Starker Franken

30. Juni 2011 12:39; Akt: 18.07.2011 15:15 Print

Lonza-Mitarbeiter müssen länger arbeiten

Weil der Gewinn am Standort Visp stark unter Druck steht, verlängert Lonza die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. Für die Gewerkschaft ist dies eine «Frechheit».

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Die Lonza-Mitarbeiter müssen unentgeltlich Mehrarbeit leisten. (Bild: Keystone)

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Der Basler Life-Science-Konzern Lonza erhöht auf den 1. Juli befristet auf 18 Monate die Arbeitszeit für alle Mitarbeiter am Standort Visp von durchschnittlich 41 auf 43 Stunden. Der Gewinn am Standort Visp stehe stark unter Druck, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Die sinkende Profitabilität des Lonza Werks Visp sei primär auf die massive Stärke des Schweizer Frankens, auf eine aggressive Preispolitik von Konkurrenten und steigende Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen, heisst es im Communiqué weiter.

Negative Rahmenbedingungen kompensieren

Für das Jahr 2011 erwartet die Lonza einen negativen Währungseinfluss von rund 60 bis 70 Mio. Franken, wovon das Werk in Visp stark betroffen sei. Zudem sei kurz- und mittelfristig keine wesentliche Verbesserung der Rahmenbedingungen zu erwarten.

Mit der befristeten Erhöhung der Soll-Arbeitszeit auf 43 Stunden für alle Mitarbeiter des Werks in Visp könnten kurzfristig die negativen Rahmenbedingungen teilweise kompensiert werden, schreibt Lonza. Die hohe Auslastung der Anlagen könne damit ohne zusätzliches Personal bewältigt werden, womit ein weiterer Kostenanstieg verhindert werde.

Kaderlöhne unter Beschuss

Die Saläre von Verwaltungsrat und Konzernspitze, 2010 waren das insgesamt rund 10 Millionen Franken, gerieten an der Generalversammlung der Lonza-Aktionäre unter Beschuss. Nur gerade 57 Prozent stimmten für den Vergütungsbericht, wie die Ethos-Stiftung am Mittwoch mitteilte.

Dennoch gibt sich der Konzern zuversichtlich, dass die Mitarbeitenden in Visp die befristete Arbeitszeiterhöhung mittragen werden. Der Schritt sei entscheidend für mögliche künftige Investitionen und somit für das Gedeihen der Lonza in Visp.

Vertragsbruch
Für die Gewerkschaft Unia ist der Fall klar: Lonza bricht den geltenden Kollektivarbeitsvertrag. Zudem habe das Chemie-Unternehmen diesen Vertrag vorzeitig auf Ende Jahr gekündigt. Das ändere aber nichts am «krassen Vertragsbruch». Der Schritt sei ein Affront gegen den Vertragspartner Unia und die Belegschaft. Tatsächlich entspreche die Arbeitszeiterhöhung einer Lohnsenkung um 5 Prozent.

Die einseitige Ankündigung der Lonza sei eine «Frechheit». Der Konzern wälze ein übliches Geschäftsrisiko einfach auf die Belegschaft ab. Der Betrieb könne sich vor Aufträgen kaum retten. Statt Personal einzustellen, müsse die Belegschaft mehr arbeiten, um dem Unternehmen trotz ungünstigem Wechselkurs den Profit zu sichern.

Die Unia verlangt von Lonza, die Arbeitszeitverlängerung zurück zu nehmen, sofort in Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag einzutreten und sich an den geltenden Vertrag zu halten

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B.K. am 01.07.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist eine Sauerei

    Es ist eine absolute Sauerei was die Chefetage von ihren Angestellten verlangt! Wären die Big Bosse von Lonza solidarisch, würden sie als erstes ihr eigenes Sälar um ein paar Millionen kürzen. Die sollen sich in Grund und Boden schämen. Die Abzockerei in den Chefetagen muss nun langsam ein Ende finden. Keiner von ihnen trägt so viel Verantwortung, dass so horende Saläre gerechtfertig sind!! Das zeigt auch wie unfähig unsere Politiker sind, denn sie schreiten nicht ein.

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  • Patricia Bitterli am 30.06.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich selbst..

    ..kenne die Lonza als Arbeitgeberin und muss sagen, dass sie ihren Job gut machen... Schwierige Zeiten erfordern nun schwierige Massnahmen und ich denke wer gerne dort arbeitet, dem machen die 24 Minuten mehr am Tag nichts aus. Ich glaube es gibt genug andere Betriebe, welche zu schlimmeren Konditionen arbeiten und man noch mehr Personal einstellen müsste...

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  • Heiri Zürcher am 01.07.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vogel-Strauss-Mentalität der Schweizer!

