Dank Steuerreform

25. März 2012 09:33; Akt: 25.03.2012 09:51 Print

529 Millionen für 14 Familien - steuerfrei

Superreiche profitieren stark von der Unternehmenssteuerreform II - nun will der Bundesrat handeln. Ex-Finanzminister Merz, der die Reform massgeblich mitgestaltete, wehrt sich gegen Kritik.

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Personen wie Ivan Glasenberg (links) oder Hansjörg Wyss haben von der Unternehmenssteuerreform stark profitiert. (Bild: Keystone)

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Synthes-Mehrheitsaktionär Hansjörg Wyss ist der grösste Nutzniesser der umstrittenen Unternehmenssteuerreform II. Das zeigen Recherchen der Zeitung «Der Sonntag». Der Berner Unternehmer bezieht dieses Jahr eine Dividende von 129,6 Millionen Franken - und zahlt darauf keinen Rappen Steuern.

Auf Platz zwei folgt die Familie Jacobs (Adecco, Barry Callebaut), die eine unversteuerte Dividende von 117,5 Millionen Franken erhält, vor Glencore-Chef Ivan Glasenberg mit 102,7 Millionen Franken. Gesamthaft erhalten die 14 Aktionärsfamilien, die am meisten von der Unternehmenssteuerreform profitieren, 529,2 Millionen Franken steuerfrei.

Dazu zählen die Familien Schmidheiny, Vontobel, Straumann, und auch SVP-Nationalrat Peter Spuhler. Der Bundesrat ist offenbar bereit, die Steuerbefreiung teilweise rückgängig zu machen. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat bereits eine entsprechende Vorlage in der Schublade, wie drei Quellen gegenüber dem «Sonntag» bestätigen.

«Dummes Zeugs», sagt Ex-Finanzminister Merz

Für die meisten Medien und Politiker ist der ehemalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz schuld an den Milliarden-Steuerausfällen der Unternehmenssteuerreform II. Jetzt nimmt der alt Bundesrat gegenüber dem «Sonntag» erstmals Stellung. «Ich staune nur noch, wie man nun die Unternehmenssteuerreform darstellt», sagt er. Es sei «noch viel zu früh zu beurteilen, wie sich die Reform netto auf die Steuereinnahmen auswirken wird».

In den Medien war die Rede von brutto 47 Milliarden Franken, die dem Fiskus an Verrechnungs- und Einkommenssteuern flöten gehen würden, weil Unternehmen Kapitalreserven nun steuerfrei ausschütten können. Diese Zahl sei «dummes Zeugs», sagt Merz. Die Steuerverwaltung spricht von 1,2 Milliarden Ausfällen für 2011 und jeweils 400 bis 600 Millionen für die folgenden Jahre.

«Prognosen waren schwierig»

Merz weist darauf hin, dass man diese Ausfälle nicht isoliert betrachten dürfe. «Dank der Reform II kommen viele neue Firmen in die Schweiz, die dann auch Steuern zahlen.» Merz geht davon aus, dass die neuen Unternehmen «über 100 Milliarden Franken mitgebracht haben». Dass Merz vor der Abstimmung 2008, die mit einem hauchdünnen Ja (50,5 Prozent) endete, tiefe Steuerausfälle vorausgesagt hat, erklärt er so: «Prognosen waren schwierig, weil es kein Zentralregister gibt, bei dem die Kapitalreserven gemeldet werden. Man wusste also nicht, wie viele Steuersubjekte betroffen sind.»

Der alt Bundesrat betont: «Die steuerbegünstigte Ausschüttung ist kein Geschenk - das Geld wurde ja schon einmal versteuert. Man hat einen verfassungswidrigen Zustand beseitigt.» Die Reform sei auch rückblickend richtig und helfe vor allem den KMU bezüglich Dividendenbesteuerung und Nachfolgeregelung: «Unsere Versprechen wurden gehalten.»

