Nach Nein zum Shopping

18. Juni 2012 09:09; Akt: 18.06.2012 11:26 Print

Nun geraten Tankstellen-Shops unter Druck

von Jessica Pfister - Nach dem wuchtigen Nein zum 24-Stunden-Shopping in Zürich wittern Gewerkschaftler Morgenluft. Sie verlangen den Stopp der Tankstellenshop-Liberalisierung im Parlament.

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Rund um die Uhr einkaufen sei kein Bedürfnis - auch nicht an Tankstellen, finden die Gewerkschaften. (Bild: Keystone)

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Ausgerechnet in der grössten Schweizer Wirtschaftsmetropole will das Volk vom Einkaufen rund um die Uhr nichts wissen. Mit rund 70 Prozent Nein-Stimmen haben die Zürcher Stimmbürger der FDP-Initiative «Der Kunde ist König» eine derbe Schlappe zugefügt. Kein einziger Bezirk konnte sich für das Anliegen der vollständigen Liberalisierung der Öffnungszeiten erwärmen.

Obwohl es nur eine kantonale Niederlage ist – für die Freisinnigen könnte das Resultat aus Zürich auch national zur Hypothek werden. Im Parlament sind momentan gleich zwei Vorstösse aus der FDP hängig, die eine Liberalisierung, beziehungsweise eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten verlangen. Für SP-Nationalrat und Gewerkschafter Max ChopardMax
Chopard

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Jugendlobby Siggenthal, Nussbaumen
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(AG) ist klar, dass die Freisinnigen jetzt über die Bücher müssen. «Wenn selbst der städtische Kanton Zürich den 24-Stunden-Einkauf so klar ablehnt, ist das ein klares gesamtschweizerisches Signal.» Es zeige, dass die Bürgerlichen ein Bedürfnis herbeigeredet hätten, das gar nicht existiere. Dafür sei es nun an der Zeit, bessere Bedingungen für das Verkaufspersonal durchzusetzen.

«FDP würde nächste Schlappe einfahren»

Rückenwind nach dem Nein aus Zürich verspürt auch Chopards Parteikollege und Unia-Geschäftsleitungsmitglied Corrado PardiniCorrado
Pardini

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Genossenschaft Schönehof, Frauenfeld
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(BE). Er nimmt deshalb auch ein weiteres Anliegen der FDP ins Visier – die Liberalisierung der Öffnungszeiten der Tankstellen-Shops. Der Nationalrat hat dieser im Mai bereits zugestimmt - als nächstes ist der Ständerat am Zug. «Ich verlange, dass die Bürgerlichen in Bundesbern nun zurückkrebsen und die Vorlage stoppen», sagt Pardini. Ansonsten sei klar, dass die Gewerkschaften das Referendum ergreifen. «Dann würde die FDP die nächste Schlappe einfahren», ist der SP-Nationalrat überzeugt.

Bei der FDP ist man allerdings nicht bereit, ihr Steckenpferd Liberalisierung kampflos aufzugeben. «Das Thema ist nicht tot», sagt der Berner Nationalrat Christian WasserfallenChristian
Wasserfallen

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Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (AVES), Bern
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. Zwar müsse man sich von einer totalen Liberalisierung der Öffnungszeiten verabschieden, der Einkauf an Tankstellenshops und längere Öffnungszeiten am Samstag seien nach wie vor ein grosses Bedürfnis.

Sein Zürcher Parteikollege Markus HutterMarkus
Hutter

FDP-Liberale, ZH
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Hutter Dynamics AG, Schaffhausen
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sieht das ähnlich. «Was die nationalen Anliegen angehen, setzten wir den Fokus mehr auf die Wirtschaft.» Es könne nicht sein, dass die Schweizer aufgrund der liberalen Öffnungszeiten in Deutschland einkaufen und ihr Geld nicht in der Schweiz ausgeben. Hutter hofft, dass diese Argumente in Bundesbern mehr zählen als das Verdikt aus Zürich.

