Legales Cannabis

28. Februar 2017 22:18; Akt: 28.02.2017 22:18 Print

Bund könnte mit Hanf-Steuer Millionen verdienen

von K. Wolfensberger - Legales Cannabis boomt, wird oft aber unkorrekt versteuert. Nun zieht der Bund die Schraube an. Bald dürften die Steuereinnahmen auf über 20 Millionen steigen.

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Überall in der Schweiz öffnen derzeit neue Geschäfte, die Cannabis mit dem Wirkstoff CBD verkaufen. Von legalem Cannabis profitieren jedoch nicht nur Händler oder Kunden, sondern auch der Staat. Ein Blick in die USA zeigt: Auch der Staat ist ein grosser Nutzniesser legaler Hanf-Produkte.

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Im Bundesstaat Colorado, der mit etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern weniger stark bevölkert ist als die Schweiz, gibt es seit 2014 legales Cannabis. Die Behörden verdienen dort mittels Steuern, Abgaben und Gebühren gut 18 Millionen US-Dollar – pro Monat.

Nur CBD-Cannabis legal

Im Gegensatz zu Colorado ist in der Schweiz allerdings nur CBD-Cannabis legal, das fast kein berauschendes THC enthält. Der Markt für diese Produktkategorie ist deutlich kleiner. Laut Brancheninsidern interessiert sich nur jeder zehnte Kiffer für diese Art von Hanf.

Laut Schätzungen des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) wird in der Schweiz jährlich zwischen 25 bis 60 Tonnen illegaler Drogen-Hanf konsumiert. Verwendet man nun obige Schätzung und geht davon aus, dass zehn Prozent des Cannabis-Umsatzes bald mit legalem CBD-Hanf erwirtschaftet wird, so erhält man für diesen ein Marktpotenzial von etwa 6000 Kilo pro Jahr.

Blüten sind tabaksteuerpflichtig

Doch was heisst das für den Staat in Bezug auf die Steuern? Wie die eidgenössische Zollverwaltung (EZV) vor kurzem festgehalten hat, sind alle legalen Cannabisprodukte, die zum Rauchen oder Vaporisieren verwendet werden können, tabaksteuerpflichtig. «Damit gemeint sind auch alle CBD-Hanfblüten oder Hanfharze», sagt David Marquis von der EZV auf Anfrage von 20 Minuten.

In einem Brief hat die EZV die CBD-Händler vor kurzem über diesen Sachverhalt aufgeklärt. In dem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, steht: «Firmen oder Personen, welche Cannabisprodukte zu Rauchzwecken unversteuert auf den Markt bringen, machen sich der Steuerhinterziehung oder der Steuergefährdung strafbar.» Die EZV gewähre den Händlern aber einmalig eine nicht erstreckbare Frist bis Ende April für eine nachträgliche Deklaration bisher unversteuerter Cannabisprodukte, was einer strafbefreienden Selbstanzeige entspricht.

25 Prozent Steuern

Konkret bedeutet dies für die Händler, dass sie nun Steuern im Wert von 25 Prozent des Verkaufspreises entrichten müssen. In einer Beispielrechnung auf einem Merkblatt geht die EZV von einem Kilo-Verkaufspreis von 14'950 Franken für Cannabis aus. Darauf müssen Händler nun 3775 Franken Tabaksteuer entrichten.

Werden nun schweizweit bald circa 6000 Kilo CBD-Hanf pro Jahr verkauft, würde dies für den Staat jährliche Steuereinnahmen von über 20 Millionen Franken bedeuten. Viel imposanter wären die Zahlen in den USA. Experten gehen davon aus, dass der amerikanische Staat bei einer landesweiten Marihuana-Legalisierung bis zu 28 Milliarden Dollar an Steuern pro Jahr einnehmen könnte, wobei hier THC-Drogenhanf miteingerechnet ist.

