Schweizer Ärgerliste

06. Dezember 2017 09:55; Akt: 06.12.2017 18:16 Print

Das nervte Konsumenten 2017 am meisten

Die Zahl der Beschwerden bei Konsumentenschützern hat sich innert eines Jahres verdoppelt. Worüber sich die Schweizer am häufigsten beklagt haben.

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Dicke Post – unerlaubte Inkasso-Forderungen. : Probleme mit Internet, Festnetz, TV, Radio und Mobiltelefonie. Aggressive Werbeanrufe. : Allgemeine Vertragsprobleme, etwa wegen Garantie oder Lieferung. Der VW-Abgasskandal. Rückforderung der unrechtmässig erhobenen Mehrwertsteuer durch die Billag. Steigende und intransparente Kosten der Bank-Dienstleistungen sorgten laut der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen für Ärger. Viele Beschwerden betrafen den «Zuschlag Schweiz», also dass internationale Unternehmen in der Schweiz die Preise für ihre Produkte deutlich höher ansetzen als in anderen Ländern. Keine Ware bei Vorauszahlung oder unverhoffte Zollkosten: zwei der häufigsten Gründe für Beschwerden im Bereich Online-Shopping. Die Krankenkassenprämien steigen auch kommendes Jahr deutlich, entsprechend viele Meldungen gingen bei den Konsumentenschützern zu diesem Thema ein. Zudem fallen im kommenden Jahr Rabatte bei Kollektiv-Zusatzversicherungen weg, was für höhere Prämien sorgt. Rund sieben Prozent aller Beschwerden betrafen das mobile Telefonieren. Beanstandet wurden etwa nicht nachvollziehbare hohe Roaming-Kosten, Gebühren oder kundenunfreundliches Kleingedrucktes. VW hat bekanntlich bei den Abgaswerten von Dieselmotoren geschummelt. US-Kunden erhielten deshalb eine Entschädigung. Die Besitzer der rund 129'000 betroffenen Fahrzeuge in der Schweiz gingen dagegen leer aus. Platz vier der Rangliste belegen unerlaubte Inkassoforderungen. Wer seine Rechnung zu spät bezahlt, bekommt von Firmen neben einer Mahnung vielfach auch eine Forderung für den Verzugsschaden. Doch solch Forderungen werden oft zu Unrecht erhoben. Beispiele für diese Kategorie umfassen etwa vermeintliche Gratisabos von Dating-Plattformen, die aber versteckte (Abo-)Kosten mit sich bringen. Ein anderes Beispiel sind Online-Routenplaner, die nach den Ferien Geld fordern und mit rechtlichen Konsequenzen drohen. Hersteller weigern sich, die Reparaturkosten zu übernehmen, da es sich um einen selbstverschuldeten Schaden handelt. Zwischen Januar und November 2016 gingen bei der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen 3656 Beschwerden zu diesem Thema ein. Wie im Jahr zuvor führten auch 2016 die unerlaubten Werbeanrufe die Ärgerliste der Konsumenten-Organisationen an. Gut ein Fünftel der Beschwerden betraf dieses Thema.

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48'210 Fragen richteten Schweizer Konsumenten zwischen Januar und November an den Konsumentenschutz. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Zahl der Beschwerden damit mehr als verdoppelt. Eine Auswertung zeigt nun, welche Probleme die Menschen in diesem Zeitraum am meisten plagten.

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• Platz 1: Billag-Mehrwertsteuer

Das grösste Ärgernis der Kunden betrifft die vom Bund zu Unrecht erhobene Mehrwertsteuer auf den Fernseh- und Radiogebühren. 40 Prozent der Anfragen entfallen auf dieses Thema, wobei sich die Schweizer Unterstützung bei der Rückforderung erhoffen.

Das Bundesgericht hatte 2015 entschieden, dass der Bund die Mehrwertsteuer zu Unrecht eingezogen hatte. Pro Haushalt geht es um 11 Franken (plus 5 Prozent Zinsen), die der Bund für den Zeitraum 2005 bis 2015 zu viel eingezogen hatte. Ob die Gelder zurückgezahlt werden, muss erneut das Bundesgericht klären.

• Platz 2: VW-Abgasskandal
9588 Kunden meldeten sich beim Konsumentenschutz, weil sie sich informieren wollten, was die Abgas-Manipulationen von deutschen Autoherstellern für ihr Fahrzeug bedeuten und wie sie Schadenersatz einfordern können. Laut Konsumentenschutz sind in der Schweiz 175'000 Autos davon betroffen, dass die Abgaswerte geschönt wurden. Die Fahrzeuge haben dadurch rund 15 Prozent ihres Marktwerts verloren.

