Umstrittenes Surcharging

17. Oktober 2017 10:11; Akt: 18.10.2017 21:39 Print

Mastercard droht Swiss mit 100'000-Dollar-Busse

von S. Spaeth - Nächste Stufe im Streit um Zuschläge: Mastercard will Händlern bis 100'000 Dollar Strafe aufbrummen. Die Swiss soll mit Aufschlägen Millionen verdienen.

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Wer bei der Swiss bucht, muss bei Kartenzahlungen einen Zuschlag bezahlen. Mastercard will diese Art von Strafgebühren zulasten der Kartenbesitzer aber nicht mehr akzeptieren. In einem 10-seitigen speziellen Schweizer Vertragszusatz, der 20 Minuten vorliegt, schreibt die Firma: «Die Mastercard-Regeln verbieten Händlerzuschläge, die sich auf Kreditkartenzahlungen beziehen.» Dann listet Mastercard die Strafen auf: Bei erstmaliger Verletzung der Regel drohen bis 20'000 Dollar Busse, bei der zweiten bis 30'000 Dollar und ab der fünften Widerhandlung bis 100'000 Dollar. Zudem behält sich Mastercard ausdrücklich das Recht vor, die Strafen weiter zu erhöhen. Kreditkartenzuschläge sind seit Augst 2017 eigentlich nicht mehr legitim, denn nach einer Regelanpassung der Wettbewerbskommission (Weko) sind für Händler Transaktionen mit Kreditkarten im Schnitt gleich teuer wie Barzahlungen. Die Swiss zeigt sich unbeirrt und hält trotz der Regeländerung auf Seiten von Mastercard an den Kreditkartengebühren fest: «Die Swiss belastet Kosten der unterschiedlichen Zahlungsmittel verursachergerecht», sagt eine Sprecherin. In anderen Geschäften fallen kaum noch Zusatzkosten für Kartenzahlungen an, umso grösser ist das Unverständnis der Kunden. Online-Hänlder wie Digitec haben die Gebühren bereits abgeschafft. Das gilt auch für Konkurrenten wie Media-Markt. Gerade deshalb ärgern sich die Swiss-Kunden besonders. «Im Schnitt entfallen rund 60 Prozent der Rückforderungsverfahren wegen Zahlungszuschlägen auf die Airlines Swiss, Lufthansa oder Edelweiss», sagte Thomas Hodel, Geschäftsführer der Swiss Payment Association, zu 20 Minuten.

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Für die Kunden sind sie ein Ärgernis: die Zuschläge fürs Bezahlen mit Kreditkarten. Dieses sogenannte Surcharging ist seit diesem August eigentlich nicht mehr legitim, denn nach einer Gebührenanpassung der Wettbewerbskommission (Weko) sind für Händler Transaktionen mit Kreditkarten im Schnitt gleich teuer wie Barzahlungen. Doch während die grossen Online-Elektronikhändler die Zuschläge abgeschafft haben, sind sie in der Reisebranche nach wie vor verbreitet. So verlangt die Swiss für Kreditkartenzahlungen weiter 1,5 Prozent Zuschlag.

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Mastercard will diese Art von Strafgebühren zulasten der Kartenbesitzer nicht mehr akzeptieren. Nachdem die Firma Mitte August erstmals Bussen erwähnt und eine Änderung des Regelwerks in Aussicht gestellt hat, zieht der Kreditkartenherausgeber die Schraube an. In einer 10-seitigen Schweizer Vertragspräzisierung von Anfang Oktober schreibt die Firma: «Die Mastercard-Regeln verbieten Händlerzuschläge, die sich auf Kreditkartenzahlungen beziehen.» Dann listet Mastercard die Strafen auf: Bei erstmaliger Verletzung der Regel drohen bis 20'000 Dollar Busse, bei der zweiten bis 30'000 Dollar und ab der fünften Widerhandlung bis 100'000 Dollar. Zudem behält sich Mastercard ausdrücklich das Recht vor, die Strafen weiter zu erhöhen.

Grossteil der Rückforderungen betrifft die Swiss

«Die Kartenherausgeber haben uns ausreichend Fälle angezeigt, in denen ungerechtfertigte Zuschläge erhoben wurden und die uns erlauben, die Mahnverfahren durchzuführen», sagt Mastercard-Schweiz-Chef Guido Müller zu 20 Minuten. Dieses Verfahren schliesse nach Ablauf der Mahnfristen auch Bussen für säumige Lizenznehmer mit ein.

Wer vom Händler mit einem Kreditkartenzuschlag belegt worden ist, hat die Möglichkeit, dies bei seinem Kreditkarten-Herausgeber per Formular zu beanstanden, womit der Aufschlag durch die Kreditkartenfirma zurückerstattet wird. «Im Schnitt entfallen rund 60 Prozent der Rückforderungsverfahren wegen Zahlungszuschlägen auf die Airlines Swiss, Lufthansa oder Edelweiss», sagte Thomas Hodel, Geschäftsführer der Swiss Payment Association, kürzlich zu 20 Minuten.

