Schere gegen Schaufel

16. April 2012 09:00; Akt: 16.04.2012 09:18 Print

Coiffeure und Bäcker drängen auf den Bau

von Elisabeth Rizzi - Von wegen handwerkliche Berufe sind unattraktiv. Seit der Finanzkrise drängen immer mehr Quereinsteiger auf die Baustellen; sogar Maturanden.

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Der Quereinstieg ist nicht nur im Lehrerberuf gefragt. (Bild: Keystone)

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Handwerkliche Berufe leiden unter Lehrlingsmangel. Mit millionenschweren Kampagnen suchen Metallunion, Baumeister oder Gebäudetechnikerverbände händeringend nach Nachwuchs. Jugendliche wollen nämlich lieber ins Büro oder drücken weiter die Schulbank.

Doch das ist nur die eine Seite. Während die Finanzkrise wie ein Tsunami über die meisten Branchen hinwegfegte und ein Feld der Verwüstung hinterliess, boomt die Baubranche. Erst gerade im vierten Quartal 2011 konnte das Schweizer Bauhauptgewerbe seinen Umsatz erneut um 5,4 Prozent auf 5,2 Milliarden Franken steigern. Im Gesamtjahr wuchs die Branche um ebenfalls 5,4 Prozent auf 19,5 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Der Detailhandel legte gerade mal 1,3 Prozent zu.

Doppelt so viele Quereinsteiger

Die Baubranche profitiert vom negativen Wirtschaftsumfeld. Entgegen dem Lehrlingsrückgang in anderen Zweigen verzeichnet die Berufsfachschule Verkehrswegbauer in Sursee weiter zwischen 300 und 350 neue Lernende bei den zwei- und dreijährigen Grundausbildungen für Verkehrswegbau.

Und: Seit Beginn der Finanzkrise hat sich die Zahl der Quereinsteiger verdoppelt. Waren es 2007 nur rund 30 pro Jahr, die eine so genannte «verkürzte Grundbildung» zum Gleisbauer, Grundbauer, Industrie- und Unterlagsbodenbauer, Strassenbauer oder Pflästerer absolvierten, sind es dieses Jahr bereits 60. Das mag nach wenig klingen: Doch im Vergleich zu den 76 Kandidaten, die den ersten Quereinsteigerlehrgang für Primarlehrer in Zürich absolvierten, ist die Zahl beachtlich.

Was vor allem erstaunt: Es sind nicht mehr bloss Leute, die bereits in bauverwandten Berufen eine Berufslehre absolviert haben. Schon ein Viertel der neuen Absolvierenden kommt aus nichtverwandten Berufen. «Sowohl KV-Absolventen als auch Coiffeure, Bäcker, Köche, Metzger, Landwirte oder auch Maturanden sind darunter», sagt Benedikt Koch, Geschäftsführer des Branchenverbandes Infra. Der Trend zeige weiter aufwärts.

Mehr Geld

Für ihn ist klar, dass der Lohn ein wichtiger Anreiz ist. Liegt doch der Mindestlohn für Gleisbauer mit Berufsausweis bei 5449 Franken monatlich. Im Detailhandel verdienen Verkäufer nach dreijähriger Lehre dagegen 4000 Franken pro Monat. Und die Lohnempfehlung für diplomierte Coiffeure mit vierjähriger Berufserfahrung liegt bei 4200 Franken monatlich.

