Goldman Sachs

19. März 2012 16:42; Akt: 20.03.2012 10:05 Print

Jetzt klagen auch Schweizer «Vollidioten»

von S. Spaeth - Geldgierige Abzocker, die ihre Kunden für Trottel halten: Goldman Sachs muss böse Kritik einstecken. Auch Schweizer Kunden fühlen sich von der US-Bank betrogen – und streben eine Klage an.

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Nicht das erste Mal kämpft Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein um das Image seiner Bank. 2010 untersuchte ein Ausschuss des US-Senats die Rolle der Investmentbank in der Finanzkrise. (Bild: Keystone)

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Es ist ungewöhnlich, wenn man seine Kündigung als bitterböser Abschiedsbrief in einem Meinungsbeitrag der «New York Times» veröffentlicht. So gemacht hat es der 33-jährige Greg Smith, Derivate-Händler für Europa, Asien und den Nahen Osten bei Goldman Sachs in London. Er beschrieb die US-Investmentbank als «destruktiv», «vergiftet» und als Institut, das nur den eigenen Profit maximiere und die Kundeninteressen vernachlässige. Smiths Zeilen gingen um die Welt.

R.H*, ein erfolgreicher Schweizer Unternehmer, der mit IT-Firmen ein Vermögen verdiente, wurde durch den Brief des Ex-Mitarbeiters an seine eigene Beziehung zu Goldman Sachs erinnert. Er fühlt sich von der Bank betrogen. 2005 hatte der Unternehmer der Bank zwei Millionen Dollar anvertraut – zur konservativen Anlege, wie er sagt. Die Bank verkaufte ihrem Kunden Anteile am Immobilienfonds Withehall Street, der international in gewerbliche Immobilien investierte. «Ich war der Meinung, konservative Assets zu tätigen», so R.H. Er habe den Berater sogar darauf hingewiesen, dass sein Konto bei Goldman Sachs nicht der Spekulation diene.

Von Bank nicht informiert

Die Ernüchterung kam rasch: R.H. verlor und verlor. Ende 2009 waren von den einst 1,8 Milliarden Dollar Vermögen des Withehall-Steet-Fonds nur noch 30 Millionen übrig. Schuld am Debakel waren Fehlinvestitionen in den USA, Deutschland und Japan. Zuerst waren die Anteile von R.H. noch 1,56 Millionen wert, später tauchten sie bis auf 300 000 Dollar. Als der tiefe Fall einsetzte, wollte R.H. verkaufen, doch das war nur einmal pro Quartal möglich. Er behauptet, er sei von seinem Berater darüber nicht informiert worden. Und auch vom Auftrag der konservativen Anlagestrategie habe der Berater nichts mehr wissen wollen.

Dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer sind mehrere ähnliche Fälle bekannt. Er vertritt fünf wohlhabende Schweizer Anleger, die mit dem Withehall-Street-Fonds total rund vier Millionen Franken verloren haben. «Es geht um Falschberatung – und es sind keine Einzelfälle», sagt Fischer. Goldman Sachs habe die Kunden mit System getäuscht – und sie im Nachhinein, als gigantische Verluste da waren, sozusagen als «selber Schuld» gestempelt. Das passt zur Kultur, wie sie Greg Smith in seiner öffentlichen Abrechnung beschrieben hat: Er berichtete von Investmentbankern, die ihre Kunden als «Vollidioten» bezeichneten und sich brüsteten, wie sie die Kundschaft abzockten.

Lieber enttäuschte Kunden

Anwalt Fischer sammelte die Fälle und versuchte, mit Goldman Sachs eine Lösung zu finden. «Es wurde aber nur gemauert», so Fischer. Die Bank stellte sich auf den Standpunkt, dass es keinen Grund für eine aussergerichtliche Einigung gebe. «Goldman Sachs hat lieber enttäuschte Kunden, als Fehler zuzugeben», empört sich der Wirtschaftsanwalt. Die Bank stellte sich auf den Standpunkt, dass es sich bei den Geschädigten um sogenannt qualifizierte Anleger handelt, die alle Risiken kennen. Zudem redet sich die Bank mit dem Argument raus, dass man den Schaden noch gar nicht beziffern könne, weil der Fonds eine Laufzeit bis 2014 hat.

Die Goldman-Sachs-Pressestelle wollte zu den geschädigten Schweizer Kunden nichts sagen. «Über Kundenbeziehungen geben wir grundsätzlich keine Auskunft», so Sprecher Roland Leithäuser. Fragen zur Unternehmenskultur, wie sie der verärgerte Londoner Banker Greg Smith – aber auch der Schweizer Kunde R.H. geschildert hatte – beantwortet Leithäuser mit dem offiziellen Statement der Bank: «Wir glauben nicht, dass diese Darstellung unser Geschäftsmodell beschreibt. Aus unserer Sicht sind wir nur erfolgreich, wenn unsere Kunden zufrieden sind.» Diese Tatsache liege der Bank am Herzen.

