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27. Oktober 2010 23:00; Akt: 28.10.2010 00:22 Print

Bezahlen mit Plastikgeld soll teurer werden

von Elisabeth Rizzi/Alex Hämmerli - Die Detailhändler bekämpfen die neuen Mastercard-Gebühren. Dabei droht den Konsumenten eine viel grössere Gefahr.

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Mastercard/Maestro will mehr Gebühren – zulasten der Detailhändler bzw. der Konsumenten. (Bild: keystone)

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An der Kasse kostet jede Bezahlung mit Plastikgeld den Händler Gebühren. Bei einem Einkauf von 90 Franken sind es mit der Debitkarte Maestro rund 20 Rappen. Nun hat Mastercard/Maestro als Quasi-Monopolistin für Debitkarten in der Schweiz die Gebühren im Juli erhöht und will noch mehr Geld. Dagegen läuft die IG Detailhandel Schweiz mit Charles Voegele, Coop, Denner, Manor, Migros und Valora Sturm. Im Hintergrund lauert allerdings eine viel grössere Gefahr für die Konsumenten. 2011 will Visa mit ihrer internationalen Debitkarte V Pay in den Schweizer Markt drängen. Um ihr den Markteintritt gegen die Übermacht von Maestro zu erleichtern, hat die Wettbewerbskommission Visa erlaubt, während der Markteinführung eine zusätzliche Interchange-Gebühr von durchschnittlich 20 Rappen pro Transaktion zu erheben. Diese würde auf die Konsumenten überwälzt. Heikel dabei ist: Mastercard/Maestro pocht jetzt erst recht darauf, die in der Schweiz bisher nicht existierende Gebühr ebenfalls einführen zu dürfen. «Detailhändlern droht eine Verteuerung der Transaktionen um über 200% und den Konsumenten eine Preissteigerung», warnt Pierre-André Steim vom Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ). Seine Mitglieder generieren über 70% des Debitkartenumsatzes. Der Detailhandel sperrt sich deshalb geschlossen gegen die Gebühr. Der VEZ verhandelt mit Kartenanbietern nun über die Lancierung einer völlig neuen, reinen Schweizer Karte mit tieferen Gebühren. Maestro soll laut Steim parallel dazu mit unattraktiven Geschäftsbedingungen aus dem Schweizer Markt gedrängt werden.


«Höhere Gebühren nicht gerechtfertigt»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz über die höheren ­Gebühren.
Was halten Sie davon, dass ­Maestro eine Interchange-Gebühr fordert?
Sara Stalder: Wegen ihrer Marktmacht ist das absolut nicht gerechtfertigt. Denn, wer heute nicht mit einer Karte der Post bezahlt, hat eine von Maestro.

Otto Ineichen und weitere Parlamentarier reichen Vorstösse ge­gen die Gebührenerhöhungen ein. Reicht das?
Es ist gut, dass sich auch das Gewer-
be einschaltet. Es muss, wie übrigens auch die Konsumenten, die Gebühren ja berappen.

Wie zentral ist alternativ zur Postcard eine weitere Schweizer Karte?
Konkurrenz belebt den Markt, Gebührensenkungen sind möglich. Ausserdem wäre ausgeschlossen, dass Maestro ihre Marktmacht mit einem weiteren Konkurrenten missbrauchen könnte.

Wer schützt Konsumenten vor den Abzockern, wenn es die Weko nicht tut?
Es ist sicher gut, dass sich die Politik in die Diskussion einbringt. Auch der Konsumentenschutz wehrt sich weiterhin bei der Weko gegen diese ungerechtfertigte Gebühr. Letztlich haben aber die Konsumenten eine grosse Macht: Sie könnten vermehrt die PostFinance-Karte berücksichtigen oder – aus Protest – beim Einkauf bar zahlen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans P. Grimm am 01.11.2010 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    wozu eine Karte?

    Die Jahresgebühr für die Karten sind zu hoch, desshalb bezahle ich immer in Bar. Ausserdem geht es niemanden etwas an wo im Lande ich Tanke und einkaufe. mein Profil muss nicht verfolgbar sein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans P. Grimm am 01.11.2010 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    wozu eine Karte?

    Die Jahresgebühr für die Karten sind zu hoch, desshalb bezahle ich immer in Bar. Ausserdem geht es niemanden etwas an wo im Lande ich Tanke und einkaufe. mein Profil muss nicht verfolgbar sein!