• Platz 3: Garantie, Mängel, Lieferung
Was tun, wenn der Händler eines Handys das Gerät trotz laufender Garantie nicht übernehmen will, da es nass wurde? 12 Prozent der Anfragen an den Konsumentenschutz entfielen auf Garantieprobleme, Mängel oder Lieferschwierigkeiten. Laut Konsumentenschutz spekuliert der Händler im genannten Fall darauf, dass der Handybesitzer nicht beweisen kann, dass er keine Schuld am Schaden trägt und auf eine teure Expertise verzichtet.

• Platz 4: Aggressive Verkaufsmethoden
Der Ärger über aggressive Telefonwerbung führte letztes Jahr zu den meisten Beschwerden. Dieses Jahr rangieren die unlauteren Geschäftspraktiken auf dem vierten Platz. 5000 Personen meldeten sich deswegen beim Konsumentenschutz. Häufig genannte Beispiele dafür sind Werbeanrufe, mit denen Kunden trotz Sterneintrag im Telefonbuch belästigt wurden. Oder auch unseriöse Unternehmen, die einen auf aggressive Art und Weise am Telefon oder auf der Strasse angehen.

• Platz 5: TV- und Mobile-Abos
Seit längerer Zeit hat ein Kunde massive Probleme mit seinem Telecompaket. Das Internet ist langsam und die TV-Box hat regelmässig Störungen. Trotz mehrmaligen Meldungen und hohen Abokosten verbessert sich nichts: Wegen solchen Ärgernissen meldeten sich 2456 Kunden beim Konsumentenschutz. Dazu gehörten auch ungerechtfertigt hohe Roamingkosten.

• Platz 6: Unerlaubte Inkasso-Forderungen
Inkasso-Unternehmen übernehmen die Eintreibung von Schulden für ihre Auftraggeber. Daran störten sich 1401 Kunden und wandten sich an den Konsumentenschutz. Das Problem: Oft verrechnen die Inkasso-Büros zusätzlich zum geforderten Betrag zusätzliche Aufwände und drohen bei Nichtbezahlung mit einem Eintrag im Betreibungsregister.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.D. am 06.12.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Ja

    Platz 1: nicht nur die MwsT, sondern die ganze Gebühr der Billag, die uns aufgezwungen wird zu zahlen! Wieso hat die SRG die Mwst eigentlich nie zurückgezahlt? Das sagt doch schon alles über diese Bude! JA zu No Billag!

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  • Bin im Laden von Osama am 06.12.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das Nervigste überhaupt

    Mich nervt jegliche Art von Werbung und Zwangsberieselung.

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  • Sfr. am 06.12.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosszügig

    Mich nervt am meisten das überall Geld verschenkt wird obwohl es an allen Ecken und Enden nicht mehr reicht. Für uns schauen und nicht warten bis es zu späht ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo am 06.12.2017 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nervfaktor Nr1

    Die übertriebene Werbung. Egal ob App, Tv oder PC, etc. Werbung nervt einfach nur noch und zwar derart dass ich bestimmte Artikel gar boykottiere weil ich die Nase sowas von voll habe.

  • heinzgitz am 06.12.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    5. März 2018

    @M.D. geht Du aber auch gefälligst am 5. März 2018 an die Stimmurne abstimmen und legt ein JA in die Stimmurne ein für die No Billag. Da mit wir in ein Neues Medien Zeitalter starten können.

  • Martial2 am 06.12.2017 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beides überflüssig...

    No Billag, das ist reine Abzockerei für nichts. No SRG/SRF, dieser Sender ist wirklich für die Füchse: Weder Attraktivität, noch Kreativität, immer der selbe langweilige Brei wird geliefert!!

  • Doktor Sommer am 06.12.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die Warnzeichen der Verantwortung nutzen

    Ich kann Ihnen versichern, nebst vielen anderen, nerven mich die hohen Kosten der Billag Zwangsgebühren und auch, dass die Mehrwertsteuer nicht zurückbezahlt wurde, laut meiner Rechnung, müsste ich jetzt die Billag-Rechnung in den Rundordner ablegen.

  • Lena. am 06.12.2017 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf einmal

    Wollen alle eine teure Krankenkasse. Wie schyzophren dieses Land!