09. März 2017 14:00; Akt: 09.03.2017 16:12 Print

Mario Draghi hält Leitzins auf Rekordtief

Der Chef der Europäischen Zentralbank bleibt ungeachtet steigender Inflationsraten auf Billiggeld-Kurs. Banken bekommen frisches Geld weiterhin zu null Prozent Zinsen.

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Rückt nicht vom Kurs ab: EZB-Chef Mario Draghi. (Archiv) (Bild: Keystone/Olivier Hoslet)

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Der Rat der Europäischen Zentralbank hielt den Leitzins bei seiner Sitzung heute in Frankfurt wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Finanzinstitute überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür nach wie vor 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Zugleich kauft die Notenbank weiterhin monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Milliardenvolumen.

Im Februar war die Inflation im Euroraum getrieben vor allem von hohen Energiepreisen erstmals seit vier Jahren wieder auf zwei Prozent gestiegen. Die EZB strebt eine nachhaltige Rate von knapp unter 2,0 Prozent an. Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass die Teuerung vorerst ihren Höhepunkt erreicht hat und der Ölpreis-Effekt im Laufe des Jahres nachlassen wird.

Billig-Geld soll Konjunktur ankurbeln und Teuerung anheizen

Im Kampf gegen niedrige Inflation und Konjunkturschwäche hat die Notenbank ihre Geldschleusen weit geöffnet. Erst im Dezember verlängerte sie ihr seit März 2015 laufendes Kaufprogramm für Staatsanleihen und Unternehmenspapiere um weitere neun Monate bis mindestens Ende 2017 – wenn auch ab April nur noch 60 Milliarden statt 80 Milliarden Euro monatlich fliessen sollen.

Das viele billige Geld soll im Idealfall die Konjunktur ankurbeln und auch die Teuerung anheizen. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko. Unternehmen und Konsumenten könnten Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass es bald noch billiger wird. Das könnte die Wirtschaftsentwicklung abwürgen.

Politiker und Ökonomen in Deutschland forderten nach dem jüngsten Anstieg der Teuerung, die EZB müsse jetzt das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik einläuten. «Die EZB sollte ihre Geldflut eindämmen, sonst besteht die Gefahr, dass sie über ihr Ziel hinausschiesst», mahnte Ifo-Chef Clemens Fuest. Sparer leiden seit Jahren unter den extrem niedrigen Zinsen – wobei andererseits Kreditnehmer profitieren.

Mehr Inflation in diesem Jahr erwartet

Die EZB hat ihre Inflationsprognose für dieses Jahr deutlich nach oben geschraubt. Die Konsumentenpreise dürften im Schnitt um 1,7 Prozent steigen, heisst es in den heute veröffentlichten Prognosen.

Noch im Dezember wurden nur 1,3 Prozent erwartet, doch trieben vor allem höhere Ölpreise die Teuerungsrate im Februar erstmals seit Jahren auf zwei Prozent. Für 2018 erwarten die EZB-Ökonomen nun 1,6 (Dezember: 1,5) Prozent und für 2019 wie bislang 1,7 Prozent. Die EZB sieht Werte von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

In den kommenden Monaten dürfte die Teuerungsrate bei etwa zwei Prozent verharren, sagte EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt. Dazu trügen vor allem höhere Energiepreise bei. Würden diese ausgeklammert, dann steige die Inflation nur langsam. Es gebe keine Anzeichen für einen Aufwärtstrend bei dieser sogenannten Kerninflation. Die EZB-Fachleute hoben zudem ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes im Euro-Raum in diesem Jahr von 1,7 auf 1,8 Prozent an.

Für 2018 erwarten sie 1,7 (bisher: 1,6) Prozent, für 2019 wie zuletzt 1,6 Prozent. «Das Wachstum festigt und erweitert sich», so Draghi. Dazu trügen die steigende Beschäftigung ebenso wie ein verbesserter Welthandel bei.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franz am 09.03.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Mario tragisch

    Nur weil alle Staaten hoch verschuldet sind, traut er sich nicht die Zinsschraube anzuziehen und treibt die Menschen in die Armut. Er schafft heute ein Problem für die nächsten 100 Jahre! Wie lange lässt man ihn noch walten?

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  • Realist am 09.03.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dragthing absetzen

    Es ist endlich Zeit, diesen Nichtsnutz zu ersetzen. Der hat schon zu viel Schäden in der Vergangenheit angerichtet.

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  • Malo am 09.03.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen in Frankreich

    Ich bin gespannt was die EZB macht wenn Marine Le Pen in Frankreich gewählt wird. Weil dann fällt der Euro. Dann fliehen alle in den Dollar oder in den Schweizer Franken. Darum denke ich auch war heute die EZB eher zurückhaltend mit der Zinsschraube. Der Brexit steht Ende März auch an.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pelo am 13.03.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zinsen bleiben tief

    1. Drahgi ist nicht alleine, der diese Entscheidungen fällt. Es sind ein paar Leute und Draghi ist der Präsident der diese Entscheidungen in der Oeffentlichkeit vertretenm muss. 2. Wenn der Leitzins nur ein bisschen steigt dann sind alle Südstaaten null Komma plötzlich pleite. Die Zinsen werden wahrscheinlich noch 10 Jahre so tief bleiben.

  • Benno B. am 11.03.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was macht Trump?

    Muss er ja, sonst gehen Italien und Frankreich kaputt und die Deutschen könnten weniger Ware absetzen, wenn der Euro steigen würde. Aber es könnte trotzdem schief gehen, wenn Trump für Amerika Gegenmassnahmen ergreifen würde.

  • Motzi am 11.03.2017 00:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr solltet euch schämen..

    Es geht euch Banker doch wirklich nur darum wieviele Millarden können wir noch auf die hohe Kante legen und uns klein und Mittelschicht das Geld noch mehr abzocken.Ihr solltet euch schämen das Volk seit Jahren so zu schikanieren und abzuzocken.Aber ihr habt ja gar kein Gefühl darum könbt ihr das weiterführen und euch selber noch ein Milliönchen mehr Lohn geben.

  • PS;L am 10.03.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden an der Nase...

    Mann muss nicht studiert haben um zu sehen, dass das nicht gut kommen kann. Hält er den Kurs länger bei wird der EURO noch viel mehr an Wert verlieren! ACHTUNG Geldmengenfalle!

    • Alter Sack am 10.03.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PS

      Genau das ist ja das Ziel. Wer eine schwache Währung hat kann mehr exportieren.. und erst noch gratis Schulden machen.... der Kater kommt schon noch .... den allerdings badet die Masse aus... das sind wir.

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  • M.G. am 10.03.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Draghi spaltet Europa

    Denn das Anleihenkaufprogramm ist nach der wirtschaftlichen Leistung der EURO-Staaten aufgeschlüsselt: Starke Wirtschaften erhalten viel Kapital, schwache Wirtschaften wenig. In Deutschland steht die Inflationsrate bei 2%, in Griechenland bei knapp 1%. Dieses Programm ist also das Gegenteil einer Strukturförderung, es ein typisches Globalisierungsinstrument zur Kumulation von Kapital und Produktivität in an sich schon starken Regionen.