Flaute im Ferienland

11. Mai 2012 16:26; Akt: 22.05.2012 08:49 Print

Mit Gratis-Ferien gegen die Tourismus-Krise

von Alex Hämmerli - Der Bündner Tourismus ächzt wegen dem starken Franken. Eine neue Kampagne soll das Schlimmste verhindern. Im Zentrum stehen Gratis-Ferien für Kinder.

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Das Bündnerland setzt auf junge Steinböcke.

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Die Frankenstärke hat Graubünden hart getroffen: Verglichen mit März 2011 kamen im März dieses Jahres 17 Prozent weniger Gäste in die Tourismusregion. Die Zahl der Logiernächte sank um saftige 121 000. Damit leidet das Bündnerland mehr als jede andere Schweizer Region. Das zeigen die neusten Zahlen von Schweiz Tourismus. Für den Kanton, dessen Wirtschaft zu einem Drittel vom Fremdenverkehr abhängig ist, ist der Einbruch «dramatisch», wie es der Bündner Regierungsrat Hansjörg Trachsel ausdrückt. Kaum irgendwo sonst habe der Tourismus eine derart grosse Bedeutung.

Auch für diesen Sommer sieht es für die Bündner Hoteliers nicht gerade rosig aus: Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel sagt für die Region punkto Logiernächte ein Minus von 2 Prozent voraus. «Die aktuellen Herausforderungen verlangen ausserordentliche Massnahmen», sagt Andreas Wieland, Präsident von Graubünden Ferien.

Im Kampf gegen die Flaute bei den Feriengästen lanciert Graubünden Ferien daher den «Bündner Bergsommer». Kern der Kampagne sind neue Werbespots mit den beiden sprechenden Steinböcken Gian und Giachen. Sie werben dafür, dass Kinder bis 12 Jahre in 160 Bündner Hotels vom 16. Mai bis 31. Oktober gratis übernachten, sofern sie mit den Eltern anreisen. Für 13- bis 15-Jährige gibt es immerhin einen Rabatt von mindestens 50 Prozent.

Deutsche bleiben trotzdem fern

Die Werbekampagne kostet den Dachverband Graubünden Ferien rund eine Million Franken, verrät Sprecher Gieri Spescha. Konkret dazu äussern, welche Wirkung man sich im Bündnerland davon erhofft, mag er sich indes nicht. Mit der Kampagne wolle man vor allem Schweizer Familien anlocken. Denn «dass die Deutschen wegbleiben, dagegen können wir angesichts des starken Frankens kaum etwas ausrichten», gibt Spescha resigniert zu.

«Die traditionellen grossen Gästemärkte von Graubünden - wie z.B. Deutschland - brechen weg», sagt Marco Hartmann, Leiter des Instituts für Tourismusforschung ITF an der Hochschule für Technik in Chur. Man wird nicht darum herumkommen, an ihrer Stelle mehrere neue, zusätzliche Gäste aus Europa und aus Fernost anzulocken. Das lasse sich aber weder in einem Sommer noch einem Winter stemmen, auch nicht mit einem Werbebudget in der Höhe von einer Million Franken: «Grosse Investitionen sind erforderlich - in neue Vertriebskanäle, in die Erlebnisgestaltung, ins Marketing - man könnte sagen, es bräuchte dafür einen touristischen Marshallplan.»

Flankierend zur Familien-Kampagne lancieren die Rhätische Bahn und Graubünden Ferien mit «Webwandern.ch» eine Weltneuheit: Auf dem Online-Portal können Naturfans in einem insgesamt 36-stündigen Video die zehn Etappen der vor zwei Jahren fertig gebauten Via Albula/Bernina in Echtzeit «durchwandern». Doch ist das nicht kontraproduktiv? Bleiben die Wanderer nicht fern, wenn Sie das Erlebnis auch von der Couch aus haben können? Martin Sturzenegger von der Rhätischen Bahn verneint: «Ich bin überzeugt, dass die Videos neue Wandervögel anlocken werden.»


