Handy statt Münz

26. Juni 2014 07:28; Akt: 26.06.2014 07:28 Print

Swisscom & Co bringen digitales Portemonnaie

von Yves Hollenstein - Schluss mit Bargeld: Swisscom, Sunrise und Orange machen für einmal gemeinsame Sache und starten nächsten Monat mit der neuen Bezahl-App Tapit. Noch überwiegen die Risiken.

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Ganz ohne Bargeld: Tapit-Kunden bezahlen wie auf diesem Bild mit ihrem Smartphone. (Bild: Keystone)

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Angekündigt war es schon lange, nun ist es endlich so weit. Am 1. Juli präsentieren die Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Orange gemeinsam das digitale Portemonnaie namens Tapit («Tipp es an»). Konsumenten können dank der App bargeldlos via Smartphone bezahlen.

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Smartphone statt Portemonnaie - wird sich das neue Bezahlsystem durchsetzen?
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Dazu müssen die Nutzer die App herunterladen und vorgängig ihre Kreditkarte auf der SIM-Karte integrieren lassen. Die Bezahlung erfolgt kontaktlos über NFC (Near Field Communication), ab 40 Franken muss der Kunde allerdings eine PIN eingeben. Das ist auch bei den jetzt schon gängigen Kontaktlos-Kreditkarten der Fall. Was für Gebühren anfallen, ist noch nicht bekannt.

Bereits zum Start kann an einem Grossteil der Kassen in der Schweiz mit Tapit bezahlt werden. So sind die Bezahlterminals der Detailhändler Migros und Coop, aber auch der Kioske sowie der SBB und Ikea bereits mit der NFC-Technologie ausgerüstet.

Win-Win-Situation

Für den GfK-Detailhandelsexperten Thomas Hochreutener ist die Lancierung von Tapit eine Win-win-Situation für Konsument und Händler: «Die Kunden kommen an der Kasse schneller vorwärts und die Läden haben mehr Sicherheit, da weniger Bargeld in der Kasse sein wird.»

Viel Potenzial für das neue Bezahlsystem sieht auch Zahlungsexperte Sandro Graf vom Swiss Payment Research Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. «Wir wissen aus der Forschung, dass sehr viele Leute diesem System gespannt entgegenfiebern», sagt Graf zu 20 Minuten.

Allerdings werde sich Tapit nur durchsetzen, wenn die App dem Kunden auch Zusatzleistungen biete. «Er muss damit Konzertkarten oder das SBB-Ticket kaufen und vielleicht sogar noch E-Banking-Funktionen nutzen können», so Graf.

Namhafte Partnerschaften

In welcher Form die neue Bezahl-App dies können wird, ist noch offen. Gemäss einer Medienmitteilung der Swisscom setzt das Projekt jedoch auf «namhafte Partnerschaften mit etablierten Unternehmen aus der Finanz- und Geschäftswelt.»

Die Möglichkeit, dass die Kunden mitziehen werden, ist laut Experten also gegeben. Das neue System birgt allerdings auch einige Stolpersteine:

Chancen

• Das neue Bezahlsystem nimmt eine Vorreiterrolle ein. Es kommt sogar dem Online-Giganten Google zuvor, der bereits 2011 das mobile Bezahlsystem Google Wallet lanciert hat. Die Verbreitung in Europa kam bisher aber nicht zustande.

• Die App ist auch für andere Anwendungen denkbar. Laut Swisscom ist auch von der Zugangskontrolle für Gebäude die Rede.

• Wird die App konstant weiterentwickelt, könnte es unser Bezahlverhalten durchaus revolutionieren, ist Experte Graf überzeugt. So zum Beispiel mit einer integrierten Budgetkontrolle, wo man aktuell den Überblick hat, wie viel Geld noch zur Verfügung steht.

• Durch das Bezahlsystem erhalten die Telekomunternehmen nützliche Daten über ihre Kunden. So spiegelt Tapit beispielsweise das Bezahlverhalten wider.

