01. April 2008 07:07; Akt: 01.04.2008 19:35 Print

Ospel geht - Aktie steigtOspel geht - Aktie steigt

Die Grossbank UBS steckt tief im amerikanischen Kreditsumpf. Sie muss nochmals Ramschhypotheken abwerten, die Abschreiber belaufen sich inzwischen auf total rund 40 Milliarden Franken. Marcel Ospel tritt nun ab - und die Börse applaudiert.

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Ospel steht an der Generalversammlung vom 23. April nicht mehr zur Wiederwahl. Den Entscheid habe er in der Nacht auf Dienstag aus eigenem Antrieb gefällt, sagte der 58-Jährige. In der ebenfalls am Dienstag in der Presse publizierten Einladung war Ospels Wiederwahl noch traktandiert.

Ospels Nachfolger soll Chefjurist Peter Kurer werden. Der 59- Jährige will die UBS wieder «auf den Erfolgspfad zurückbringen». Dies dürfte keine einfache Aufgabe sein, ist doch die Krise noch lange nicht ausgestanden.

Abschreiber und Verlust

So muss die UBS im ersten Quartal 2008 weitere 19 Mrd. Dollar abschreiben. Bereits im letzten Jahr waren Wertberichtigungen in Höhe von 18 Mrd. Dollar vorgenommen worden.

Für die Monate Januar bis März erwartet die UBS gemäss ersten Schätzungen einen Verlust in Höhe von gegen 12 Mrd. Franken. 2007 war die UBS erstmals in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gerutscht: Der Jahresverlust betrug 4,4 Mrd. Franken. 2009 will die UBS wieder einen Gewinn machen.

Die UBS gehört weltweit zu den am stärksten von der Kreditkrise betroffenen Banken. Ihre Konkurrentin Credit Suisse schrieb bislang 2,86 Mrd. Fr. ab.

Weitere Kapitalerhöhung

Nach dem neuerlichen Abschreiber will die UBS ihr Kapital um weitere 15 Mrd. Fr. erhöhen. Der Verwaltungsrat schlägt eine ordentliche Kapitalerhöhung unter Wahrung der Bezugsrechte für bisherige Aktionäre vor.

Nach dem Milliarden-Abschreiber im vergangenen Jahr waren der Singapurer Staatsfonds GIC sowie ein unbekannter Investor aus dem Nahen Osten mit einer Kapitalspritze von 13 Mrd. Fr. eingestiegen. Ob sich die GIC als nunmehr grösste Aktionärin der UBS auch an der neuen Kapitalerhöhung beteiligen wird, ist offen.

Schweizer ziehen Geld ab

Mit dem zusätzlichen Kapital bleibe die UBS «eine der solidesten und bestkapitalisierten Banken der Welt», beteuerte Konzernchef Marcel Rohner. Dessen ungeachtet senkte die Rating-Agentur Standard & Poor's ihre Langfristbewertung für die UBS von «AA» auf «AA-«; die Prognose lautet auf negativ.

Das Image der UBS hat auch sonst gelitten - zumindest auf dem Heimmarkt. Im Schweizer Geschäft musste die Bank im ersten Quartal 2008 einen Geldabfluss hinnehmen, wie Rohner bestätigte. Der Abfluss werde aber durch Zuflüsse aus anderen Regionen mehr als kompensiert.

Ramschhypotheken ausgelagert

Um das Kerngeschäft von den negativen Einflüssen der Kreditkrise zu entlasten, gliedert die UBS ihre Ramschhypotheken in eine separate Einheit aus.

Die Risikopositionen seien heute substanziell kleiner als noch vor einem halben Jahr. Auf die Frage, ob das Ende des Tunnels erreicht sei, antwortete Rohner vorsichtig: Er könne die Zukunft nicht vorhersehen. Der Markt beginne aber wieder zu spielen.

Aktien gewinnen deutlich

Nicht alle Analysten teilen diese Ansicht. Sie reagierten denn auch überrascht auf die Höhe des neuerlichen Abschreibers. Zuversichtlich stimmte, dass die UBS ihre Risikopositionen reduzieren konnte.

Auch Ospels Abgang wurde mit Erleichterung aufgenommen. Die UBS- Aktien, die seit Jahresbeginn über 40 Prozent an Wert verloren hatten, schnellten am Dienstag um 12,3 Prozent auf 32.40 Fr. in die Höhe.

Bankenaufsicht reagiert

Die Eidg. Bankenkommission (EBK) als Aufsichtsbehörde bilanzierte, sie habe ihren Auftrag vollumfänglich erfüllt. EBK- Direktor Daniel Zuberbühler räumte nur kleine Versäumnisse ein.

Die EBK will als Lehre aus der Finanzkrise die Zielgrösse für die Eigenkapitalanforderungen der Grossbanken erhöhen. Dies soll aber erst nach Bewältigung der Krise erfolgen, weil eine solche Massnahme die Krise verschärfen könnte.

Nach dem erneuten Milliarden-Abschreiber der UBS rechnet die öffentliche Hand mit grossen Steuerausfällen. Finanzminister Hans Rudolf Merz erwartet für das laufende und das nächste Jahr mit einem Steuerausfall von je bis zu einer Millarde Franken für den Bund. Auch Stadt und Kanton Zürich erwarten erhebliche Ausfälle.

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