Schutzgeldzahlungen

24. April 2017 07:15; Akt: 24.04.2017 10:17 Print

LafargeHolcim-Chef stolpert über Syrien-Deal

Der Zementkonzern LafargeHolcim zieht Konsequenzen aus einer heiklen Schutzgeld-Affäre im syrischen Bürgerkrieg. CEO Eric Olsen muss seinen Posten Mitte Juli räumen.

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Eric Olsen, Konzernchef von LafargeHolcim, wird den weltgrössten Zementkonzern am 15. Juli nach nur zwei Jahren an der Spitze verlassen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Der Rücktritt erfolgt nach einer internen Untersuchung über Vorgänge bei Lafarge in Syrien.

Über den Rücktritt war bereits in den letzten Tagen spekuliert worden. Anfang März hatte LafargeHolcim nach einer internen Untersuchung eingeräumt, dass in der Fabrik von Lafarge in Syrien Fehler begangen worden seien. Im Zuge der Untersuchungen stand auch eine mögliche Verwicklung von Eric Olsen im Zentrum des Interesses. Letzteres könne aber nicht bestätigt werden, gab der Verwaltungsrat in einer Stellungnahme bekannt.

Heikle Deals in Syrien

Mitarbeitenden des Unternehmens wurde vorgeworfen, Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppierungen und sanktionierten Parteien getroffen zu haben, heisst es in der Mitteilung. Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von 2013 bis zur Evakuierung des Werks im September 2014. Das lokale Management hatte an Dritte Gelder bezahlt, um den Weiterbetrieb der Fabrik zu sichern.

Olsen begründet seinen Rücktritt damit, dass dieser dazu beitragen werde, «die Spannungen, die sich in letzter Zeit rund um den Syrien-Fall entwickelt haben, beizulegen», lässt er sich in der Mitteilung zitieren.

Zweiter Wechsel in zwei Jahren

Der Verwaltungsrat gab den Rücktritt in einer Medienmitteilung bekannt, «einige Massnahmen in Syrien» seien «nicht akzeptierbar» gewesen und hätten gegen den geltenden Verhaltenskodex» verstossen, heisst es in dem Papier.

2015 beim Zusammenschluss der beiden Zementkonzerne Lafarge und Holcim war Olsen zum Konzernchef ernannt worden. Der Verwaltungsrat dankte ihm am Montag für den «wertvollen Beitrag», den er für die Zusammenführung der beiden Unternehmen geleistet habe. Als Konzernchef verantwortete Olsen die Geschäfte in Syrien nicht direkt.

Die Suche nach einem Nachfolger für Olsen werde sofort eingeleitet, heisst es in der Mitteilung. Mit dem Rücktritt von Olsen vermeldet LafargeHolcim seit der Fusion 2015 bereits den zweiten gewichtigen Wechsel an der Unternehmensspitze: Letztes Jahr hatte sich der vormalige Verwaltungsratspräsident Wolfgang Rietzle nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. An der Generalversammlung im Mai 2016 wurde er durch Beat Hess ersetzt.

Französische Staatsanwaltschaft ermittelt

Bereits am 2. März hatte LafargeHolcim aufgrund vorläufiger Ergebnisse der internen Untersuchung eingeräumt, dass während des Bürgerkriegs in Syrien bewaffnete Gruppen dafür bezahlt worden seinen, die Versorgung eines lokalen Werks und die Bewegungsfreiheit der Mitarbeiter sicherzustellen.

Die französische Zeitung «Le Monde» hatte den Fall publik gemacht und damals von «zweifelhaften Arrangements» mit der Terrormiliz Islamischer Staat geschrieben. Im Oktober hatte die französische Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit Geschäften in Syrien Ermittlungen aufgenommen.

(jdr/sda)