Kritik am Finanzsystem

30. Oktober 2012 13:33; Akt: 30.10.2012 13:58 Print

«Es braucht Investitionen, nicht Wetten»«Es braucht Investitionen, nicht Wetten»

von Sabina Sturzenegger - Gefährliche Finanzprodukte boomen – und vernichten Tausende Jobs. «Wir leben in einer Casino-Ökonomie», sagt Professor Marc Chesney und fordert ein Umdenken in Lehre und Forschung.

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Marc Chesney: Die Grossbanken leben ihre Risiken auf dem Rücken der Gesellschaft aus. (Bild: ZVG)

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Herr Chesney, die UBS will ihre Investmentbank radikal verkleinern und Vermögenswerte mit hohem Risiko abbauen. Was sagen Sie dazu?
Marc Chesney:
Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber er geht noch lange nicht weit genug. Der massive Abbau zeigt, wie sich die Grossbanken anpassen.

Umfrage
Glauben Sie, dass sich das Finanzsystem doch noch verändert?
38 %
53 %
9 %
Insgesamt 416 Teilnehmer

Nämlich?
Chesney:
Grossbanken wie die UBS und die CS sind immer noch zu wenig bereit, ihre Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Das Motto des Kapitalismus heisst: Wer Risiken eingeht, muss diese auch tragen. Die Grossbanken wälzen ihre Risiken aber zu oft auf Anleger, Angestellte und Steuerzahler ab.

Hat sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise nichts geändert?
Chesney:
Zu wenig. Die meisten Grossbanken verkaufen nach wie vor Unmengen undurchsichtiger Konstrukte, sogenannter strukturierter Produkte. Und sie gehen damit nach wie vor ein viel zu hohes Risiko ein.

Immerhin sind die Eigenkapitalvorschriften heute strenger...
Chesney:
Ja, aber sie gehen nach wie vor zu wenig weit. Wünschenswert wäre ein Eigenkapital von 30 bis 40 Prozent. Neben dem Trennbankensystem braucht es zudem einen Zertifizierungsprozess, um gefährliche Finanzprodukte zu verbieten.

Diese erleben aber einen Boom. Was sagen Sie dazu?
Chesney:
Es erstaunt mich nicht sehr. Damit kann man einfach viel Geld verdienen. Das Problem ist aber: Die Realwirtschaft braucht Investitionen, nicht Wetten. So funktioniert nur eine Casino-Ökonomie, keine reale Ökonomie.

Zurück zur UBS und ihren Abbauplänen: Was passiert mit den Entlassenen?
Chesney:
In der Regel sind Investmentbanker junge und intelligente Leute. Sie werden hoffentlich wieder einen Job finden, sofern sie bereit sind, umzudenken.

Was meinen Sie konkret?
Chesney:
Es braucht viele gut ausgebildete Leute mit Kenntnissen in Finanzen und Ökonomie. Statt in den Banken könnten sie ihre Ausbildung für die Realwirtschaft sinnvoll einsetzen.

Warum wollen noch immer alle bei den Banken arbeiten?
Chesney:
An den Universitäten wird das heutige Finanzsystem viel zu wenig hinterfragt. Nur eine Minderheit der Studierenden und Professoren stellt kritische Fragen.

Das heisst?
Chesney:
Die Mehrheit übernimmt einfach die Meinung, dass Grossbanken und Hedgefonds effizientere Märkte fördern und dass die Selbstregulierung funktioniert. Aber das stimmt nicht, das haben wir bei verschiedenen Banken-Rettungen gesehen.

Was fordern Sie?
Chesney:
Es braucht eine Erneuerung von Lehre und Forschung, damit wir die Probleme der Finanzwelt in den Griff bekommen. An den Universitäten bilden wir die Elite von morgen aus, tun aber so, als ob es die Finanzkrise nie gegeben hätte.

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  • Mike am 01.11.2012 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Banken auch die Unis

    Nicht nur die Banken haben nichts gelernt auch die Uni haben Ihren Teil dazu beigetragen das wir heute solche Manager-Typen haben. Umdenken beginnt bei der Bildung und nicht bei der Einbildung der sogenannten Elite. Den genau dieses Denken hat bei den Unis begonnen und das Resultat sieht man bei den Bankenkadern am Besten.

    • Supermario am 01.11.2012 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lach mir was

      Aber MC kommt und arbeitet nicht bei einer Uni???

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  • Markus Meister am 30.10.2012 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Privat Equity, und Hedgefonds...

    sollten unbedingt verboten werden. Diese haben nur eine Funktion, die wenigen Inhaber von Beteiligungen enorm reich zu machen und dafür ist kein Preis zu hoch. Es hat sich ein Gangster-Kapitalismus entwickelt, welcher weltweit Firmen kaufen filetieren fusionieren und oder wieder verkaufen kann, ohne das sich irgendjemand für deren Treiben interessiert.

    • Supermario am 01.11.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Differenzierung

      PE hat seine Berechtigung; junge Firmen brauchen "Sponsoren". Deren Entwicklung unterliegt einem deutlich höheren Risiko, als arrivierte Firmen. Dementsprechend dürfen diese Sponsoren - im Erfolgsfall - auch auf einen deutlich höheren Ertrag hoffen. Bei Hedgefonds geb ich dir recht, da seh ich bis heute auch keine wirkliche Daseinsberechtigung!

    einklappen einklappen
  • Mark T. am 30.10.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die gleichen Fehler 2/2

    ... Kanalisationssystem der Stadt Bremen der USA gehört? Hauptsache man kann das System irgendwie umgehen. Ethik und Moral gehen immer mehr in Vergessenheit.

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