Achtung Blase

21. Juni 2013 07:28; Akt: 21.06.2013 11:16 Print

Immocrash: Inlandbanken mit höchstem Risiko

von Sven Zaugg - Noch ist der Immobilienboom für Inlandbanken ein gutes Geschäft. Doch die Nationalbank warnt vor den Risiken. Erste Institute haben ihre Hypothekenvergabe bereits gedrosselt.

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Bei den inlandorientierten Instituten machen Hypotheken rund zwei Drittel der Bilanzsumme aus, das entspricht einer Summe von 565 Milliarden Franken. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Und täglich grüsst die Immobilienblase. Gebetsmühlenartig mahnt die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Inlandbanken zu grosser Vorsicht bei der Vergabe von Hypotheken: «Die Risikobereitschaft der Banken bei der Kreditvergabe ist unverändert hoch und das Risiko einer grösseren Preiskorrektur ist gestiegen», stellte Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine am Donnerstag anlässlich der Präsentation des Jahresberichts zur Finanzmarktstabilität fest.

Dass die SNB vor allem Institute wie Raiffeisen, die Migros Bank und nicht zuletzt die Kantonalbanken in die Pflicht nimmt, erstaunt weiter nicht. Ebenjene Institute haben ihr Hypothekargeschäft im Zuge des Immobilienbooms stark forciert. Entsprechend sind die Hypothekenvolumen bei den Inlandbanken innert Jahresfrist um weitere rund fünf Prozent gestiegen.

Boom pendelt sich auf hohem Niveau ein

Zwar hat sich laut Jean-Pierre Danthine die Kapitalisierung der Inlandbanken verbessert. Das Risiko einer Zinsänderung befinde sich aber auf einem historischen Hoch und viele Institute seien sehr einseitig auf den Hypothekarmarkt ausgerichtet. Bei den inlandorientierten Instituten machen Hypotheken rund zwei Drittel der Bilanzsumme aus, das entspricht einer Summe von 565 Milliarden Franken – bei den Grossbanken sind es 249 Milliarden Franken.

Die von 20 Minuten befragten Institute Migros Bank und Raiffeisen geben sich zuversichtlich, auch bei einem allfälligen Zinsanstieg nicht in die Bredouille zu kommen: «Letztlich geht es um die Tragbarkeit, und die ist im Schweizer Markt bis gut fünf Prozent gewährleistet - abgesehen von einzelnen Regionen, in denen die Preise überdurchschnittlich gestiegen sind», sagt Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff.

Die SNB ihrerseits hält an ihrer Geldpolitik fest und belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent. Dies wird sich angesichts der schwachen Weltkonjunktur in absehbarer Zeit kaum ändern. Die Folge davon ist, dass sich der Immobilienboom in der Schweiz auf hohem Niveau einpendelt – geprägt von regionalen Unterschieden.

Vergabe bei Hypotheken gedrosselt

Auch bei der Migros Bank ist man nach eigenen Angaben auf eine allfällige Zinswende vorbereitet: «Unsere Kunden können ihre Hypotheken auch noch tragen, falls der Zins auf 4,5 Prozent ansteigen würde», sagt deren Sprecher Albert Steck.

Dennoch hat das Institut bereits konkrete Massnahmen bei der Vergabe von Hypotheken in Hochrisiko-Regionen ergriffen: «Wir haben eine starke Preiszunahme im Raum Zürich und insbesondere in Genf beobachtet. Da haben wir die Vergabe von Hypotheken gedrosselt. Im Mittelland befinden sich die Preise aber weiterhin auf einem deutlich tieferen Niveau», sagt Sprecher Albert Steck.

Das zeigt auch der am Mittwoch veröffentlichte Immobilienmonitor der Credit Suisse. Demnach weichen Kaufinteressenten aufgrund tieferer Preise in die weitere Agglomeration aus. Das verschiebt die Preisdynamik laut der Studie «aus den Überhitzungsregionen Genf und Zürich in das Mittelland und in die Ostschweiz».

