Schweizer Konzern

13. Februar 2013 12:24; Akt: 13.02.2013 19:54 Print

Verhaftete Mafiosi bringen Repower in Bedrängnis

von Antonio Fumagalli - Am Dienstag gelang der Polizei in Kalabrien ein Schlag gegen die Mafia. Auch ein Kohlekraftwerk geriet ins Visier der Ermittler – und damit der Bündner Stromkonzern Repower.

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Gestern Vormittag schlugen die italienischen Beamten zu: Im Rahmen der Operation «Ada» verhafteten sie nicht weniger als 65 Personen wegen mafiöser Verbindungen, darunter auch Gesualdo Costantino, den Bürgermeister des kalabresischen Dorfes Melito Porto Salvo. Sie sollen dem einflussreichen ’Ndrangheta-Clan «Iamonte» angehören.

Wie die zuständigen Staatsanwälte anlässlich einer Pressekonferenz sagten, hat der Clan seit längerem das geplante Kohlekraftwerk in Saline Joniche, einem Nachbardorf von Melito Porto Salvo, im Visier gehabt. «Die organisierte Kriminalität ist unausweichlich mit den Grossinvestitionen verbunden», sagt die Staatsanwaltschaft laut «Il Sole 24 Ore».

«Einflussreiche Freundschaft» mit Mafioso

Brisant: Hinter dem Projekt steckt der Stromkonzern Repower, bei dem der Kanton Graubünden Mehrheitsaktionär ist. Dessen Projektgesellschaft SEI, die personell eng mit Repower verflochten ist, hat mit Franco D’Aquaro einen Berater vor Ort, der laut den italienischen Behörden Kontakte mit der Mafia aufgenommen hat. Der «Corriere della Calabria» zitiert aus Telefongesprächen aus dem Jahr 2008, bei denen Mafiosi den Namen D’Aquaros genannt hätten. Zudem habe er auf die «einflussreiche Freundschaft» des nun inhaftierten Bürgermeisters von Melito Porto Salvo zählen können. D’Aquaro selbst wurde bei der gestrigen Aktion nicht verhaftet.

Das Grossprojekt von Repower in Süditalien steht nicht zum ersten Mal in der Kritik, seit Jahren kämpfen Interessengruppen gegen das geplante Kohlekraftwerk. Im Januar wurde der Konzern für den wenig schmeichelhaften «Public Eye Award» nominiert, bei dem Menschenrechtsverstösse und Umweltsünden angeprangert werden. Auch Mafianähe wurde dem Konzern schon früher vorgeworfen. Das Bündner Stimmvolk muss sich zudem zur Initiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft» äussern, die der Grosse Rat diese Woche zur Ablehnung empfohlen hat.

Planungsstopp steht nicht zur Diskussion

Repower sieht trotz der jüngsten Entwicklungen keinen Anlass, sein Engagement zu überdenken. «Wir nehmen die Verhaftungswelle zur Kenntnis, betonen aber, dass wir uns korrekt verhalten», sagt Sprecher Werner Steinmann. Man habe keinerlei Interesse, mit kriminellen Organisationen zusammenzuarbeiten und sei weiterhin überzeugt, dass es möglich sei, das Projekt «juristisch sauber» auf die Beine zu stellen. Ein Planungsstopp stehe nicht zur Diskussion.

Genau dies verlangt aber der Verein «Zukunft statt Kohle». Präsident Nic Rüdisühli: «Jetzt kann Repower aus dem Projekt aussteigen, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Zeit ist reif, um auf dem mafiabereinigten Gelände ein erneuerbares Energieprojekt zu starten.»

Wie der zuständige Staatsanwalt Nicola Gratteri am späteren Nachmittag auf Anfrage sagte, bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen der Repower-Tochtergesellschaft SEI und der Mafia. Es gebe keine Hinweise auf Kontakte zwischen den bei der Operation Ada verhafteten Personen und der Repower. Gegen Franco D’Aquaro seien keine Ermittlungen im Gange. Gratteri bestätigt allerdings, dass die `Ndrangheta das Projekt in Saline Joniche unterstützt und als positive Entwicklung gelobt habe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Nino am 13.02.2013 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wer/Was genau ist heutzutage die Mafia?!

    Macht doch mal die Augen auf! Mafia, Politik und Industrie.. alle sitzen im gleichen Boot!

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  • Hans Muster am 13.02.2013 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Viele haben wenig Ahnung vom Strom !!

    Solche Leute die gegen Kohle, Atom usw. sind sollte man noch heute den Strom abstellen können und nicht bis morgen warten. Ihr wollt ja sparen. Vielfaltig muss der Strommarkt heute aussehen um Wirtschaftlich zu sein. Meint Ihr mit Solar und Wind werde der Strom billiger ? Meint Ihr Solar-,Wind-, Wasser-Strom reicht für die stehts wachsenden Stromverbrauch ? Alle wollen billigen Strom, Bringt doch Ideen und hört auf zu meckern.

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  • Andrea Candolfo am 13.02.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Politische Interessen

    "juristisch sauber" und "privat finanziell profitieren" ist das Gleiche, glaube ich...

Die neusten Leser-Kommentare

  • otto bauer am 15.02.2013 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Repower

    Um es ganz einfach zu sagen: dieses Management muss endlich weg. Es gibt noch weitere Gründe.

  • Dagobert Duck am 13.02.2013 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Globaler Sumpf

    Da dümpelt noch manch einer mehr weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinweg tief im Sumpf der kriminellen Aktivitäten. Ob das im Ferienkanton Graubünden jemand interessiert oder ob gar jemand rigoros dagegen vorgeht, scheint wohl nicht der Fall zu sein. Ob da noch einige mehr davon profitieren ....??

  • Don Nino am 13.02.2013 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wer/Was genau ist heutzutage die Mafia?!

    Macht doch mal die Augen auf! Mafia, Politik und Industrie.. alle sitzen im gleichen Boot!

    • nico belic am 14.02.2013 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      mafia welt

      ganz genau, ich würde sogar sagen die mafia ist überall zb schweizerbund und das ist legal. jeha

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  • Bündner Strombezüger am 13.02.2013 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange schaut der Kanton noch zu???

    V or Wochen erzählt der Vize CEO F. Vontobel im Schweizer Fernsehen, dass man für die Kilowattstunde 0.11 Rappen benötige für den Bau des Krafwerkes Klus. Man erziele auf dem Markt im Moment beim Verkauf aber nur 0.6 Rappen. Dies wegen dem günstigen Strom der subventioniert ist im Ausland. Man halte aber am Projekt wie immer fest. Das Kohlekraftwerk Brunsbüttel wurde auch Jahrelang verteidigt. Und pro Jahr gibt es in Italien im Schnitt ein Skandal wo Repower beteiligt ist. Wie lange schaut der Kanton diesem sogenannten Management noch zu?

    • Komma Stelle am 13.02.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Bündner Strombezüger

      0.6 minus 0.11 = 0.49 Rappen Gewinn. Rechnen sollte man auch als Bündner können. Wenn Sie elf Rappen und 6 Rappen meinten, dann wäre die 6 Rappen 0.06 !

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  • René Wislig am 13.02.2013 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durch und durch dreckig!

    Die verwendete Technologie (kohlekraftwerke) scheint genau so schmutzig zu sein wie die Verbindungen der Verantwortlichen?!?!?