«Gottes Werk»

Anwalt Fischer überlegt sich, im Namen seiner Klienten Klage einzureichen. Und wie stehen die Aussichten auf Erfolg in einem Prozess? «Es wird keine einfache Sache», konstatiert Fischer. Dem Anwalt dürfte es mit einer Klage auch darum gehen, Druck aufzubauen, denn die meisten Streitigkeiten enden schliesslich mit einem aussergerichtlichen Vergleich.

In einem Interview mit der britischen Zeitung «Sunday Times» sagte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein 2009 etwas ironisch, Banken würden «Gottes Werk» leisten. Wenn sich der Schweizer Unternehmer R.H., der mit seiner Anlage bei Goldman Sachs Millionen verloren hat, an Blankfeins Worte erinnert, tönen sie für ihn wie Hohn. Seine bisherige Erfahrung: Die Bank gewinnt immer.

* Name der Redaktion bekannt

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gewisse Punkte müssen jeden "Anleger" klar sein : 1. "risikolose" Anlagen gibt es nicht, sogar ganze Länder können pleite gehen (bsp. Griechenland, Island, uwm...) ; 2. Wer sicher gehen will, überweist seine Ersparnisse auf ein Sparkonto ... gibt fast kein Zins, ist aber "relativ" sicher (bis zu 100'000 CHF, nach Gesetz) ; Wer drüberhinaus Geld verdienen will, muss Risiken eingehen. Je grösser die Rendite, desto höher ist das Risiko. 3. Niemals mit unverzichtbarem Geld spekulieren (logisch, nicht ?) 4. Es ist nicht weil etwas bis heute gestiegen ist, dass es weiterhin steigen wird. – Jamc

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil Gates am 19.03.2012 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Rein Kommerzielle Überlegung:

    Gibt es Banken zum Wohle der Kunden, oder Kunden zum Wohle der Banken? Bin ich heute früh zur Arbeit gegangen, dass es meinen Kunden gut geht, oder dass ich mir die Taschen füllen kann?? Hmmm...?

  • Marc S. am 19.03.2012 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    come on...

    Also ich bin mir sicher dass auch dieser reiche Unternehmer ein Dokument unterzeichnet hat in dem er bestätigt dass er weiss worin er investiert und was die Folgen sein können. Hat er die Anweisung schwarz auf weiss dass er in nicht spekulative Produkte investieren will? Würde mal beim nächsten Geschäft ein Protokoll des Meetings verlangen welches dann von beiden Seiten unterschrieben wird. Würde ich bei 2 Millionen wohl sicher in Betracht ziehen.

  • US, CH, Off Shor am 22.03.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar aus Erfahrung !

    Man kann keiner Bank vertrauen. Sie respektieren Ihre Kunden nicht und der Service an Kunden kennen sie überhaupt nicht. Leere Worte und heisse Luft ist alles was Banken offerieren können. Alle Banken sind nicht vertrauenswürdig, einige sind schlechter als andere, aber schlecht sind alle.

Die neusten Leser-Kommentare

  • US, CH, Off Shor am 22.03.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar aus Erfahrung !

    Man kann keiner Bank vertrauen. Sie respektieren Ihre Kunden nicht und der Service an Kunden kennen sie überhaupt nicht. Leere Worte und heisse Luft ist alles was Banken offerieren können. Alle Banken sind nicht vertrauenswürdig, einige sind schlechter als andere, aber schlecht sind alle.

  • Paris-Berlin am 19.03.2012 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Chance nutzen!

    Fälle dieser Art gibt es bei allen Banken. Legendär ist mittlerweile die A&D Klassifizierung (Alt&Doof) Deutscher Kunden bei den einheimischen Banken. Chance für den Finanzplatz Schweiz. Neben der stabilen Währung faire Kundenberatung - verbindlich festgeschrieben. Spricht sich dies herum, wäre dies eine einmalige Chance. Speziell die Deutschen Banken sind bessere Restaurants: Es muss verkauft werden, was an Ware im Kühlhaus ist. Den Einkauf macht die Zentrale in Frankfurt und interessiert sich dabei nur für die Menüs, bei denen am meisten verdient wird, egal ob die Kunden daran (z)erbrechen.

  • M. Wujek am 19.03.2012 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat was anderes erwartet...

    Da bekommt der Begriff "Bankraub" ja eine völlig neue Bedeutung. Hahaha... Wer diese Tatsache allerdings jetzt erst bemerkt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

  • miso am 19.03.2012 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    realität sieht etwas anders aus...

    manchmal wünschte ich mir echt die banken könnten anfangen kundengespräche auf band / video aufzuzeichnen und diese nachher im streitfall veröffentlichen...dann würde sich die meinung ziemlich schnell ziemlich stark zu gunsten der banken verschieben...

    • osim am 19.03.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      hallo?

      machen sie doch schon lange, zumindest bei telebanking - da bist du doch auf der sichereren Seite... :)

    einklappen einklappen
  • Phil Gates am 19.03.2012 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Rein Kommerzielle Überlegung:

    Gibt es Banken zum Wohle der Kunden, oder Kunden zum Wohle der Banken? Bin ich heute früh zur Arbeit gegangen, dass es meinen Kunden gut geht, oder dass ich mir die Taschen füllen kann?? Hmmm...?