«Mit einem Crash ist nicht zu rechnen»

Das grösste Problem im Immobilienmarkt ortet Raiffeisen-Chefökonom Neff bei der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Das habe den Markt verzerrt. Daher sei es verständlich, dass die SNB unruhig reagiere. «Klar ist der Immobilienmarkt nicht komplett gesund. Mit einem Crash ist aber nicht zu rechnen», prognostiziert er.

Offensichtlich herrscht Konsens darüber, dass sich die Immobilienpreise in manchen Regionen auf einem «nicht nachhaltig hohen Niveau» befinden, wie es die SNB formuliert. Beide Institute – Migros Bank ebenso wie die Raiffeisen – geben an, auf einen allfälligen Zinsanstieg vorbereitet zu sein.

Die SNB stellt derweil weitere «regulatorische Massnahmen» in Aussicht, wenn sich die Situation auf dem Schweizer Immobilienmarkt verschärfen sollte. Damit ist eine allfällige Erhöhung des Kapitalpuffers gemeint, um die Finanzstabilität zu gewährleisten. Dieser sogenannte antizyklische Kapitalpuffer könnte gemäss geltenden Bestimmungen bis auf 2,5 Prozent erhöht werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manfred F. am 21.06.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kreditprügung

    Was soll diese Hetze? Ich arbeitete bei einer solchen Bank im Kreditwesen und wir müssen die Zinsen immer kalkulatorisch mit 5 % rechnen und dann muss es auch noch in den besagten 33 % liegen. Ansonsten wird ein Budget verlangt, Zinsen vierteljährlich kassiert und und und..

  • Eigenheimer am 21.06.2013 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt wird seelig!

    Bullshit! Die brauchen nur wieder irgend einen Vorwand um abzuzocken! Die Banken rechnen ja sowieso mit 5% Tragbarkeit. Wo ist also das Problem? Mann kann ja wieder darüber diskutieren, wenn die Zinsen bei 4% sind. Man warnt uns vor einer Immobilienblase, aber hat uns nicht vor den Schrottpapieren der Subprimes gewarnt? Lächerliche Institution. Wie gesagt, die Banken wollen nur mehr Geld, höhere Zinsen! Und die Politik macht mit!

  • CH-Meinunng am 22.06.2013 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    SN-Warnsignale werden nicht wahrgenommen

    Die CH-Regierung hat die Sache nicht im Griff - die Spirale dreht sich bis zum geht nicht mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • CH-Meinunng am 22.06.2013 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    SN-Warnsignale werden nicht wahrgenommen

    Die CH-Regierung hat die Sache nicht im Griff - die Spirale dreht sich bis zum geht nicht mehr.

  • roger am 21.06.2013 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    haus verkaufen, aus prinzip

    es gibt leider (noch) keinen crash, denn wir haben zuwenig platz im boot. solange wohnung und haus mangelware ist, solange die nachfrage hoch ist, wird die blase nicht platzen. das einzige was ein risiko ist, ist die wirtschaft: geht der franken baden mit dem euro wird es viele obdachlose geben in der schweiz, und zwar von heute auf morgen... viel spass! beschissen wird man sowieso immer, wenn man wohneigentum hat

  • Knoba am 21.06.2013 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ponzygame

    Wenn alle denken die Blase platzt demnächst; zack und da ist sie! Psychologie! Das Biggerfoolgame ist in der Endphase!

  • Hausbesitzer am 21.06.2013 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ade Eigenkapital

    Das Geld, ihr Eigenkapital, werden die Hausbesitzer und nicht die Banken verlieren.

  • Manfred F. am 21.06.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kreditprügung

    Was soll diese Hetze? Ich arbeitete bei einer solchen Bank im Kreditwesen und wir müssen die Zinsen immer kalkulatorisch mit 5 % rechnen und dann muss es auch noch in den besagten 33 % liegen. Ansonsten wird ein Budget verlangt, Zinsen vierteljährlich kassiert und und und..