Keine Kompromisslösung

Ein möglicher Kompromiss wäre, die Liberalisierung der Öffnungszeiten an Lohnforderungen zu knüpfen. Doch davon wollen weder die FDP noch die SP etwas wissen. «Eine solche Verknüpfung wäre viel zu heikel», sagt Hutter. Ausserdem seien faire Arbeitsbedingungen bereits durch das Arbeitsgesetz geregelt. Für Pardini ist das Resultat im Kanton Zürich viel zu deutlich, um Kompromisse einzugehen.

Ob und wie die Abstimmung in Zürich die nationale Politik beeinflusst, wird sich ein erstes Mal am 25. Juni zeigen. Dann diskutiert die Wirtschaftskommission des Ständerats über einen der beiden FDP-Vorstösse. Darin verlangt Nationalrat Hutter, dass künftig nicht mehr der Bund, sondern die Kantone die Beschäftigungsdauer für die Nacht- und Sonntagsarbeit festlegen können. Der Nationalrat hatte zum Anliegen vor rund einem Jahr relativ klar Ja gesagt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nella Müller am 18.06.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich freue mich!

    Ich freue mich vor allem für die VerkäuferInnen und ihre Familien! Es hätten sich sicher alle BefürworterInnen an den verlängerten Öffnungs-Zeiten hinter eine Kasse gesetzt? Oder etwa nicht?

  • Hans D. am 18.06.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ultrakonservative Schweiz

    Wir leben halt in einer ultrakonservativen Gemeinschaft, da sind liberale Ladenöffnungszeiten nicht gewünscht - wer will denn schon hier ein bestehendes System ändern? Das macht doch nur Angst und bringt Ärger..

    • Jamc am 18.06.2012 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut ...

      'if it ain't broke, don't fix it' ... Zürich gehört nicht in dieselbe Liga wie Paris, London, Tokyo, New York, uvm...

    einklappen einklappen
  • Joseph Halter am 18.06.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufen in Zurich

    Ich finde es braucht in Zurich einen 24/7 shop so wie in vielenanderen Laendern. Ich wohne nicht mehr in der Schweiz und einer der Gruenden ist weil man aufgeschmissen ist und mann gezwungen ist zuhause zu hocken weil alles zu ist!!!

  • ForumHexl am 18.06.2012 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Links-regierte Stadt Zürich

    Was soll man von einer Links regierten Stadt Zürich anders erwarten, als ein Nein. Die Stadt-Zürcher haben so abgestimmt, wie sie dies auch an Wahlen abstimmen - Links, Links ... Einfach nicht jammern, wenn Firmen plötzlich wieder abziehen aus Zürich und Arbeitsplätze abbauen ....

    • dinu sales am 18.06.2012 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      nicht nur die stadt hats versenkt

      nur ist es so, dass nicht nur die Stadt Zürich die Initiative versenkt hat, sondern auch die bürgerlich wählende Landbevölkerung.

    einklappen einklappen
  • Peter am 18.06.2012 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich arbeite 24/7

    Ich zwar kein Zürcher, trotzdem erlaube ich mir, meine Meinung zu posten. Ich arbeite seit 5 Jahren 24/7, und ich würde es nie meh her geben. Als normaler "Büezer" mit "normalen" Arbeitszeiten ist es praktisch unmöglich auf eine Behörde zu gehen, ohne früher Schluss oder frei zu machen. Ich kann Werktags in die Badi oder Wandern gehen, wenn es genügend Platz hat. Aber ich kann auch oft nicht mit Freunden in den Ausgang oder mit der Familie essen gehen. Fazit: ein 24/7h-Job hat tolle Nebeneffekte, aber viele mögen es lieber wie es ist. Liberalere Öffnungszeiten bringen nicht mehr Jobs, aber sie gehören zu der modernen Gesellschaft. Die 24h-Gesellschaft, wie sie oft negativ behaftet kritisiert wird, ist schon längst Realität.