Gesundheitskosten

13. August 2012 08:55; Akt: 13.08.2012 09:11 Print

Zu viele Patienten lehnen Generika ab

von Elisabeth Rizzi - In der Schweiz treibt die starke Verbreitung von Originalmedikamenten die Gesundheitskosten in die Höhe – nicht zuletzt weil Patienten Nachahmerprodukte verweigern.

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Generikatabletten sind nicht schlechter als das Original, aber oft billiger. Im Bild eine Produktionslinie der Salutas Pharma. (Bild: Keystone)

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Das Schweizer Gesundheitswesen ist teuer: 11 Prozent des Brutto-Inlandprodukts geben wir jährlich zur Behandlung unseres Körpers aus. Gut 10 Prozent davon bzw. 6,2 Milliarden Franken gehen auf das Konto von Medikamenten. Dieser Betrag könnte deutlich tiefer sein –und zwar ganz ohne Einschränkungen für die Patienten.

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Denn billige Nachahmerprodukte für Medikamente, deren Patent abgelaufen ist, machen hierzulande erst 14 Prozent des Marktes aus. In anderen Ländern – etwa Deutschland – ist der Anteil mehr als doppelt so hoch. Politiker und Medien prügeln auf Schweizer Ärzte und Apotheker ein: Diese würden der Marge willen zu wenig Generika verkaufen.

Bequemlichkeit und Angst

Doch tatsächlich stellen sich auch die Patienten quer. Dies, obwohl sie für teure Originalmedikamente einen Selbstbehalt von 20 Prozent (statt 10 Prozent) bezahlen müssen. «Schätzungsweise zwischen 10 und 20 Prozent der Patienten lehnen in der Arztpraxis ein Generikum ab», beobachtet Gerhard Schilling, Arzt und Vorstand des Verbandes Hausärzte Schweiz. Diese Leute verursachen Medikamentenkosten von gut 173 Millionen Franken jährlich.

Schilling beobachtet immer wieder Patienten, die Generika als minderwertig ansehen oder nach einer Umstellung vom Original auf das Generikum behaupten, dass Letzteres schlechter wirke. Laut Peter Schläppi Leiter wissenschaftliche Grundlagen der Santémed Gesundheitszentren, sind auch oft Bequemlichkeit, Gewohnheit oder die Angst vor einer Änderung im Spiel. Dabei sind Nachahmerprodukte genauso gut wie die Originalmedikamente.

«In weniger als einem Prozent kommt es zu echten Unverträglichkeiten. Und auch diese sind reine Placeboeffekte», sagt Felix Huber, medizinischer Leiter der Gruppenpraxis Medix Zürich. Nur selten können unterschiedliche Trägerstoffe oder Konfektionsarten zu Problemen führen. Bei Medix werden bereits seit Jahren zwischen 30 und 40 Prozent der Wirkstoffe in Form von Generika verschrieben.

Schärfere Restriktionen gefordert

Allerdings pflegt Medix auch ein restriktives Behandlungsregime. «Wenn ein nach Hausarztmodell versicherter Patient bei mir ein Generikum ablehnt, muss er in die teurere traditionelle Einzelversicherung zurückwechseln», erklärt Huber.

Sein Namensvetter Peter Huber, Geschäftsführer des Branchenverbandes Intergenerika, befürwortet zwar den Sparanreiz durch den differenzierten Selbstbehalt, aber auch schärfere Restriktionen. Denn gerade bei chronisch Kranken, die viele Medikamente konsumieren, sei die Limite des selbst zu tragenden Selbstbehaltes von 700 Franken schnell erreicht. «Gehen die Kosten darüber hinaus, zahlt die Krankenkasse. Dann verlieren die Patienten den Anreiz, günstigere Medikamente zu verlangen», erklärt er.

