Steueroptimierung

02. Mai 2013 16:12; Akt: 02.05.2013 16:11 Print

Zürich ist die Hochburg der Briefkastenfirmen

Die meisten Briefkastenfirmen liegen nicht in den bekannten Steueroasen wie Zug oder Schwyz, sondern in Zürich und Genf.

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Briefkastenfirmen dienen vor allem dem Zweck der Steueroptimierung und der Anonymität. (Bild: Keystone)

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In der Schweiz sind rund 75'000 Unternehmen mit einer Domiziladresse eingetragen, gelten also landläufig als Briefkastenfirmen. Die Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG (OFWI) erfasste im Auftrag der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» sämtliche Gesellschaften, die im Handelsregister unter einer c/o-Adresse verzeichnet sind, also über keine eigenen Büros verfügen.

Die Zeitungen veröffentlichten die Liste am Donnerstag. Knapp 10'700 solcher Gesellschaften sind demnach allein im Kanton Zürich registriert, das sind 11,6 Prozent aller dort ansässigen Unternehmen.

Steueroasen im Mittelfeld

An zweiter und dritter Stelle der Rangliste liegen die Kantone Genf mit rund 8300 und Zug mit gut 7200 c/o-Adressen. Prozentual gesehen rangiert Zug mit einem Anteil von 25,2 Prozent an Unternehmen ohne eigene Büros an der Spitze vor Glarus (22,7%), Genf (22,2%) und dem Tessin (20,6%).

Die steuergünstigen Zentralschweizer Kantone Schwyz, Luzern, Obwalden und Nidwalden liegen demgegenüber im Mittelfeld. Zwischen 11,5 (SZ) und knapp 14 Prozent (NW) der registrierten Firmen haben dort ihre Anschrift bei einer anderen Domizilgesellschaft.

Bei der Mehrzahl von Unternehmen dieses Typs dürfte es sich nach Auskunft von OFWI um eigentliche Briefkastenfirmen handeln, also um Firmen, die in der Schweiz weder eine Geschäftstätigkeit ausüben noch Personal beschäftigen. Sind sie als Domizilgesellschaften registriert, zahlen solche Unternehmen je nach Kanton nur reduzierte oder gar keine Steuern.

Der EU ein Dorn im Auge

Die EU pocht deswegen schon seit 2006 auf eine Abschaffung der Briefkastenfirmen. 2009 erklärte sich die Schweiz im Rahmen des Dialogs über schädliche Steuerpraktiken zu diesem Schritt bereit, doch scheiterte ein Kompromissvorschlag am Widerstand einzelner EU-Mitgliedstaaten.

In den laufenden Gesprächen zur Unternehmensbesteuerung mit der EU sind die Briefkastenfirmen zwar weiterhin Thema, spielen aber, weil «wirtschaftlich unbedeutend», nach Angaben des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen bloss eine Nebenrolle.

Falsche Briefkasten

Nicht alle Briefkastenfirmen dienen im übrigen dem Zweck der Steueroptimierung und der Anonymität. Dies ist laut OFWI-Sprecherin Adrienne Fichter vor allem dann zu vermuten, wenn Firmen bei Treuhändern registriert sind und keine Mehrwertsteuer-Nummer besitzen. Daneben gebe es auch operativ tätige Unternehmen mit c/o-Adresse, etwa Stiftungen oder Forschungsabteilungen.

Auf der anderen Seite wiederum zeigten gemäss Fichter Erhebungen von OFWI, dass zahlreiche Firmen mit einer falschen Adresse im Handelsregister eingetragen sind, also nicht einmal einen Briefkasten in der Schweiz besitzen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Briefträger ZH am 02.05.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Briefkasten

    Kein Wunder. Zürich hat auch mehr Briefkästen als Zug und Schwyz. Da braucht es keine grosse Studie dazu. Zudem gibt es in ZH mehr Briefträger als in ZG oder SZ.

  • Chv am 02.05.2013 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steinbrück

    Das wird der nächste Angriffspunkt von unserem lieben Freund Steinbrück sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chv am 02.05.2013 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steinbrück

    Das wird der nächste Angriffspunkt von unserem lieben Freund Steinbrück sein.

  • Briefträger ZH am 02.05.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Briefkasten

    Kein Wunder. Zürich hat auch mehr Briefkästen als Zug und Schwyz. Da braucht es keine grosse Studie dazu. Zudem gibt es in ZH mehr Briefträger als in ZG oder SZ.