«Aber daneben locken wohl auch die Karrieremöglichkeiten. Man kann schnell vorwärtskommen und Polier, Vorarbeiter oder Bauführer werden. Wer will, kann schon mit 23 Jahren eine ganze Baustelle leiten», so Koch.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

In meinen Augen rechtfertigt der "grosse" Baulohn den massiven körperlichen Verschleiss. Mein Mann seit der Lehre Bauarbeiter läuft nach 17 Jahre Bau wie ein "Gipfeli" und hat starke chronische Schmerzen (Nein, er ist nicht übergewichtet und er trieb seit seiner frühsten Jugend Sport). Er wünscht sich er hätte etwas anderes gelernt! Eine kurze Zeit auf den Bau ist sicherlich lukrativ - aber lebenslänglich? – Kathrin

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.E. am 16.04.2012 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektriker

    Das Problem bei den Quereinsteigern besteht darin, dass sie nicht den selben Berufsstolz mitbringen wie die Gelernten. Da können die noch so schnell arbeiten, wenn die Arbeit nicht sauber gemacht ist... Auf dem Bau geht es hektisch zu und her! Das sind sich nicht alle gewohnt und bekommen unter Umständen psychische Probleme. Mindestlohn Elektriker nach 4 Jahren Ausbildung: 4200.- (und der Stromer ist immer "de Tobel")

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  • N.K. am 16.04.2012 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Löhne???

    Meines Wissen 100% als Coiffeuse 3300.-

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  • Steve O am 16.04.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 3 Mt. Quereinsteiger und happy

    Ich (keine Kinder) habe auf Anfang Jahr die Branche komplett gewechselt. Seit dem bin sehr glücklich mit der Arbeit und das ist für mich persönlich das Wichtigste. Denn Glück kann man mit Geld nicht kaufen! Darum macht es mir auch nicht so viel aus, dass ich jetzt knapp 40% wehniger verdiene als in meinem vorherigen Job in der IT. Jetzt arbeite ich in einer geschützten Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Ich kann nur jedem empfehlen, der es machen kann, sich eine Arbeit zu suchen, welche Ihn erfüllt und glücklich macht und nicht eine welche am Monatsende am meisten Lohn einbringt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Räfu am 16.04.2012 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Woher habt ihr diese Zahlen? Ich verdiene als Informatiker mit Lehre + Berufsmaturität + 5 jähriges Berufserfahrung gerademal 5000 im Monat.

    • David am 17.04.2012 07:59 Report Diesen Beitrag melden

      Neuer Arbeitgeber suchen

      Da must Du die Stelle wechseln! 80'000 CHF /Jahr muss es schon sein.

    • CP85 am 17.04.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

      Hmm ...

      Dann hat dein AG einen guten Deal mit Dir gemacht. Ich verdiene deutlich mehr und bin direkt aus dem Studium in den Beruf gegangen. Bin jetzt seit etwas mehr als ein halbes Jahr hier und werde noch hochgestuft. Vielleicht nochmal verhandeln :) Allerdings bin ich Bauingenieur. Dort besteht derzeit ein grosser Mangel.

    • Markus am 17.04.2012 08:43 Report Diesen Beitrag melden

      Job wechseln

      Sry aber dan würde ich schleunigt den Job wechseln. Da biste selber Schuld, ein normaler supporter ohne grosse ausbildung verdient netto 5000.

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  • Steve O am 16.04.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 3 Mt. Quereinsteiger und happy

    Ich (keine Kinder) habe auf Anfang Jahr die Branche komplett gewechselt. Seit dem bin sehr glücklich mit der Arbeit und das ist für mich persönlich das Wichtigste. Denn Glück kann man mit Geld nicht kaufen! Darum macht es mir auch nicht so viel aus, dass ich jetzt knapp 40% wehniger verdiene als in meinem vorherigen Job in der IT. Jetzt arbeite ich in einer geschützten Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Ich kann nur jedem empfehlen, der es machen kann, sich eine Arbeit zu suchen, welche Ihn erfüllt und glücklich macht und nicht eine welche am Monatsende am meisten Lohn einbringt...

    • CP85 am 17.04.2012 08:18 Report Diesen Beitrag melden

      Vollkommen richtig!

      Das stimmt. Das Geld bringt nicht das Glücksgefühl, was man evtl. im richtigen Beruf haben kann.

