    Wer weiß eventuell wurde die Swissair auch vorsätzlich in den Ruin geflogen. Immer schön daran denken wem die Swissair zu schnell, zu groß wurde und wem sie heute gehört. ;) Da hat es eventuell geheißen gebt der Swissair möglichst kein Geld mehr. Zum Beispiel einige Töchter der Swissair die Gate Gourmet, SR Technics und Swissport haben gutes Geld verdient trotzdem wurden sie auch zum Fenster raus geworfen. Es hätte nur kein Politiker Villiger (FDP) das ganze in die Hand nehmen dürfen. Aber man wollte eben nicht so Recht. Warum auch immer... und was wissen wir Bürger schon.

  • pantau am 12.10.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    ausgerechnet

    die Sabena, die haben mit den ständigen Streiks die Pleite mitverursacht.

  • Meryll am 12.10.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange soll das durchgekaut werden?

    Klar ist: keiner bekommt mehr als die Konkursdividende. Auch Mitarbeiter nicht. Klar kommen da gewisse Betriebe zu Schaden. Wer kein Kapital hat, sollte keine Geschäfte machen. So einfach ist die Geschichte. Spreche aus Erfahrung.

    • ES am 13.10.2017 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Meryll

      Lesen Sie den Artikel... Erste und Zweite Klasse sind ausbezahlt. Arbeitnehmer etc. haben ihre Guthaben längst erhalten...

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