Lange Arbeitszeiten

03. Juli 2017 21:23; Akt: 03.07.2017 21:23 Print

Gastro-Lehrlinge flüchten aus der Branche

Den Restaurants kommt das qualifizierte Personal abhanden. Nur ein Drittel der Gastro-Lehrlinge will im Beruf bleiben. Grund dafür ist der tiefe Lohn.

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Im letzten Jahr haben rund 4500 Köche in der Schweiz ihre Ausbildung begonnen. (Symbolbild) Viele Lehrlinge bleiben nach dem Abschluss nicht längerfristig in ihrem Beruf, sondern wechseln die Branche: Bäcker-Stifte bei der Arbeit. Doch zeigen sich zwischen den verschiedenen Gastro-Berufen auch Unterschiede. Lernende der Restauration und der Bäckerei wollen laut Studie signifikant häufiger auf dem Beruf bleiben als Köche und Lernende der Hauswirtschaft. Vor kurzem hatte die Lehrstellenplattform Yousty über 4000 Lehrlinge dazu befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind. Von zehn verfügbaren Punkten bewerteten die Männer ihre Lehrstelle mit der Punktzahl 7,1. Die Frauen vergaben ihrem Job 6,9 Punkte. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zufriedenheit bei beiden Geschlechtern zugenommen. Die zufriedensten Lehrlinge arbeiten in den Kantonen Bern und Basel-Landschaft. Die hohe Zufriedenheit erklären die Studienautoren damit, dass insbesondere der Kanton Bern und die Bundesverwaltung die grössten Arbeitgeber im Kanton sind und zudem grosse Unternehmen wie Post, SBB und Swisscom, die eine Vorbildfunktion bei der Berufsbildung einnehmen, dort ansässig sind. Im Kanton Basel-Landschaft wird die hohe Zufriedenheit damit begründet, dass in dieser Region die Pharmaindustrie dominiert, die «leistungsstarke und motivierte Jugendliche anlockt». Nach ihren Zukunftsplänen befragt, gibt nur eine Minderheit an, weiterhin auf dem Beruf arbeiten zu wollen. Die Gastronomie-Lehrlinge sind somit also eine eher negative Ausnahme. Lehrabgänger, die ihre Zukunft nicht im Lehrbetrieb oder im gelernten Beruf sehen, sind für die betroffenen Branchen problematisch. «Es ist sehr schwierig, gute Lehrabgänger zu finden», bestätigt auch Markus Bär vom Maler- und Gipserverband.

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Ob Koch oder Restaurationsfachmann: Mehrere tausend Schweizer Jugendliche wählen jährlich eine Lehre in der Gastronomie. So haben rund 4500 Personen im letzten Jahr ihre Lehre als Koch begonnen, 1500 die Ausbildung zum Restaurationsfachmann. Allerdings wollen viele nach dem Abschluss nicht längerfristig in ihrem Beruf bleiben, sondern planen die Branche zu wechseln. Das hat eine am Montag publizierte Umfrage des Forschungsinstituts GFK im Auftrag der Hotel- und Gastrounion ergeben. Konkret wollen nur 30 Prozent der Befragten nach Abschluss ihrer Ausbildung in der Gastronomie bleiben.

Umfrage
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35 %
54 %
5 %
6 %
Insgesamt 4200 Teilnehmer

Beim Verband sorgt das für Ernüchterung. Max Züst, Direktor des Bildungsinstituts Hotel & Gastro Formation klagt: «Das ist eine Investition ohne Return, also ohne Nutzen.» Doch zeigen sich zwischen den verschieden Gastro-Berufen auch Unterschiede. Lernende der Restauration und der Bäckerei wollen laut Studie signifikant häufiger im Beruf bleiben als Köche und Lernende der Hauswirtschaft.

Tiefe Löhne und strenge Arbeitszeiten

Als Gründe für den angestrebten Berufswechsel werden in der Studie oft die Arbeitszeiten und der vergleichsmässig tiefe Lohn genannt. In der Mitteilung erklärt der Verband deshalb: «Betrachtet man die Entwicklung der Lehrvertrags-Abschlüsse muss man berechtigterweise beunruhigt sein.» Die Zahlen seien rückläufig und viele Betriebe hätten Schwierigkeiten, gute Lernende zu finden. Die Branche müsse sich darüber Gedanken machen, wie sie mehr attraktive Arbeitsplätze anbieten könne.

Betrachtet man die Studie im Detail, so zeigen sich weitere Probleme. So findet etwa ein Drittel der Befragten, dass sich ihr Lehrbetrieb zu wenig oder nur knapp genügend Zeit für sie nimmt. Immerhin drei Viertel der Lehrlinge geben an, dass die fachliche Qualifikation des Ausbildungsverantwortlichen gut bis sehr gut ist. Dafür bemängelt wiederum ein Drittel, dass das zwischenmenschliche Klima im Betrieb nur knapp genügend oder sogar ungenügend sei.

Keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Ein Problem ist auch, dass nur 66 Prozent der Lernenden ihren Dienstplan immer pünktlich erhalten. Zum Image ihrer Branche befragt, gaben schliesslich 40 Prozent der Befragten an, dass dieses nicht so gut sei. Gerade im Bezug auf die längerfristig tiefe Weiterbeschäftigung im Beruf vermutet der Verband hier einen Zusammenhang. Ein Detail: Bäckerstifte beurteilen das Image der Branche klar besser als angehende Restaurationsfachleute.

Zwischen männlichen und weiblichen Befragten zeigten sich bei der Beantwortung der Fragen nur geringe oder gar keine Unterschiede. Drei von vier Lernenden sind ausserdem überzeugt, dass es ihren Beruf auch in 20 Jahren noch gibt. Speziell die Köche sind sich sicher. Auf die Frage, ob Roboter Ergänzung oder Konkurrent seien, ist die Meinung geteilt. Köche sehen sie als Ergänzung, die anderen Berufe eher als Konkurrenten.

Haben Sie eine Lehre in der Gastronomie gemacht und danach den Job gewechselt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte im untenstehenden Formular:


(kwo)