Skigebiete ziehen Bilanz

02. April 2017 17:37; Akt: 03.04.2017 06:53 Print

«Der dritte schlechte Winter in Folge»

Zum Saisonende ziehen viele Schweizer Skigebiete eine negative Bilanz. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

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Schlechteres Resultat als im Vorjahr befürchtet: Ein Mann geht über eine Schneefläche in Melchsee-Frutt OW. (21. Dezember 2016) (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

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Dieses Wochenende stellen die ersten grösseren Skigebiete ihren Winterbetrieb ein. Ihre Bilanz zeigt: Das Wetter hat es ihnen seit Dezember nicht leicht gemacht. Skigebiete, die noch offen bleiben, hoffen auf Ostern.

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Die Betreiber der Skigebiete wurden in diesem Winter stark von den Launen der Natur herausgefordert. Dies zeigt die Bilanz einiger Skigebiete, die am Wochenende ihren Winterbetrieb einstellen.

Weniger Gäste

Begonnen hat es mit dem zu milden und insbesondere zu trockenen Dezember. «Bei uns gab es im Dezember keine einzige Flocke Schnee», sagte beispielsweise Sepp Odermatt vom Skigebiet Klewenalp-Stockhütte im Kanton Nidwalden der Nachrichtenagentur SDA.

Damit waren die Innerschweizer nicht allein: Gemäss den Meteorologen reihten sich auf der Alpennordseite an einigen Orten 34 Tage ohne Niederschlag und somit ohne Schnee aneinander. Die Skigebiete bekamen dies stark zu spüren – insbesondere während der Festtage.

Genug Schnee in Savognin

Im sankt-gallischen Skigebiet Flumserberg zog es zwar zwischen 6000 und 8000 Personen pro Tag auf die Pisten. Das war aber lediglich die Hälfte der Anzahl Personen, die in diesem Gebiet an einem Spitzentag ein Skiticket lösen, wie Marketingleiterin Katja Rupf sagte.

Ein bisschen anders zeigte sich die Lage in Savognin GR. Dort habe es genug Schnee gehabt und die Pistenverhältnisse seien gut gewesen, sagte Christian Prinz, der kaufmännische Direktor der Savognin Bergbahnen AG. «Wenn es aber im Flachland keinen Schnee hat, haben die Leute keine Lust aufs Skifahren.» Aus diesem Grund dürften auch dort die Besucherzahlen tiefer ausfallen als im Vorjahr.

Aktion «Sommer über Nebel»

Im Skigebiet Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden blieb wie in Flumserberg während der Festtage rund die Hälfte der Gäste aus, wie Daniel Dommann von den Sportbahnen sagte. «Dafür konnten wir den Gästen eine einmalige Attraktion bieten», fügte er an. Einer der drei Seen habe für den Eislauf freigegeben werden können. Das sei wohl in den 1960er-Jahren das letzte Mal vorgekommen.

Im Skigebiet Klewenalp-Stockhütte versuchte man mit der Aktion «Sommer über Nebel» Besucher anzulocken. Dafür seien beispielsweise die Spielplätze und Feuerstellen in Betrieb genommen worden, sagte Sepp Odermatt. Das sei recht gut angekommen und habe viele Fussgänger auf den Berg gebracht – wenn auch nicht zum Skifahren.

Traumwetter im Februar

Doch trotz der Bemühungen fiel das Resultat im Dezember in all den erwähnten Gebieten schlecht aus. Anders war es im Januar und insbesondere im Februar: «Im Februar war das Wetter auch an den Wochenenden gut, wenn die meisten frei hatten», betonte beispielsweise Katja Rupf vom Skigebiet Flumserberg.

Für die Skigebiete war dies besonders wertvoll. Zudem lag auch im Flachland Schnee, was die Lust aufs Skifahren steigen liess. Doch auch wenn diese zwei Monate an sich gut waren, konnten sie die Einbussen im Dezember nicht wettmachen, wie mehrere der Angefragten betonten.

Ab Mitte März war es «zu sehr Frühling»

Der anschliessend folgende März wiederum fiel wortwörtlich ins Wasser, wie Sepp Odermatt von der Klewenalp-Stockhütte berichtet. Der starke Regen und der Föhn in der ersten Märzhälfte vermiesten den Wintersportlern das Frühlingsskifahren und damit den Skigebieten die benötigten Einnahmen. «Ab Mitte März war es dann schon zu sehr Frühling und die Menschen hatten keine Lust mehr aufs Skifahren», sagte Bruno Landolt von den Elmer Sportbahnen.

«Es war kein guter Winter und das Wetter war eine grosse Herausforderung», fasste er zusammen. «Der dritte schlechte Winter in Folge», meinte Odermatt von der Klewenalp-Stockhütte.

Schlechteres Resultat als im Vorjahr

Dieser Meinung waren fast alle der Befragten: Sowohl die Sportbahnen Melchsee-Frutt als auch jene in Elm und in Savognin gehen davon aus, dass das Resultat schlechter ausfällt als im vergangenen Jahr. Einzig Katja Rupf vom Skigebiet Flumserberg sagte, dass man mit der Saison zufrieden sei.

Viele Skigebiete haben allerdings noch bis Ende April oder gar bis im Mai offen. Sie setzen auf die Frühlingsskifahrer und die Osterferien. Womöglich hilft ihnen dies für einen versöhnlichen Saisonabschluss. Die Aussichten für April seien gut, sagte etwa Sébastien Epiney, Direktor von Nendaz Tourismus im Wallis.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chief am 02.04.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja?

    Seltsam, vor paar Wochen waren die Skigebiete noch zufrieden... Das Langzeitgedächnis Eurer Leser wird wohl regelmässig unterschätzt?

  • James am 02.04.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Johnson

    Problem sind die Preise nicht das Wetter

    einklappen einklappen
  • Toni am 02.04.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbst schuld

    Das dritte Mal jammern in Folge und ohne mal die Ansprüche an die Gier runter zu schrauben. Zu teuer und unfreundlich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer. am 20.04.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belalp / VS

    Skischule + 40% Umsatz.

  • Schweizer. am 20.04.2017 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saas Fee, Zermatt, Bettmeralp

    Super Bilanz. Etwa 20% mehr Umsatz als 2016.

  • mani am 05.04.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    ich zitiere...

    Das Skigebiet Flumserberg kann laut Marketingleiterin Katja Rupf ein Umsatzplus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr vorweisen. «Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden», sagt Rupf. Die Zeichen standen von Anfang an gut: Bereits am 12. November eröffnete die Wintersaison bei 70 Zentimeter Neuschnee. Seit 14 Jahren hat die Wintersaison am Flumserberg nicht mehr so früh begonnen.

  • Chung him. am 04.04.2017 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skifahren hat keine Zukunft

    in der Schweiz. Viel zu teuer.

  • Armin am 04.04.2017 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Realität...

    Das ewige Gejammer... Würden nicht die ewig gleichen Träumer behaupten, den Klimawandel gäbe es nicht, würden vielleicht die Wintersportorte auch endlich bereit sein, der Realität ins Antlitz zu schauen.... Jammern nützt da fast so wenig wie "Beten".... Dass die Winter hierzulande zunehmend kürzer werden und unterdessen mehrere Wochen kürzer sind, als noch z. B. vor 20 Jahren, was grosse Umsatzeinbussen zur Folge hat , können ja wohl nicht einmal die vorerwähnten Träumer leugnen.