Offshore-Konstrukte

23. September 2016 06:45; Akt: 23.09.2016 08:38 Print

So stark mischen UBS und CS auf den Bahamas mit

Erneut macht ein Offshore-Finanzplatz von sich reden. Und wieder stehen Schweizer Banken in der Kritik. Wieso? Und was genau ist passiert? Die Antworten.

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Nach den «Panama Papers»-Enthüllungen wirft erneut ein Datenleck Licht auf umstrittene Steuerpraktiken in Steueroasen. Diesmal trifft es den kleinen karibischen Inselstaat Bahamas. Auch Schweizer Banken sind ins Schussfeld geraten.

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Was genau ist passiert?
Die «Süddeutsche Zeitung» hat Informationen zu insgesamt 175'888 Offshore-Briefkastenfirmen zugespielt bekommen. Sie wurden alle im Zeitraum von 1990 bis 2016 gegründet. Das Leck umfasst 1,2 Millionen Dokumente, die allesamt aus dem Firmenregister der Bahamas stammen.

Die Zeitung teilte die Informationen mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ), dem auch «Le Matin Dimanche» und die «SonntagsZeitung» angehören (beide Teil der Tamedia-Gruppe, zu der auch 20 Minuten gehört). Am Donnerstagmorgen haben sie erste Erkenntnisse aus den Dokumenten publiziert. Das Leck auf den Bahamas ist allerdings deutlich kleiner, als es die «Panama Papers» waren.

Welche prominenten Namen tauchen auf?
Die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes aus den Niederlanden soll während ihrer Amtszeit eine Briefkastenfirma in dem Inselstaat geführt haben. Das verstösst gegen den Verhaltenskodex der EU-Kommission. Die EU will den Vorfall daher untersuchen. «Frau Kroes hat uns jetzt informiert, und wir werden die Informationen analysieren und prüfen, bevor wir dazu Stellung nehmen», sagte eine Sprecherin zur Nachrichtenagentur DPA in Brüssel.

In den zugespielten Dokumenten finden sich ausserdem Namen von Politikern wie dem früheren kolumbianischen Minenminister Carlos Caballero Argáez, dem kanadischen Finanzminister William Francis Morneau und dem angolanischen Vizepräsidenten Manuel Domingos Vicente als Direktoren, Sekretäre oder Präsidenten von Offshore-Firmen auf den Bahamas.

Welche Banken sind betroffen?
Gegründet wurden die Offshore-Firmen auf den Bahamas von Hunderten verschiedener Banken, Anwaltskanzleien und Treuhändern. Spitzenposition nimmt dabei mit 14'896 Firmengründungen die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca ein, die im Zentrum der «Panama Papers» stand. Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» sind aber auch die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse ganz vorne mit dabei. Mit 9716 respektive 9516 Firmengründungen nehmen sie die Plätze zwei und drei ein.

Besonders aktiv gewesen seien UBS und CS in den Jahren 2004 und 2005, als das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU in Kraft trat. Viele ausländische Bankkunden hätten damals ihr Vermögen in der Schweiz auf Offshore-Firmen übertragen, um diese Steuer zu vermeiden.

Wieso mischen die Schweizer Banken so stark mit?
Laut Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern, dürfte der Hauptgrund für die starke Beteiligung der UBS und CS am Bahamas-Geschäft ihre Grösse sein. «Sie gehören im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft zu den grössten Anbietern überhaupt», sagt Kunz zu 20 Minuten. Er vermutet aber, dass auch kleinere Banken in diesem Bereich noch aktiv sein könnten. Diese können es sich kaum erlauben, für sie wichtige Kunden zu verlieren und müssen diesen daher im Bedarfsfall die Eröffnung von Offshore-Firmen anbieten.

Was ist das Problem mit den Offshore-Firmen?
Grundsätzlich sind Briefkastenfirmen in Ländern wie den Bahamas oder auch Panama nicht illegal. Sie können daher auch legitime Zwecke verfolgen, betont Kunz. Das Problem sei allerdings, dass es gerade im Offshore-Bereich viele schwarze Schafe gebe. «Vor allem Privatkunden brauchen gute Argumente für die Gründung einer Briefkastenfirma.»

Für die Banken wiederum seien die Offshore-Geschäfte ein Reputationsproblem, da sie mit negativen Praktiken wie Steuerflucht in Verbindung gebracht würden. «Mich erstaunt, dass die UBS und die CS bis in die jüngste Vergangenheit weiterhin in diesem Masse dieses Geschäft betrieben haben», sagt Kunz.

