830 Millionen Verlust

07. März 2016 08:11; Akt: 07.03.2016 15:57 Print

Alpiq muss Hälfte ihrer Stauseen verkaufen

Der millionenschwere Verlust von Alpiq zwingt den Energiekonzern, einen Teil seines Wasserkraftportfolios zu veräussern. Interessenten gebe es bereits.

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Der Energiekonzern Alpiq will bis zu 49 Prozent seines Wasserkraftportfolios verkaufen. Als Käufer in Frage kommen gemäss Unternehmen in- und ausländische Investoren, die einen langfristigen Anlagehorizont in nachhaltige Energieerzeugung haben. Alpiq selbst glaubt an die Zukunft der Wasserkraft.

Mit dem teilweisen Verkauf solle die Abhängigkeit von den Grosshandelspreisen reduziert werden, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin vor den Medien in Olten SO. Man wolle die Wasserkraft auf eine solidere und zukunftsfähigere Basis stellen.

Käufer der Anteile könnten auch Energieversorgungsunternehmen im Schweizer Endkundenmarkt sein. Alpiq selbst hat keine Endkunden, sondern verkauft den produzierten Strom im Grosshandel - und fährt damit einen grossen Verlust ein.

Strompreis um einen Drittel gesunken

Der Strompreis für die Grosshandelskunden sei in nur einem Jahr um einen Drittel gesunken. Damit sei nahezu kein Kraftwerk kostendeckend aufgestellt. Hinzu komme der starke Franken.

Diese Kombination übe einen grossen Druck auf die Schweizer Wasserkraft aus. Das stelle sämtliche klassischen Energieproduzenten vor grösste Herausforderungen, hielt Staiblin fest. Wasserkraft sei ein kapitalintensives Geschäft.

Das Schweizer Wasserkraftportfolio der Alpiq besteht aus zwölf Speicherkraftwerken, einem Pumpspeicherkraftwerk sowie aus fünf Flusskraftwerken. Diese Anlagen, an denen Alpiq beteiligt oder Eigentümerin ist, befinden sich in den Kantonen Wallis, Graubünden, Waadt, Tessin und Solothurn. Zur Wasserkraft von Alpiq gehören unter anderem die Speicherkraftwerke Blenio, Engadin, Grande Dixence und Hinterrhein sowie das Flusskraftwerk Gösgen.

Zukunft der Wasserkraft

«Wir bleiben eine 51-prozentige Wasserkraftproduzentin», sagte Staiblin. Sie machte klar, dass man sich auch weiterhin für die Zukunft der Wasserkraft einsetze. Die Wasserkraft sei flexibel und langfristig die günstigste Energie, die es gebe.

Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien werde die Wasserkraft nicht vom Staat unterstützt, sondern müsse hohe Abgaben wie Wasserzinsen leisten, hielt die Alpiq-Chefin fest. Das treffe die Schweizer Wasserkraft hart. Sie forderte die Politik auf, das bestehende Modell zu ändern.

Verlust von 803 Millionen Franken

Alpiq hat im letzten Jahr einen Verlust von 803 Millionen Franken geschrieben. Insbesondere der starke Schweizer Franken habe zu Abschreibungen und Rückstellungen nach Steuern in Höhe von 855 Millionen Franken geführt, heisst es. Der Umsatz brach von 8,1 Milliarden Franken auf 6,7 Milliarden Franken ein. Dies begründet der Stromkonzern mit den tiefen Grosshandelspreisen sowie der Frankenstärke. Bereits im Vorjahr hatte das Unternehmen einen Verlust von 902 Millionen Franken verbucht.

Alpiq-Chefin erhält kleineren Bonus

Die tiefroten Zahlen des Energiekonzerns Alpiq hinterlassen Spuren im Portemonnaie der Chefin: Jasmin Staiblin erhielt im vergangenen Jahr insgesamt 1,54 Millionen Franken - nach 1,88 Millionen im Vorjahr.

Damit liegt sie nun fast gleichauf mit den anderen Chefs der Branche: Andrew Walo, Chef der gemessen am Umsatz etwas kleineren Axpo, erhielt für das letzte Geschäftsjahr 1,13 Millionen Franken. Suzanne Thoma, Chefin der deutlich kleineren BKW, verdiente 2014 - aktuellere Zahlen sind noch nicht bekannt - rund 1,05 Millionen.