    Das ist ja mal wieder typisch Schweizermentalität: Keiner wehrt sich und kämpft für seine Rechte! Nur immer die Faust im Sack machen. Dieser Entscheid öffnet alle Türen für Arbeitgeber, welche noch mehr seine Mitarbeiter ausbeuten können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jane Koer am 01.07.2011 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    ähh.

    Ich arbeite offiziell 42.5h-Wochen, meistens sinds dann aber doch mehr... und ich bin Sachbearbeiterin, kein Kadermitglied. Und mein Lohn bleibt gleich. Die Arbeit muss eben erledigt werden!

    • Eva aus E. am 05.07.2011 08:25 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst Schuld

      Sorry, ich hab mit den Schweizern kein Mitleid . Wenn ihr euch das gefallen lässt und nichts dran ändert - dann arbeitet euch eben (fast?) zu Tode. Ihr könntet euch wehren. Oder wems nicht passt, guckt sich ein wenig in Europa um und zieht halt einen Wohortswechsel in Betracht. In ein Land, wo es arbeitnehmer- und familienfreundlicher zu und her geht ;-) Gehöre auch zu den Leuten, die "Goodbye Switzerland" gesagt haben und geniesse nun 6 Wochen Urlaub im Jahr, 38.5 Stunden Wochen und genug Lohn, um mir ein gutes Leben leisten zu können. Aber sehr oft fehlt Schweizern eben einfach der Mut.

    • Hampi am 03.08.2011 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      Tschüss Schweiz

      Sehr schön gesagt!!! Ich habe langsam aber SICHER die Schnauze voll vom eigenen Land! Genau deshalb... Nur ist Europa noch schlechter...

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  • E.D. am 01.07.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten, um zu leben

    und nicht leben, um zu arbeiten. Mir tun die Angestellten sehr leid. :-( Die buckeln sich ja (fast) zu Tode, wahrscheinlich noch für einen Lohn, der gerade zum leben reicht? Wann hat man bei solchen Arbeitszeiten, eigentlich Zeit, das Leben zu geniessen? Mein tiefstes Mitgefühl. Echt.

  • Heiri Zürcher am 01.07.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vogel-Strauss-Mentalität der Schweizer!

    Das ist ja mal wieder typisch Schweizermentalität: Keiner wehrt sich und kämpft für seine Rechte! Nur immer die Faust im Sack machen. Dieser Entscheid öffnet alle Türen für Arbeitgeber, welche noch mehr seine Mitarbeiter ausbeuten können.

  • Ruedi Wermuth am 01.07.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Buckel der Büezer

    Kein Mensch sagt etwas wenn man wegen des Euro Gegensteuer geben will oder muss. Was für mich unverständlich und unglauwürdig ist, sind die Argumente von wegen hoher Rohstoff und Energiepreise, ist der Franken gegenüber Euro und Dollar so extem stark, dann kann die Lonza weltweit auch die Rohstoffe billiger einkaufen, komisch ist dass darüber noch nicht diskutiert wird. Der Preiskampf wird wieder einmal mehr auf dem Buckel der Büezer ausgetragen, genau so wie es schon immer war und wie es immer bleiben wird!

    • Laredo am 01.07.2011 22:54 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Genau! Habe ich auch schon immer wieder erwähnt und werde nicht schlau draus, warum man das immer wieder vorbringt, stand kürzlich im Blick doch schwarz auf weiss, das durch den starken Franken man billiger an Rohstoffe u Energie käme, da Euro/Dollar auf tiefem Kurs sind. Sind die Obrigen bei Lonza so dämlich, das wir das glauben müssen? Wenn ja, frage ich mich, wie haben sie den Posten nur gekriegt?

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  • B.K. am 01.07.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist eine Sauerei

    Es ist eine absolute Sauerei was die Chefetage von ihren Angestellten verlangt! Wären die Big Bosse von Lonza solidarisch, würden sie als erstes ihr eigenes Sälar um ein paar Millionen kürzen. Die sollen sich in Grund und Boden schämen. Die Abzockerei in den Chefetagen muss nun langsam ein Ende finden. Keiner von ihnen trägt so viel Verantwortung, dass so horende Saläre gerechtfertig sind!! Das zeigt auch wie unfähig unsere Politiker sind, denn sie schreiten nicht ein.

    • Laredo am 01.07.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

      Immer das gleiche Spiel

      Solidarität ist in den Chefetagen oder bei den Aktionären ein Fremdwort! Sie gebrauchen dieses Fremdwort aber sehr gerne zur Maximierung ihrer Bezüge und verwenden das nach unten auch gerne an. Für sie gelten eben andere Regeln, welche sie dank der Politik auch ungestraft ausüben können. Egal wo, ob Lonza oder sonstwo, es ist allwo dasselbe Spiel u kein Politiker kümmert das ernsthaft.

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