Keine Freude bei den Händlern

Den Händlern bereiten die Abgaben erwartungsgemäss keine Freude. Agi Petrova vom Geschäft Green Passion in Zürich stört sich vor allem am Steuersatz von 25 Prozent, wie sie zu 20 Minuten sagt. «Dieser Satz wird für Feinschnitttabak verwendet.» Für Hanfblüten käme aber viel eher eine Besteuerung als ‹übriger Rauchtabak› in Frage, wo der Steuersatz bloss bei 12 Prozent läge, so Petrova.

Die neuen CBD-Produkte waren auch an der Hanfmesse Cannatrade in Dietikon das grosse Thema. 20 Minuten war vor Ort.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kein Gegner der Legalisierung am 28.02.2017 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Vogelfutter

    Man könnte es auch einfach das Richtige legalisieren anstatt das ganze CBD-Theater zu veranstalten.

  • David Heruno am 28.02.2017 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boom

    Cannabis Boomt. Und zwar nicht nur das legale. Würde der Staat Cannabis endlich legalisieren könnte er auch dort Steuern einziehen und so noch grössere Gewinne machen. So trifft man 2 Fliegen mit einer Klappe ;)

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  • Seeed am 28.02.2017 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisierung

    Legalisiert das Zeug endlich komplett, nehmt der Kriminalität ein wichtiges Standbein und erhaltet erst noch einen haufen zusätzliche Steuereinnahmen die uns zu Gute kommen. Und das Argument mit dem Kinderschutz zieht nicht, da wenn legal einfacher kontrolliert werden kann. Den Dealer der das macht will ich erst mal kennen lernen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Domi P am 01.03.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gras

    wow man kann aus gras geld ziehen? nein ich bin schockiert ironie off. gras entlich legal machen versteuern und dann für bildung oder gesundheitswesen verwenden

  • Thurgauer am 01.03.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisiert endlich

    Ich frage mich nur, wiso man, dass CBD Cannabis legal nennt? Sobald die Polizei dies findet wird es ja dennoch beschlagnahmt! Selbst wenn man, dann keine Busse bekommt ist das Zeugs weg! Also unter legal verstehe ich für den Konsument etwas anderes! Macht doch endlich Cannabis jeglicher Art und Sorte legal! Diese blöde staatsspielerei braucht doch nun wirklich niemand! Im Gegenteil.... mit dieser anti Cannabis Haltung der Schweiz, ist unsere Politik einfach nur noch zum Lachen ! Richtige legal, aller arten, wäre alles besser !

    • Domi P am 01.03.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thurgauer

      eigentlich bekommt man es zurück man muss darauf bestehen das sie es testen, also ist meine information

    • Alumdria841 am 01.03.2017 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domi P

      Ist so. Man verlangt dass es im Labor getestet wird und wenn es unter 1% THC ist bekommt man es zurück und für die Kosten müssen die Steuerzahler aufkommen.

    • Thurgauer am 01.03.2017 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domi P

      Ok ... das wusste ich nicht. Ich selber bin nicht Raucher... dennoch dafür ! Allein schon dieser Aufwand, den der Staat, wegen dem Zeugs auf sich nimmt ....naja...

    • Thurgauer am 01.03.2017 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alumdria841

      Genau! Der Steuerzahler muss dafür aufkommen! Ein Grund mehr für die vollständige Legalisierung! ;)

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  • Ace am 01.03.2017 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voila

    Voila hier hätte man unter anderem einen Ansatz zur Unterstützung der AHV.

  • Winu am 01.03.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Steuern sparen

    Auch die Polizei könnte sich dann anderen Sachen widmen wenn Cannabis endlich legalisiert wäre!!!!

  • Legal Isierer am 01.03.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komplett Legalisieren

    Wenn sie es komplett legalisieren würden ( inkl. THC ) könnte mann mit einer Steuer Darauf fast 1Mia Jährlich machen dazu kommt das es auch in Lebensmittel verwendet werden kann und somit auch viele neue Jobs schaffen würde