Alpiq-Chefin Staiblin wurde im vergangenen Jahr insbesondere der Bonus gekürzt. Aus den verschiedenen Bonus-Programmen erhielt Staiblin noch rund 580'000 Franken, wie aus dem am Montag publizierten Geschäftsbericht hervorgeht. Im Vorjahr waren es 900'000 gewesen.

Während Staiblin eine Einbusse hinnehmen musste, stieg der durchschnittliche Lohn der vier übrigen Geschäftsleitungsmitglieder. 2014 hatten sie durchschnittlich 880'000 Franken erhalten. In diesem Jahr waren es rund 950'000 Franken.

(kat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerda Frisch am 07.03.2016 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wasserkraft ist CH Eigentum

    Der Bund MUSS die Wasserkraftanteile kaufen! Oder eher "zurückkaufen", denn das ist Volkseigentum, unsere Vorfahren haben dies bereits bezahlt.

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  • vladimir baslerdybli am 07.03.2016 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Starker Franken - schwaches Management

    Schuld ist wie immer der starke Franken. Ihr lieben Manager. Der Schweizer Franken war schon immer stark. Die anderen Währungen wurden schwächer. Ein treffenderes Wort wäre selbstverliebtes Management. Wenn man die Zeichen nicht erkennt und keine Vision hat, dann muss halt alles andere für die eigene Unfähigkeit hinhalten. Früher gab es noch Patrons die mit Herzblut die Firmen führten, bei denen die Angestellten nicht nur austauschbare Kostenstellen waren sondern Menschen.

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  • Paula am 07.03.2016 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Konsequenzen für den CEO

    CEO Jasmin Staiblin hält sich erstaunlich gut, trotz dieser Millionenverluste. Gut, gibt es den starken Franken, welchem man unter anderem Schuld geben kann, die eigene Leistung wird es ja wohl kaum sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rz am 07.03.2016 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken...

    Und der Bund finanziert weiter Klein und Kleinstwasserkraftwerke... Hmmm.... Die Frage die sich stellt ist wer zuletzt am meisten profitiert ist die Natur. Versteht mich nicht falsch, Wasserkraft macht schon sinn, dirt wo anständige Kraftwerke mit einem gut geregeltem Fisch auf und abstieg sowie eine richtige Restwassermenge getroffen wird.

  • §§§ am 07.03.2016 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Angebot!

    Wau - das kommt mir ja wie gerufen - suche zur Ergänzung und   Netzspannungsstabilisierung meiner Wind- und Solarstromanlagen noch ein Pumpkraftwerk. Wo kann ich meine Offerte einreichen?

  • Fritz Volta am 07.03.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Stromspeicher

    Statt bald jedes Haus mit subventionierten Solarzellen zu zupflastern und bald jeden Hoger mit Windmühlen zu dekorieren, wäre es sinnvoller, endlich dafür zu sorgen, dass unsere Wasserkraftwerke auch Staatsbeiträge erhalten um konkurrenzfähigen Strom zu produzieren. Unsere Stauseen sind die besten und zuverlässigsten Stromspeicher. Wann wird das von unseren "Volksvertretern" in Bern endlich begriffen?

  • Jürg Jehle am 07.03.2016 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Preise für alle Erneuerbaren

    Gekauft wird dort wo es am billigsten ist, also muss Wasserkraft subventioniert werden wie Solar- und Windkraft auf gleiches Preis Niveau.

  • Steffu Barmettler am 07.03.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Seadoo auf dem Stausee

    Ich war gerade in Dubai und konnte dort einen 300PS-Seadoo fahren. War der Hammer, aber hier sind die Dinger offenbar verboten. Wie sieht es aus, wenn ich einen kleinen Stausee kaufen würde ? Auf diesem müsste die Benutzung der Seadoos doch gestattet sein, das Gewässer ist ja alles andere als natürlich und Fische wird es wohl auch keine stören. Stauseen haben üblicherweise auch keine Seevillen und Strand-Spazierwege. Also, wie siehts aus ?