Macallan von 1878

02. November 2017 10:57; Akt: 02.11.2017 14:25 Print

10’000-Franken-Whisky ist definitiv eine Fälschung

von S. Spaeth - Kurz nachdem ein Chinese in St. Moritz ein Glas Macallan für 9999 Franken getrunken hatte, kamen Zweifel auf. Nun sagt das Labor: Der Tropfen ist nicht echt.

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Hotelier Sandro Bernasconi (links) gibt dem Gast aus China das für den Whisky bezahlte Geld zurück. Der Whisky-Liebhaber ist Wei Zhang, Chinas bestbezahlter Online-Autor, der unter dem Pseudonym Tang Jia San Shao Fantasy-Geschichten schreibt. Wei Zhang und Hotelier Sandro Bernasconi prosten sich zu. Der Macallan-Sammler aus China hat sich im Sommer in St. Moritz ein Glas Whisky für 9999 Franken gegönnt. Kurz danach monierte der Blog Whiskyexperts.net, der Macallan aus dem Jahr 1878 könnte eine Fälschung sein. Diese sei schon im Jahr 2004 aufgedeckt worden. Der Whisky-Experte David Robertson vom Labor RW101 reiste nach St. Moritz, um Proben der verdächtigen Flasche zu nehmen. Bei Destillaten aus der Zeit vor 1900 rät Robertson, sie überprüfen zu lassen. «Höchstwahrscheinlich sind Flaschen dieses Alters nicht echt», so der Experte. Der Macallan-Whisky aus dem Jahr 1878 ist definitiv eine Fälschung, so das Resultat der Analysen. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, dass der Whisky in den Jahren 1970 bis 1972 gebrannt worden ist. Vieles deutet darauf hin, dass es sich beim gefälschten Macallan von 1878 um einen Blended Scotch handelt (60 Prozent Malt Whisky, 40 Prozent Grain Whisky). Über 40 verschiedene Macallans befinden sich auf der Karte des Hotels Waldhaus am See. Der günstigste kostet 7 Franken. Wird eine Flasche geöffnet, ist sie für Sammler nicht mehr interessant. Die Whisky-Bar des Hotels Waldhaus am See ist wegen ihrer 2500 Sorten im «Guinnessbuch der Rekorde» gelistet. Das Hotel Waldhaus am See in St. Moritz ist ein Familienbetrieb. Die Macallan ist eine der ältesten Whisky-Destillerien. Ihre Lizenz erhielt sie bereits 1824. Beim Whisky kommt es auf die Anzahl Jahre an, die er im Fass gelagert wurde. Trinkt Macallan-Whisky: Agent 007 in den Filmen «Spectre» und «Skyfall».

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Es war ein enorm weiter Weg, den Sandro Bernasconi kürzlich antrat, um sich zu entschuldigen: 8000 Kilometer, von St. Moritz nach Peking. Es war dem jungen Hotelier ein Anliegen, seinem chinesischen Gast persönlich mitzuteilen, dass der 10'000-Franken-Whisky, den dieser Ende Juli im Hotel Waldhaus getrunken und bezahlt hatte, eine Fälschung war.

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«In China ist es üblich, dass man für seine Fehler geradesteht», sagt Bernasconi zu 20 Minuten. Zudem habe er dem Gast das Geld zurückbringen wollen, um zu unterstreichen, «dass die Schweizer ehrliche Leute sind und niemanden über den Tisch ziehen». Der junge Whisky-Liebhaber ist Wei Zhang, Chinas bestbezahlter Online-Autor, der unter dem Pseudonym Tang Jia San Shao Fantasy-Geschichten schreibt.

Als 20 Minuten im August berichtete, dass erstmals ein Gast vom Macallan-Whisky für 9999 Franken pro Glas getrunken habe, ging die Geschichte des weltweit teuersten Whiskys einmal um den Erdball. Doch schon kurz darauf monierten Kritiker, beim Destillat aus dem Jahr 1878 könnte es sich um eine Fälschung handeln.

