In Kosmetika

26. Februar 2014 07:27; Akt: 26.02.2014 11:38 Print

App soll hormonell wirksame Stoffe entlarven

von L. Frommberg - In jedem dritten Kosmetikartikel sind hormonell wirksame Chemikalien enthalten. Mit Hilfe eines Internetservices können Konsumenten nun erkennen, welche Produkte betroffen sind.

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Auch in Schminke können die umstrittenen Stoffe enthalten sein. (Bild: Keystone/AP/Gregory Bull)

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Die Studie des deutschen Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) sorgte für Furore. In jedem dritten Kosmetikartikel sind hormonell wirksame Chemikalien enthalten, fanden die Autoren bei der Untersuchung von 60'000 Artikeln heraus. Kritiker bemängeln, dass diese in hohen Dosen die Gesundheit schädigen.

Brustkrebs, verfrühte Pubertät oder eine Verminderung der Spermienanzahl könnten die Folgen sein. «Problematisch sind solche Chemikalien insbesondere für Kinder und Personen, die mehreren Quellen ausgesetzt sind», so Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Um besorgten Kunden Aufschluss über die Inhaltsstoffe der Kosmetika zu geben, hat das Schweizer Unternehmen Codecheck nun sein Angebot angepasst. In dem Produkte-Nachschlagewerk sind via Website oder App neben Informationen zu Palmöl-Bestandteilen, bedrohten Fischarten oder dem Preis neu auch hormonell wirksame Stoffe ausgewiesen.

App erweitert

«In Kooperation mit Bund haben wir unsere App erweitert», berichtet Roman Bleichenbacher, Gründer von Codecheck. Ab heute sind auf Website und App bei Kosmetika und Make-up-Artikeln die Angaben «frei von hormonell wirksamen Chemikalien» oder «hormonell wirksam» ergänzt. Neben Informationen aus der Bund-Studie enthalten die Ergebnisse aber auch Angaben anderer Experten, etwa der von Ökotest, erklärt er weiter. «Wir wissen, dass die Wirkstoffe grundsätzlich in geringen Dosen erlaubt sind», so Bleichenbacher weiter. Dennoch wolle er auf das Thema aufmerksam machen, weil die Unbedenklichkeit eben nicht abschliessend geklärt sei.

Hormonell wirksame Chemikalen befinden sich meist in Konservierungsstoffen oder UV-Filtern. Ob sie wirklich Krankheiten oder körperliche Veränderungen auslösen, ist aber nicht bewiesen. In neueren Studien konnte keine der Folgen wirklich bestätigt werden, berichtet die Stiftung Warentest. Bei den Herstellern wehrt man sich gegen die Vorwürfe: «Sie kommen in so geringen Mengen mit dem Körper in Kontakt, dass eine relevante hormonähnliche Aktivität nicht erfolgen kann», heisst es etwa von Nivea-Hersteller Beiersdorf. Das gelte auch bei häufigen Verwendungen noch. In der Bund-Studie war jedes zweite Produkt von Beiersdorf mit den hormonell wirksamen Stoffen versetzt.

Niemand bekommt Krebs

«Von der Anwendung von Kosmetikprodukten bekommt niemand Krebs oder eine verfrühte Pubertät», heisst es auch von der Mibelle Group, die unter anderem die Migros Eigenmarken I am und Zoe herstellt. «Fakt ist: Kosmetika werden von den Herstellern wie auch von den Behörden sehr gut kontrolliert, und die kritisierten Inhaltsstoffe wurden von anerkannten Wissenschaftlern untersucht und mit Einschränkungen zugelassen.» Bei Mibelle waren laut Bund-Studie 22 Prozent der Produkte mit den Stoffen versetzt. Auch von Unilever, L’Oreal und Procter und Gamble sowie Henkel heisst es, die Verwendung aller Produkte sei bedenkenlos möglich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ConcernedScientist am 26.02.2014 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nanopartikel&Peeling-Mikro-Plastik

    Codecheck sollte auch diese Teile in den Produkten aufführen. BUND hat dazu schon genug Analysen gemacht. Konsumentrn haben die Macht, leider ist der Nihilismus und Ignoranz zu gross bei den meisten...

  • margot am 26.02.2014 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    haarsträubende Tatsachen

    werde ab sofort wieder in den weisen Schönheits- und Gesundheitsbüchern meiner Grossmutter blättern.....

    einklappen einklappen
  • Aaron Samuel am 26.02.2014 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige und gravierende Betrachtung

    Ganz einseitig ist die Infobox der Printausgabe mit dem Titel "In neueren Studien konnten keine Folgen bestätigt werden". Es ist wie beim Süssungsmittel Aspartam. Von 146 Studien wurden 96 von Aspartamproduzenten durchgeführt und 50 unabhängig. 96 Studien besagen, es sei ungefährlich, die 50 unabhängigen Studien besagen, es sei höchst Krebserregend. In der Infobox wurden nur die Milliardenkonzerne befragt, kein unabhängiges Forschungsinstitut. Als Bio-Chemiker kann ich unterstreichen, dass bei hormonaktiven Stoffen kleinste Mengen gleich wirken wie die 1000-fache Menge!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karin S. am 26.02.2014 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Industrie ist gefordert

    Am besten bei Kosmetik und sonstigen Cremen und Lotionen und Shampoos, einen Beipackzettel wo man richtig Lesen kann was drin ist. Wie bei Medikamenten. Oder die Kosmetik Industrie stellt unbedenkliche und umweltverträgliche Produkte her. Es ist eine Zumutung die Inhaltsstoffe auf einer App. Zu suchen Oder in mini Schrift und verklausuliert auf der Schachtel zu entziffern.

  • Kosmeti am 26.02.2014 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrung

    Solche Apps verwirren mehr als dass sie helfen. Die Informationen die sie liefern sind leider nicht aktuell oder entsprechen nicht den Tatsachen. Gut gemeint, mehr nicht! Fragt Fachleute, vor allem falls ihr allergisch reagiert!

  • Bella 27 am 26.02.2014 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unfruchtbarkeit!

    ...und da wundert Frau sich, wenn sie unfruchtbar wird?!

  • Bruder Motzi am 26.02.2014 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verzicht auf diese Produkte

    löst das Problem auf einen Schlag...

  • Rafi am 26.02.2014 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mag es näturlich ;)

    Schminken wird völlig überbewertet