Wird Mastercard die Swiss direkt büssen? «Nein», so Mastercard-Schweiz-Chef Müller. Da man keine direkte Vertragsbeziehung mit den Händlern habe, obliege es den Acquirern, dafür zu sorgen, dass sich die Händler an die Regeln halten. Acquirer sind jene Firmen, die die Kartenzahlungen für die Händler abwickeln, in der Schweiz beispielsweise die SIX Payment Services oder Concardis.

Bei der SIX heisst es auf Anfrage, dass man Bussen an den Händler weiterreichen würde. Eine derartige Klausel stehe seit 2015 in die Allgemeinen Bedingungen. Sie kam aber noch nie zur Anwendung.

Swiss verteidigt das Vorgehen

Für die Airline geht es bei den Kreditkartenzuschlägen um viel Geld. In der Branche kursiert die Zahl von 20 bis 30 Millionen Franken, die die Fluggesellschaft dank den Zuschlägen als Zusatzertrag einnimmt. Die Swiss will die Zahlen nicht kommentieren. Die Swiss gebe nur tatsächlich entstehende Kosten weiter und verdiene an den Aufschlägen nichts, teilt Sprecherin Karin Müller mit. Branchenvertreter sind davon überzeugt, dass die Swiss sich von der aktuellen Bussenhöhe noch nicht sonderlich beeindrucken lässt. Eine grössere Rolle spiele die negative Berichterstattung, wenn die Swiss stets in Zusammenhang mit Kreditkartenzuschlägen genannt bzw. dafür gebüsst werde.

Die Swiss zeigt sich dann auch unbeirrt und hält trotz der Regeländerung auf Seiten von Mastercard an den Kreditkartengebühren fest: «Die Swiss belastet Kosten der unterschiedlichen Zahlungsmittel verursachergerecht», so Karin Müller. Das Schweizer Gesetz erlaube unverändert das Erheben von Kreditkartenzuschlägen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Woody am 17.10.2017 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Support

    Fantastisch und hoffentlich schliessen sich alle andere Kreditkarten-Institute an. Die Schweizer Masche "nichts leisten und trotzdem abrocken" muss wenigstens hier ein Ende haben

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  • Henzibezi am 17.10.2017 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwillkürlich

    Eine Firma welche sich unwillkürlich bereichert sollte mit Bussen im 2 stelligen Millionenbereich bestraft werden. Wieso unternimmt da die Weko nichts? Heute läuft alles vollautomatisch kann mir nicht vorstellen dass die Swiss pro Jahr wegen Kreditkartenzahlungen einen Aufwand von 20Mio. Hat. Einfach nur dreist diese Swiss!

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  • Marko 32 sein Sohn am 17.10.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksvertreter

    Wieso schreitet da der Bund nicht ein?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peret G am 18.10.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nachgefragt

    Die Swisshansa kann sich um Verträge und Vorschriften foutieren. Interessant. Warum? Hat man Angst das Per Steinbrück wieder mit der Cavalerie droht? Oder kuscht man einfach vor Deutschland? Ich jedenfalls meide Swiss wie es nur geht.

  • Peter am 18.10.2017 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss gewinnt

    Nun, wenn ich mich ungerechtfertigt mit 10Mio. bereichere, darf man mich auch mit 100'000.- büssen, kein Problem.

    • Peret G am 18.10.2017 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig lesen

      So wie ich es verstehe ist es pro Verstoss. Deswegen - siehe Bildunterschriften - erstmals 20'000, dann 30'000 etc,

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  • Jeffrey Spector am 18.10.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezahlmethoden

    Ich möchte Flugreisen mit gängigen Krypto Währungen bezahlen können.

    • GoFigure am 18.10.2017 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Jeffrey Spector

      schon mal mit Bitcoin was bezahlt ? a) die transaction ist extrem verzögert und hängt von (b) ab; b) Du musst definitiv eine Transaction fee zahlen je höher je schneller geht des .. und eben die anzahl transaktionen je tag sind begrenzt daher kann des nix werden für die massen ist was für zocker

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  • Jeff Gorden am 18.10.2017 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommissionen

    Es ist aber eine Tatsache, dass jedes Unternehmen welches Kreditkartenzahlungen akzeptiert eine Kommission in % des Gesamtbetrags an die Acquirer (z.B. Six oder Innocard) abdrücken muss. So lange diese Firmen führ Kartenzahlungen Geld verlangen kann man ja nicht erwarten, dass deswegen Händler für Ihre Ware oder Leistung weniger erhalten, nur weil sie den Zahlungsverkehr für Ihre Kunden vereinfachen.

    • Lily am 18.10.2017 07:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Jeff Gorden

      es entstehen aber auch kosten wenn ich bar zahle (personal) und verzögerungen, dies ist das argument der kartenherausgeber dass diese "fee" hier äquivalent ist und der KK zahler nicht bestraft werden darf, resp. die swiss hier preise verschleiert und was absahnt

    • Fantomas am 18.10.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut richtig

      Die Frage ist warum die Acquierer eine %-Gebühr verlangen, wo der Aufwand doch immer der gleiche bleibt... Eine fixe Gebühr (unabhängig vom Betrag) würde Sinn machen. @ Lily: Die Kosten einer Banküberweisung sind im Rappen-Bereich.

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  • marko 32 am 17.10.2017 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super