Fälschung entstand um 1970

Aufgrund der Vorwürfe beschloss Hotelier Bernasconi, die Flasche in Schottland untersuchen zu lassen. Dafür kamen die Experten extra in die Schweiz und nahmen Proben. «Es handelt sich um eine moderne Fälschung», schreiben die Experten vom schottischen Speziallabor Rare Whisky 101. Sie stützen sich dabei auf eigene Untersuchungen sowie auf den Carbon-Dating-Test der Universität Oxford. Demnach besteht eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, dass der Whisky in den Jahren 1970 bis 1972 gebrannt worden ist.

Das angewandte Carbon-Dating-Verfahren ähnelt jenem der Altersbestimmung bei Fossilien oder Knochen. Vereinfacht gesagt nehmen Lebewesen – im Fall von Whisky ist es die Gerste – radioaktive Elemente auf, die sich dann zersetzen. Der Test misst die Reststrahlung und ermittelt davon ausgehend eine Periode möglicher Entstehungsjahre.

Skepsis bei Macallan mit ganz hohem Alter

Im Rahmen seiner Entschuldigungsreise traf Bernasconi den chinesischen Gast zum Abendessen. «Wir sprachen zuerst allgemein über Whisky, dann wollte er die Untersuchungsresultate sehen», erzählt der Hotelier. Zum Glück sei der Whisky-Fan dem Hotel überhaupt nicht böse gewesen und habe gesagt, dass das Ergebnis für ihn keine Rolle spiele. Er schätze die Ehrlichkeit und habe den Whisky-Abend in St. Moritz genossen.

Wie gross das Problem mit gefälschten Whiskys ist, kann David Robertson vom Labor RW101 nicht sagen. Seine Firma ist in den letzten Jahren aber immer wieder von Auktionshäusern eingeladen worden, verdächtige Flaschen zu bewerten. Bei Destillaten aus der Zeit vor 1900 rät Robertson, sie überprüfen zu lassen, selbst dann, wenn die Flasche geöffnet ist. «Höchstwahrscheinlich sind Flaschen dieses Alters nicht echt», so der Experte.

Fünfstelliger Betrag bezahlt

Die Macallan-1878-Flasche hatte Sandro Bernasconis Vater, der frühere Hotel-Gastgeber Claudio Bernasconi, vor 25 Jahren für einen fünfstelligen Betrag gekauft. Danach wurde die Flasche eingelagert und auf der Barkarte gelistet: «Während der ganzen Zeit hatten wir nie den Verdacht, dass es sich nicht um ein Original handeln könnte», sagt Bernasconi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 02.11.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Verhalten

    Das Ergebnis ist nun klar. Finde es ein toller Verhalten vom Waldhaus. Habe auch nichts anderes erwartet. Prost !

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  • motzi am 02.11.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    ehrlich lieben!

    Tja, dumm gelaufen. Wetten der /die whisky-trinker haben den tropfen genossen. Nur weil sie glaubten, dass es ein edles und kostbares destillat ist. Beweist für mich irgendwie, dass vieles beim geschmack (ob essen oder mode) davon abhängt ob man glaubt, dass etwas wertvoll ist. man sollte sich wieder viel mehr dem bewusst werden was man wirklich mag und sich nicht von irgendwelchen marken täuschen lassen!

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  • Peterryan am 02.11.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macallan

    Was, da gibt's kein Geld zurück. Längst verjährt. Aber dem Händler würde ich die Expertise schon unter den Rüssel halten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flattom77 am 03.11.2017 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    äähhh... äähhh... äähhh...

    Netter Typ, aber furchtbares Interview

  • Annie am 03.11.2017 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Sehr sympathisch dieser Herr und bestimmt keine negativ Werbung! Bravo für so viel ehrlichkeit

  • Anotherdoc am 03.11.2017 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Smart

    Beste werbung aller zeiten. und ausgesprochen weise entscheidung!

  • Chris am 03.11.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlichkeit zahlt sich

    Kompliment für die Ehrlichkeit und Offenheit. Spricht für das Restaurant. Wenn ich nächstes mal in St.Moritz bin werde ich sicherlich einen dram geniessen.

  • Aschi Housi am 03.11.2017 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiche

    Selbst Schuld. Mag ich allen Beteiligten gönnen. Wer ist auch so dreist für 10'000 Franken Whisky zu trinken.