Verschlankungskur

05. Februar 2013 18:04; Akt: 05.02.2013 18:07 Print

«Wirklich sicherer wird die UBS nicht»

von L. Waltersperger - Libor-Busse und Restrukturierung verursachen einen Rekordverlust von 2,5 Mrd. Franken. Die Grossbank gelobt mit einer neuen Strategie Besserung – doch wird sie damit sicherer?

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Wie das akutelle Ergebnis der UBS Börsenkurs zeigt, hat der im Oktober 2012 angekündigte Strategiewechsel hin zu einer schlanken Bank, die sich aufs Kundengeschäft konzentriert und die Investmentbank nur noch als Seitenpfeiler betreibt, zum tiefroten Verlustgeschäft beigetragen. Der Umbau der Bank und der damit verbundene Stellenabbau von bis zu 10'000 Jobs kostet die Bank viel Geld.

Doch: Wird die Grossbank mit Verschlankungskur und neuer Strategie auch sicherer oder ist sie bei einer nächsten Krise immer noch «too big to fail»?

Sicherer – aber nicht sicher genug

«Die Bank ist auf dem richtigen Weg», sagt Banken-Professor Hans Geiger. Die Verkleinerung der Investmentbank sei ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit und weniger Risiko. Knapp 800 Stellen sind seit der Strategieänderung im Oktober 2012 bereits abgebaut geworden. Zurzeit beschäftigt das Investment Banking noch 15'866 Vollzeitmitarbeitende. Geht es nach Geiger, ist diese Redimensionierung aber zu wenig konsequent: «Es geht nicht um die Grösse, das risikoreiche Investment-Banking müsste ganz ausgegliedert werden.» Der Libor-Skandal und der Fall Adoboli hätten gezeigt, «die UBS hat die Risiken nicht im Griff.»


Mehr Eigenkapital, wie es die Basel-III-Reform vorschreibt und eine Reduktion der sogenannten «Risikogewichteten Aktiven» (RWA) sollen die Bank sicherer machen. Wie die UBS schreibt, habe die Investmentbank diese Posten auf Ende 2012 um 81 Mrd. Franken auf 131 Mrd. Franken verringert. «Das ist kein Indikator für mehr Sicherheit», sagt Geiger. Weil die Banken selber bestimmen könnten, wie hoch diese Aktiven seien. «Das wäre als würden Sie einen Porsche-Fahrer fragen, wie schnell er noch sicher fahren könne - mit 150km/h durchs Niederdorf sei definitiv zu viel.»

Viel wichtiger sei die Bilanzsumme. Diese ist bei der UBS 2012 gegenüber dem Vorjahr um fast 158 Mio. auf knapp 1,3 Mrd. Franken zurückgegangen. Geiger spricht von einer positiven Entwicklung, die zu weniger Risiko beitrage.

Rigidere Rahmenbedingungen

Der neue Kurs der UBS – Abbau des Eigenhandels, Fokus aufs Kundengeschäft und Stärkung der Aktionäre – sei zwar glaubwürdig, findet Geiger. «Aber wirklich sicher wird die Bank dadurch nicht.» Sollte es zu einer erneuten Krise kommen, schliesst er eine weitere Staatsrettung nicht aus. «Too big to fail» – das könne wieder eintreten. Die Rahmenbedingungen für die Banken seien nicht rigide genug: «Solange die Banken nicht Konkurs gehen können, ändert sich zu wenig.» Erst wenn die Finanzriesen nicht mehr auf die Staatshilfe zählen können, würden Banken und Aktionäre mehr aufpassen. «Nur die Gefahr eines Konkurses würde die Anreize für beide Seiten wirklich verändern», ist sich Geiger sicher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja am 06.02.2013 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Boni Diskussion

    Ich finde es das letzte, dass alle Medien immer nur die Gesamtsumme der Boni und den Durchschnitt pro Mitarbeiter angeben. Sinnvoller wäre es mal abzudrucken wie sich das prozentual auf die Rangstufen verteilt. Dann würde man sehen, das der 'Durchschnittsmitarbeiter' nichts oder nur einen Minibonus erhält...und schon seit Jahren weit entfernt von einem Monatslohn ist. Den Rahm schöpfen die Manager ab. Normale Mitarbeiter bekommen höchstens noch die Molke...trotz guter Leistung und Loyalität.

    • Supermario am 07.02.2013 12:13 Report Diesen Beitrag melden

      Blöde Frage :-)

      Womit dann bereits die Frage in den Raum gestellt werden darf, ob solche Kommentare noch mit Loyalität gleichgestellt werden dürfen?

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  • Sandro am 06.02.2013 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Banken-Bashing...

    Und wie bei jedem Bericht, egal über welche Bank, folgt das Banken-Bashing! Leider merkt man aber auch, dass dieses Banken-Bashing auf Stammtisch-Gesprächen und Halbwissen beruht. Verlust und Bonus? Geht nicht? Keine Steuern aber Bonus? Na dann rechnet mal nach, wieviel von diesem Bonus als Steuern wieder reinkommt! Der Steuerzahler musste für die UBS bezahlen? Mit dem investierten Geld hat die SNB Milliardengewinne gemacht! Und nein, ich arbeite nicht bei der UBS, sondern bei der Konkurrenz...

  • Chrigl Contiguas am 06.02.2013 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Hallo Liebe Gemeinde, dies ist doch schon seit langen bekannt und jeder weiss es. Die meisten verstehen leider nicht wie unser Geldsystem funktioniert. Schaut doch mal auf und Vorträge nach, ist sehr gut thematisiert und zeigt Lösungsansätze. Die Umsetzung liegt an uns ;)

  • Calvin W. am 06.02.2013 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Arrogante Selbstbedienung

    Bonus- und Dividendenzahlung vorzunehmen obwohl kein Gewinn erwirtschaftet wurde, entbehrt jeder vernünftigen betriebswirtschaftlichen Vernunft und Logik. Die gewählte Vorgehensweise kann nur als Arroganz und Selbstbedienung bezeichnet werden.

    • Supermario am 07.02.2013 12:07 Report Diesen Beitrag melden

      Jein

      In Bezug auf den Bonus geb ich Dir recht, in Bezug auf die Dividende hingegen nicht! Dividendenzahlungen steigern per se die Attraktivität eines Unternehmens; insbesondere bei Banken heisst dies auch geringere Finanzierungskosten, womit gezahlte Dividenden (auch wenn das im Fall UBS eher symbolisch ist) auch eine Investition in Bezug auf bessere Margen in der Zukunft sind!

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  • Karol Brzerzewski am 05.02.2013 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung

    Kenne zahlreiche Leute, die bei Banken arbeiten. Keiner dieser Leute verdient mehr als CHF 90000 pro Jahr. Boni im Schnitt: CHF 4000, also weniger als ein Monatslohn. Abzockerinitiative bezieht sich auf ca 6500 Leute bei UBS, die im grossen Stil Bonus kriegen, welche zu 50% gar nicht in der Schweiz wohnen. Stimmt der Initiative zu, Firmen verlagern ihre Sitze ins Ausland, weisen "bilanztechnisch" weniger Gewinne aus ergo der Steuerzahler hat mehr zu bezahlen. Und: Der Steuerzahler hat die Bank nicht gerettet, er hat 1.2Mia gewonnen. Oder bezahlt jemand Steuern an die CH-Notenbank?

    • Supermario am 07.02.2013 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      Kommt hinzu...

      Kommt noch dazu, dass die Bonus-Bezüger ihr Geld dann irgendwo - und sicher nicht in der Schweiz - verkonsumieren!

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