Seines Erachtens müsste sich der Bund überlegen, ob die Selbstbehaltslimite bei «Eigenverschulden» abgeschafft werden soll. Auch das deutsche System, bei dem die Kassen pro Wirkstoff nur eine bestimmte Summe vergüten, hält er für wirksam. «Danach nahmen dort die Generikaverkäufe sprunghaft zu», so der Branchenvertreter.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Nein, nicht immer sind Generikas gleich wie das Original. Diese Erfahrung habe auch ich - bitter - machen müssen. Beispiele werden in diesem Forum genügend beschrieben. Eine Quängelei jedoch finde ich die heutige Praxis der Krankenkassen. Es gab eineZeit (80-er-Jahre) ha hat die Kasse NUR Originalpräparate bezahlt - damals wusste man noch weshalb. – Peter2106

Habe selber schon Unverträglichkeit erlebt. Es ist eben nicht dasselbe, nur der Wirkstoff ist derselbe, die Trägerstoffe sind andere, und da ist es sehr wohl möglich, dass man negativ darauf reagiert. Desweiteren kassieren die Apotheken 40% des ersparten Preises als Generikapauschale ab. Fast die Hälfte!!! Also hört mal auf, immer auf den Patienten herumzuhacken!! – P. Morell

immer gleich dem Original! Ich bin selber ein großer Befürworter für Generikas und musste feststellen, dass dem nicht immer so ist. Beispiel: Generika für Blutdruck ich nahm dies und bekam Schwindelanfälle und der Blutdruck spielte verrückt. Der Arzt meine es seine genau die gleichen Wirkstoffe in derselben Dosis enthalten Was ich selber auch bei der Beschreibung überprüfen konnte. Zurück auf das Original und die Nebeneffekte waren wieder weg. Einbildung!? Spielte das Messgerät verrückt!? Nachbar von mir bekam von Wasser in die Beine, mit dem Original war es wieder weg. Einbildung!? – Marc Hubertus

Die neusten Leser-Kommentare

  • CH Vater am 20.08.2012 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3 verschiedene oder 3 fache Dosis

    Für ein Original muss man die dreifache Dosis eines Generika nehmen oder drei verschidene Generika für ein Original. Wo spart man ?!? Meine Frau ist seit 20 Jahren MPA und schüttelt nur den Kopf über diese Generikamasname die nichts bringt.

  • Peter Zbinden am 14.08.2012 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Generika gleich wie Original?

    ich schliesse mich der Meinung von Peter2106 voll und ganz an. Generika sind nie das Selbe, wie die Orginalpräparate. So ist es.

    • Ch. Meier am 16.08.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      Teilweise richtig

      Stimmt nur bedingt. Denn es gibt von zahlreichen Firmen sogenannte Autogenerikas. Günstiger und bis auf die Verpackung 1:1 identisch weil aus der gleichen Produktion.

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  • Sandy am 14.08.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Generika vs Original

    Ich bin absolut für Generikas aber leider sind die meisten Verpackung von Generikas dermassen blöd und platzverschwendend dass ich dann doch lieber das original nehem. Wenn eine Generikapakung doppelt so gross ist wie das original überlege ich mir den Wechsel.

  • Liliane am 14.08.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Medizinischer Fortschritt wichtig!

    Bei gleicher chemischer Zusammensetzung des Wirkstoffs und der Hilfsstoffe einer Tablette bestehen dennoch Qualitätsunterschiede zwischen Originalpräparat und Generika, die für den Patienten signifikant sind. Die Gesundheitsbehörden vieler Länder fördern Nachahmungen aus wirtschaftlichen Gründen, da die Gesundheitsbudgets dadurch kurzfristig entlastet werden können. Zum medizinischen Fortschritt tragen Nachahmerprodukte jedoch nicht bei.

    • Peter Zbinden am 14.08.2012 22:46 Report Diesen Beitrag melden

      Skandal! Generikaprüfungung hinterfrage

      Danke, so ist es. Als Patient und als involivierter Vertreter der Branche kann ich Ihnen nur zustimmen.

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  • Miss Awesomeville am 14.08.2012 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wie mit M-Budget und Coop Prix garantie

    Hauptsache Medikamente schaufeln. Ihr würdet besser auf Hausmittelchen und Homöopatischie zurückgreifen. Oder euch einfach gsund Ernähren und Sport machen.