Cybermobbing

21. Oktober 2013 21:59; Akt: 21.10.2013 21:59 Print

Versicherung löscht Nacktfotos aus dem Netz

von Valeska Blank - Ob Beleidigung oder peinliches Foto: Gegen die Risiken von Cybermobbing können sich Schweizer seit Neustem versichern lassen. Der Nutzen wird jedoch infrage gestellt.

storybild

Beleidigende Inhalte oder peinliche Fotos verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer auf Smartphones und im Internet. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Nacktfoto eines 14-jährigen Mädchens macht auf dem Schulhof über WhatsApp die Runde. Ein Mitschüler lädt das Bild daraufhin auf Facebook, ein anderer postet es auf Twitter. Innert Stunden wird das Foto hundertfach weiterverbreitet.

Umfrage
Würden Sie sich gegen Cybermobbing versichern lassen?
16 %
65 %
19 %
Insgesamt 3327 Teilnehmer

Das Mädchen muss hämische Kommentare über sich ergehen lassen. Die Eltern wollen intervenieren und das Nacktfoto ihrer Tochter schnellstmöglich aus den sozialen Medien entfernt wissen. Wie sie das schaffen sollen, ist ihnen aber schleierhaft.

Unterstützung vom Spezialisten

Für solche oder ähnliche Fälle hat die Zurich eine Cybermobbing-Versicherung lanciert. Sie soll Betroffenen helfen, gegen persönlichkeitsverletzende Bilder und Filme, aber auch Beschimpfungen oder Beleidigungen im Internet vorzugehen.

Die Zurich greift dabei auf die Unterstützung des deutschen Unternehmens Revolvermänner zurück, einem Spezialisten für Reputationsmanagement im Netz. Die Firma übernimmt das Löschen von Bildern oder Web-Einträgen oder kümmert sich darum, dass sie «verdrängt» werden – sprich, dass beleidigendes oder kompromittierendes Material in Suchmaschinentreffern weit nach hinten rutscht.

Grosse Hürden für Private

Das zu erreichen, sei für Privatpersonen schwierig bis unmöglich, sagt Revolvermänner-Chef Christian Scherg. Nur schon den Kontakt zu Giganten wie Facebook, Twitter oder Google herzustellen, sei eine grosse Hürde. «Und dann landet die Anfrage zur Löschung meist einmal auf einem grossen Stapel – und bleibt unbearbeitet dort liegen», so Scherg. Wenn hingegen Profis ans Werk gingen, würde ein Löschungsbegehren mit der nötigen Priorität behandelt.

Die Cybermobbing-Versicherung deckt auch die Kosten für eine Beratung der Betroffenen, eine Intervention – beispielsweise in der Schule – und eine Mediation zwischen Opfer und Täter. Übernommen wird dies vom Verein Zischtig.ch, der sich auf Mobbing-Fälle bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Für Fälle, bei denen Erwachsene betroffen sind, stellt die Zurich ihre Anwälte zur Verfügung.

«Grundsätzlich übertrieben»

«Wenn eine Privatperson all diese Massnahmen aus der eigenen Tasche bezahlen müsste, würden sich schnell Kosten von mehreren Tausend Franken anhäufen», sagt Revolvermänner-Chef Scherg. Das Cybermobbing-Paket der Zurich kostet den Versicherten und seine Familie 149 Franken pro Jahr.

Versicherungsexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum ist vom Nutzen dennoch nicht überzeugt. «Bei Cybermobbing wäre Prävention besser – eine Versicherung ist immer der schlechteste Weg, mit einem Risiko umzugehen.» Ausserdem bezweifelt er den Sinn von solchen «Lifestyle-Versicherungen»: «Obwohl das Thema zweifelsohne aktuell ist, sollte eine Versicherung für existenzbedrohende Situationen wie Feuer oder Diebstahl da sein.» Aus diesem Grund hält der Experte die Cybermobbing-Versicherung für eine «gute PR-Aktion, aber grundsätzlich übertrieben».