Risiken

• Die App ist für einen Grossteil der Kunden nicht zugänglich: Tapit bietet momentan nämlich keine Lösung für das iPhone. Zudem können auch ausländische Kunden das System nicht nutzen.

• Tapit muss vom Start an technisch ausgereift sein, es darf keine grösseren Pannen geben. Im schlimmsten Fall würde dann ein Grossteil der potenziellen Kunden das neue System ablehnen. «Im Stile von, das funktioniert ja eh nicht», so Graf.

• Für die Nutzung von Tapit ist eine neue SIM-Karte notwendig. Kommen dann noch hohe Gebühren, könnte die App bei den Kunden auf Ablehnung stossen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Baumann am 26.06.2014 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Bares ist Wahres

    ..wie in Schweden, dort versucht man das Bargeld im Dienste der "Sicherheit" ganz abzuschaffen mit Karten. Kein Bargeldbezug am Bankomaten mehr möglich. Im Endeffekt gehts darum das Banken u. Detailh. Kosten sparen und der Kunde 100% Transparent wird. Mit Bargeld bleibt man intransparent, wo man was einkauft. :) Immer im Hinterkopf behalten

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  • Zitrone am 26.06.2014 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich nicht

    Mein Handy bleibt mein Handy, mein Portemonnaie mein Portemonnaie. Und da ich ID und Co. nicht auf dem Handy habe, muss das Portemonnaie eh noch mit - da bleibe ich lieber bei einer Zahlungsmethode die nicht potentiell von Malware auf dem Handy mitverfolgt werden kann.

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  • Shuba am 26.06.2014 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Je nach Ansicht wohl eher Risiko

    "Durch das Bezahlsystem erhalten die Telekomunternehmen nützliche Daten über ihre Kunden. So spiegelt Tapit beispielsweise das Bezahlverhalten wider." Diese Daten werden natürlich weiterverkauft an Werbefirmen und Weitere. Besten Dank!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Keira Lannister am 30.06.2014 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gerne mehr davon

    tolle idee aber 40 fr. Sind zuwenig, ich möchte auch meinen Wochen einkauf so schnell bezahlen können, am besten die Produkte gleich selber mit dem Smartphone scannen.

  • Money Zahler am 30.06.2014 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Warum den Umweg über Tapit?

    Tapit macht keinen Sinn. Warum zuerst die Kreditkarte in die App/Handy integrieren wenn dies nur mit der Kreditkarte möglich ist. Die meisten Karten haben die Möglichkeit mit NFC zu bezahlen schon integriert.

  • Leser am 27.06.2014 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso!!

    und das Bezahlen selber damit kostet rein gar nichts!.... oder????

    • Lukas Brüderlin am 03.07.2014 00:06 Report Diesen Beitrag melden

      Kreditkarten Jahresgebühr

      Coop, Migros, SBB, Kios, etc. diese bezahlen die Kreditkatengebühren, welche wohl gleich gross sein dürften, wie bei der herkömmlichen Kreditkarte (mit/ohne NFC). Kunden bezahlen die übliche Kreditkarten Jahresgebühr, das effektive Bezahlen ist aber tatsächlich gratis.

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  • Thom am 26.06.2014 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    iOS???

    Pech für alle, Apple-Fans. NFC gibt es für sie nicht. Wenn dann mal ein Android User in Sekundenschnelle beim MacDonalds bezahlt, Pech für iOS brauchts das nicht, gemäss Apple. Die sind wie immer soo Innovativ.

    • Damian am 30.06.2014 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      Nada

      Ich würde eher sagen: Pech für alle Nicht-iOS-Nutzer. Denn sie stehen hinten an und warten. Wird sich ohne iOS (NFC) nicht durchsetzen.

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  • dabe88 am 26.06.2014 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so en seeich

    neeein sowas will ich nicht. habe auch kein konto und alles geld immer BAR da weis mann was mann hat und kann jederzeit Geschäfte tätigen.