Webwandern im Graubünden (Video: Youtube/rhaetischebahn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • c.meier am 11.05.2012 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aroganz und service

    der bündner tourismus leidet nicht wegen dem franken sondern weil der service nicht authentisch ist und oft zu schlecht, bei den preisen! auch die hochnäsigkeit der bündner haltet mich fern von dort, ich möchte nicht das gefühl haben dankbar sein zu müssen, dass ich dort mein geld ausgeben darf

  • Noldi Schwarz am 11.05.2012 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenwert stimmt vielfach nicht mehr.

    Wenn ich in Graubünden von Ausländern begrüsst und bedient werde, kann ich gleich in diese Länder reisen. Dem Schweizer Toursimus ist es zu lange zu gut gegangen. Servicebereitschaft, Freundlichkeit und, vor allem "Schweizer Identität" ist ihm in vielen Touristenorten abhanden gekommen. Das rächt sich jetzt. Es gibt immer noch genügend Leute, die über das nötige Kleingeld verfügen würden, aber das sind genau jene, die gründlich abwägen, wo sie für das Geld einen echten Gegenwert erhalten.

  • Sandra am 14.05.2012 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Tourismus unfreundlich

    Die Deutschen kommen nicht, weil das Preis-Leistungsverhältnis in der Schweiz schon lange nicht mehr stimmt. Ich gehe mit meiner Familie nur noch nach Österreich. Freundliche Mitarbeiter im Tourismus, top Qualität und günstiger als die Schweiz. Berge und Seen hab ich dort auch - also, bye bye Schweiz, meine Kohle geht zu den Österreichern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico. am 14.05.2012 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ich als Bündner muss sagen, jammern bringt nix. Solange die einheimischen Leute nicht begreifen, dass Unterländer unsere Gäste sind und nicht bloss geduldete Leute, welche Geld bringen, wird sich auch nichts ändern. Es ist für mich unbegreiflich, dass mein Heimatkanton nicht begreift, dass durch Charme und Gastfreundlichkeit viel mehr erreicht werden könnte, als mit Massentourismus, wo der Gast nur eine Nummer ist. Einfach schade. Was Österreich kann, können wir auch, wenn wir wollen. Aber das erreichen wir nicht, in dem wir die Schuld bei anderen/anderem suchen.

  • Sandra am 14.05.2012 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Tourismus unfreundlich

    Die Deutschen kommen nicht, weil das Preis-Leistungsverhältnis in der Schweiz schon lange nicht mehr stimmt. Ich gehe mit meiner Familie nur noch nach Österreich. Freundliche Mitarbeiter im Tourismus, top Qualität und günstiger als die Schweiz. Berge und Seen hab ich dort auch - also, bye bye Schweiz, meine Kohle geht zu den Österreichern.

  • Prattelo am 13.05.2012 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgehoben, Überteuert und Unfreundlich!

    Extreme Preise, unfreundliches Personal, abgehobene Wirte. Ein Beispiel wie es auch anders geht, kann man wenige Kilometer weiter in Österreich erleben. Kommt wieder auf den Boden zurück, senkt die Fantasiepreise und mit dem Tourismus geht's wieder nach oben.

  • Tom am 13.05.2012 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Gute ist so nah

    Statt zu jammern, besser mal sehen wie andere das machen. Wer schon mal im Tirol oder Südtirol war kennt den Benchmark in Sachen Familienfreundlichkeit. Schöne Zimmer, Vollpension, etc. Alles Standard. Und in der schönen Schweiz gibt es für 180 chf pro Nacht ein Jähriges mini 2 Bett Zimmer und am nächten Morgen ein Bütterli und ein Konfi zum Zmorgen.

  • 807687 am 13.05.2012 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spare in der Zeit, dann hast du...

    ...in der Not. Hier wohl besser: Plane in der Zeit, dann funktioniert es in der Not. Freundlichkeit, Kulanz usw. sind vielen schweizerischen Gastgebern und Unternehmen, die mit Tourismus zu tun haben, ein Fremdwort. Hätte man das aber in den guten Zeiten praktiziert, würde es heute nicht so krass. Ich gehe ganz sicher nicht in ein Hotel, wo man unfreundlich oder knauserig ist - oder gar beides, denn ich will mich wohlfühlen. Schon seit Jahrzehnten weiss man, wie es zum Beispiel die Österreicher machen. Dort fühlt sich der Gast willkommen und wird von Herzen verwöhnt.