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  • D.E. am 16.04.2012 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektriker

    Das Problem bei den Quereinsteigern besteht darin, dass sie nicht den selben Berufsstolz mitbringen wie die Gelernten. Da können die noch so schnell arbeiten, wenn die Arbeit nicht sauber gemacht ist... Auf dem Bau geht es hektisch zu und her! Das sind sich nicht alle gewohnt und bekommen unter Umständen psychische Probleme. Mindestlohn Elektriker nach 4 Jahren Ausbildung: 4200.- (und der Stromer ist immer "de Tobel")

    • Simi am 16.04.2012 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Jap an die Umgangsart muss man sich erst einmal gewöhnen da ist nichts mehr mit :"Ja könnten sie so und so"

    • markus H*** am 16.04.2012 18:49 Report Diesen Beitrag melden

      umgangsart..

      Die Umgangsart auf dem Bau ist die beste die's gibt! kein Ar**kriechen, sondern man sagt was sache ist.. Klare Verhältnisse. Ab Bauleiter/Bauführer siehts wieder anders aus.. leider. Es würde vielen guttun, mal die Meinung sagen zu können! Aber lieber den Stress in sich reinfressen und Burnout..

    • Lunar am 17.04.2012 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      Prinzessin

      Eben, und dieses Prinzessinen getue mancher Prinzessinen geht auf dem Bau auch nicht zu lange. Das vertragen manche nicht. :-)

    • Bauingenieur am 17.04.2012 08:21 Report Diesen Beitrag melden

      Man sollte auf die Arbeiter mehr achten

      Also ich bin Bauingenieur und unter anderem Bauleiter. Ich höre insbesondere auf die Leute, die draussen wirklich schuften, denn die wissen noch am ehesten, wie es läuft. Schade, dass Sie Ihrem Chef nicht die Meinung sagen können, so wie es scheint. Ich hoffe das bessert sich.

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  • Reto am 16.04.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn-Niveau muss gesenkt werden

    Berufsausbildungen anbieten welche auch zukünftig gefragt sind. Zudem sollten alle Lehrlinge ohne Ausnahme gleich viel verdienen, dann gibt es diesbezüglich auch keine Berufs-Bevorzugungen mehr, und es wären alle gleichgestellt.

    • Satan am 16.04.2012 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Bei Ihnen starten wir

      Prima, fangen wir mal bei Ihnen an? Was verdienen Sie? Sicher zuviel...dann gehen Sie sicher noch nach D einkaufen und Heiraten und...und...

    • jayjay am 16.04.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      genau!

      dito, das fände ich auch super! Auch wenn ich selbst einen anständigen Lohn hatte in der Lehrzeit (Jobwahl wurde aber nicht vom Lohn beeinflusst).

    • Peschä am 16.04.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Ja sicher...

      Sozialismus pur?!? Alle haben gleich wenig - ausser den linientreuen Parteibonzen?!?

    • markus H*** am 16.04.2012 18:51 Report Diesen Beitrag melden

      paperlapap

      diejenigen, die den Job nur wegen dem Geld machen, sind die Ersten, die wieder heim zu Mami gehen.. "ich geh auf den Bau, da verdien ich viel mehr.." ist keine Einstellung!

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  • geschädigter am 16.04.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    hilfe!!

    ..um dann nach einer schnellbleiche pfusch abzuliefern. ich hatte genug ärger mit solchen leuten. arbeitslose bäcker, kv und was weiss ich was, versuchen sich dann als bauhandwerker. das ergebnis ist eine katastrophe. einzig die rechnung hatte qualität, da sie zum selben satz verechnet wurden wie qualifiziertes personal. theorie und praxis klaffen weit auseinander.

    • urs gregor am 16.04.2012 18:48 Report Diesen Beitrag melden

      monteur a , b oder c

      c= ungelernt handlanger, b= ungelernt mit berufspraxis a= gerlernter beruf. sind durchaus unterschiede im lohn feststellbar, da haben sie wohl am falschen ende gespart

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