Leistung unter die Lupe nehmen

Ausserdem sollten die Kunden genau prüfen, bis zu welchem Betrag die Kosten in einem Cybermobbing-Fall gedeckt würden, so Thurnherr: «Bei einer Prämie von 149 Franken bezweifle ich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.» Zurich-Sprecher Franco Tonozzi relativiert: «Für die Leistungen des Vereins Zischtig und die Services der Firma Revolvermänner gibt es keine Deckungsgrenze nach oben.» Beim Rechtschutz würden Kosten bis zu 10'000 Franken übernommen. Dies würde für die meisten Fälle genügen.

Ein auf Cyberkriminalität ausgerichtetes Versicherungspaket bietet in der Schweiz schon die Groupe Mutuel an. Es unterscheide sich aber grundlegend vom Angebot der Zurich, so Sprecher Tonozzi. Die Groupe Mutuel deckt die Risiken bei Identitätsdiebstahl und -missbrauch im Internet, jedoch nicht die Risiken bei anderen Persönlichkeitsverletzungen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • james am 21.10.2013 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Simple Lösung

    Anstatt Geld für eine Versicherung zu verschwenden, wäre es doch einfacher bevor man das Handy zur Hand nimmt ein wenig nachzudenken! Wer auf einer Social-Network-Seite gemobbt wird soll sich auf der betreffenden nicht mehr anmelden. Das ist die günstigste, effektivste und einfachste Lösung für solche Probleme

    einklappen einklappen
  • armi sieche am 21.10.2013 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich verstehs nicht

    wer zur hölle macht nacktfotos und schickt sie dann stolz weiter moralische bedenken gibt es nicht oder was? :O die jugend von heute ist sowas von versaut und das sag ich mit 16 Jahren :D

    einklappen einklappen
  • John D. am 21.10.2013 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    falscher Titel...

    Naja, dieses Unternehmen kann ein Bild nicht komplett aus dem Netz, geschweige denn von Facebook oder twitter löschen. Doch da werden wohl trotzdem die Kassen klingeln, da dies viele nicht begreifen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • mami am 22.10.2013 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Didm Welt am verblöden

    Drückt den 8 jährigen nicht schon ein smartphone in die hände und erzieht die kinder anständig! Wer Kinder hat muß halt auf Dinge verzichten,anstatt arbeiten gehen,dann weiß man auch eher was sie machen. Wer keine Nacktfotos macht,muß auch nichts löschen laßen.Macht doch gleich ne Versicherung gegen Blödheit.

  • Michael St. am 22.10.2013 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Das ist reine Abzocke und somit eine überflüssige Versicherung mehr. Ist z.B. ein Bild erst einmal im Internet veröffentlicht und ein paar Stunden online, wird es wohl schon auf mehreren PC geladen (gespeichert) sein. WO und bei WEM auf der ganzen Welt kann niemand herausfinden und diese Person kann es jederzeit wieder ins Internet hoch laden.

    • u.g. am 22.10.2013 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      man muss sich halt vorher im klaren sein was man im Internet veröffentlicht. Jede Foto kann problemlos kopiert und in einem anderen Zusammenhang von dritten wieder ins Internet eingestellt werden.

    einklappen einklappen
  • Randy am 22.10.2013 04:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht ganz. 

    Ich bin selbst vater von 2 Kindern und man hat die Verpflichtung seine Kinder zu schützen. Im ernst hat doch jeder mit 14 was gemacht das ihm heute peinlich ist. für Jugentlichen blödsinn sol man selberschuld sein?? finde ich nicht erst mit dem Alter kommt auch die Reife.

  • Lars Von Siegen am 22.10.2013 02:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In bestehenden Rechtsschutz damit

    Am liebsten wäre es mir, wenn so etwas im "üblichen" Rechtsschutz integriert wäre.

  • Bruder Motzi am 22.10.2013 02:00 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Abzocke

    Da wird von den Versicherungen Hoffnung geschürt und Geld abgeknöpft für einen nicht zu gewinnenden Rechtsstreit. Deshalb finde ich das Angebot verwerflich. Wer zu blöde ist, darüber nach zu denken, ob Nacktfotos freiwillig zur Verfügung gestellt werden sollen, hat die Verantwortung der Folgen selber zu tragen.