Was sagen die Schweizer Banken?
Die UBS erklärt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass sie nicht aktiv Offshore-Firmen bewerbe. Laut eigenen Angaben nutzt die Bank die Firmen für ihre eigenen Trusts. Wenn in diesen ein Bankkonto liegen soll, dann müsse als Eigentümer eine Firma eingetragen werden. Dafür melde die UBS dann standardmässig eine Gesellschaft auf den Bahamas an, weshalb man dort auch 60 Mitarbeiter beschäftige.

Vonseiten der CS hiess es nur: «Credit Suisse hält sich bei Firmengründungen an die geltenden Gesetze, Regeln und Vorschriften der Länder, in denen die Bank geschäftlich tätig ist, und verfolgt eine Politik der Steuerkonformität.»

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rico am 23.09.2016 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern

    Naja, würde ich prozentual (Umsatz zu Abgaben) gleich viele Steuern zahlen wie Amazone, Apple, Facebook, Twitter, Star Bucks, ... käme ich auf einen jährlichen Betrag von drei bis acht Franken. Aber jemand muss die Steuerflucht der Grossen ja mit bezahlen.

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  • GG am 23.09.2016 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat etwa jemand je geglaubt

    dass die Grossbanken das grosse Geld mit den Kontoführungsebühren verdienen?

  • Tino am 23.09.2016 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anständig Steuern zahlen

    Und weiter gehts, die Reichen verstecken Ihr Geld, und der Durchschnitt bezahlts irgendwann mit Steuererhöhungen. Wenn die alle anständig Steuern bezahlen würden, wären wohl kaum mehr so viele Länder so hoch verschuldet

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 23.09.2016 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerhinterziehung ist harmlos

    im Vergleich zu getarnten Geldflüssen der organisierten Kriminalität. Die südamerikanischen Drogenkartelle benutzen solche Briefkastenfirmen um die Drogengelder von ihren europäischen und asiatischen Großabnehmern zu erhalten. Da tummeln sich die übelsten Gestalten.

    • Bankli Meier am 23.09.2016 23:49 Report Diesen Beitrag melden

      Legales Geschäftsgebaren

      Grossbanken und Investmetfirmen müssten Miliarden von Steuern bezahlen, das würde auch kein Normaler machen. In dieser Grösse hat man halt weltweiter Aktionsradius, da nimmt man solche "Geschenke" gerne an. Würde Jerder hier auch tun, ist ja legal. Die Illegalen betätigen Ihr Geschäft auch ohne Banken.

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  • Rupert Law am 23.09.2016 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kriminell

    Wenn es um kriminelle Sauereien geht, sind UBS & CS immer gerne mit dabei, tragen aber dann doch gerne das "S", für Swissness im Namen obwohl beide mit der Schweiz nicht mehr viel zu tun haben ! Eine Schande !

  • Swissgirl am 23.09.2016 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bahamaleaks

    Es sind sicher nicht nur die UBS und die CS darin verwickelt. Sie wurden jedoch in den letzten Jahren wohl zu recht zu DEN Schwarzen Schafen der undurchsichtigen Steuerumgehungspraktiken. Schlimm dass beide Unternehmen nichts aus der Vergangenheit gelernt haben! Im Zeitalter der totalen Vernetzung kommt alles ans Licht.

    • Alain B am 23.09.2016 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      UBS und HSBC haben sich zum Grossteil aus einigen Inseln zurueckgezogen, dafuer uebernehmen kleinere auch lokale Banken zusehens das Ruder.

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  • Regula am 23.09.2016 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Und Luxemburger Banken?

    Und wie stark mischen die Luxemburger Banken da mit? Herr Junker gibt sicher nicht das Bankgeheimis frei. Wir Schweizer waren da vielleicht etwas zu voreilig.

    • Ried Winkel am 23.09.2016 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Regula

      Ach Unselige! Seit 2009 hat Luxemburg wie die Schweiz, die OECD Richtlinien zur Auskunftserteilung akzeptiert. Es gibt seit 7 Jahren kein Bankgeheimnis mehr in Luxemburg.

    • Alain B am 23.09.2016 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Regula

      In vielen Laendern gilt ein Personlichkeitsschutz der dem Bankgeheimnis gleichkommt., die Politiker waren cleverer als bei uns!

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  • Sag ich besser nicht am 23.09.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    ändert doch was

    Die einzige Möglichkeit, damit klarzukommen, wäre eine Interimsweltregierung, die sämmtliche Gelder einzieht, bis der legale Besitz des Geldes nachgewiesen wäre! Die müsste dann natürlich "gut" und nicht bestechlich sein......

    • Alain B am 23.09.2016 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sag ich besser nicht

      Und wer bestimmt den legalen Besitzer? Es ist nicht illegal ein Konto, Firma oder Immobilien im Ausland zu haben, aber diese nicht zu versteuern schon.

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