(fum)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Aarau am 25.03.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Reich, reich Reicher

    Genug Geld um die Flugzeuge zu Kaufen ohne Sparmassnahmen zu machen. Es würde keine Volksabstimmung brauchen. Alles in allem mit den Aktien feht dem Bund gut 80 Milliarden. Allein Glencore 14.4 Milliarden und die UBS, CS Zahlen nichts. Mit nur 1 Milliarde könnte man 50000 Mittelschüler 1 Jahr ausbilden.

  • Martin am 25.03.2012 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz logisch...

    Zuerst einmal werden die Gewinne auch weiterhin doppelt belastet, einmal auf Stuffe Kapitalgesellschaft und das zweite Mal auf Stufe Anteilsinhaber. Dies hat sich auch mit der UStR II nicht geändert. Beseitigt wurde nur, dass Mittel, welche als Eigenkapital in eine Kapitalgesellschaft eingebracht wurden, nun auch steuerneutral wieder aus der Gesellschaft rausgenommen werden können. Dies ist übrigens seit jeher in den meisten anderen Ländern so und kein Geschenk an die Reichen, sondern eine logische Selbstverständlichkeit. Die Reichen profitieren halt mehr, weil sie mehr Geld haben.

  • Tom Schmidt am 25.03.2012 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Taschengeld

    400-600 Mio sind meiner Meinung nach verdammt viel Geld welcher der Bonzenobrigkeit geschenkt wird. Eigentlich nichts Neues. In Bundesbern werden Zahlen erst im Mrd Bereich diskutabel. Die Politik hat einen vollkomenen Realitätsverlust erlitten. Shame on you im Namen aller hart arbeitenden Bauern und Untertanen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Freak am 26.03.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    asdf

    Ich hab auch 20.- Dividenden bekommen :) Dank Intel. Wiso soll man das Versteuern? das ist Risiko, wenn ich Geld verliere kann ich es ja nicht abziehen an den Steuern, bekomm ich Gewinn muss ich aber? Naja nicht das meine 20.- hier entscheidend wären und Dividenen nicht Gewinn, sondern Gewinnbeteiligung oder was auch immer ist. Aber ich verstehe zu wenig davon um hier einfach zu jammern nur weil ich keine 120milionen bekommen habe! Seit zufreiden mit dem was ihr habt und lasst die Anderen in ruhe! Das nächste mal spucken euch einfach die Anderen in die Suppe!

  • Phil am 26.03.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat.....

    dem wird gegeben! Die Umverteilung von Fleissig auf Reich ist eine Tatsache die nicht mehr geleugnet werden kann. Das Aussterben des Mittelstandes führt zwangsweise zu einer Destabilisierung der Gesellschaft. Man kann diesen Betrag von einer 1/2-Milliarde als zusätliches leistungsloses Einkommen von 14 Familien werten, welche durch Zins und Zinseszins nie wieder zu arbeiten brauchen. De facto sind diese Leute Reiche "Arbeitslose" welche durch Steuererlasse und Zinszahlungen durch den Mittelstand Finanziert werden.

  • Urs am 26.03.2012 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte bei den Facts bleiben, und nicht die reisser

    Die Unternehmenssteuerreform II begünstigt das Unternehmertum gegenüber dem 'Managertum'. Dies ist genau der richtige Ansatz! Es geht hier vorallem um Dividenden und nicht um Bonuszahlungen. Dividenden wurden schon als Teil des Gewinns versteuert, was beim Lohn nicht der Fall ist.

  • Jenny am 25.03.2012 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    Viele Köpfe viele Meinungen. Wo wird das hin führen? Am Schluss geht es uns kleinen gut weil die grossen hier sind oder??.Was klar ist, ohne das Volk kein Staat.Mir machen nicht die reichen und deren Abgaben. Sorgen, sonder die heutige Jungend die die Schweiz von morgen machen werden. Was auch klar ist, das wir uns wirklich besser informieren müssen bevor wir abstimmen gehen. Danke

  • Blutender Arbeiter am 25.03.2012 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    An das Schweizer Volk

    Sieht her liebes Volk, wie 1% von uns Gesetze für die 99% macht?!