«Nicht fähig»

22. September 2017 13:45; Akt: 22.09.2017 18:55 Print

London verbietet Uber

Wer in der britischen Hauptstadt mit seiner Uber-App ein Taxi bestellen möchte, hat schon bald Pech gehabt. Der Anbieter sei «nicht fähig», sagen die Behörden.

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Risiko für die öffentliche Sicherheit: Die Londoner Verkehrsbehörde hat keine gute Meinung über Uber. Sie verbietet den Fahrdienst ab Oktober 2017. Ich bin auch ein Taxi: Dank «Uber Pop» konnte jeder mit seinem Privatauto andere Passagiere mitnehmen. Taxifahrer schwenken die «echten» Taxischilder: Zürcher Taxifahrer protestieren gegen den Fahrdienst-Anbieter Uber. (17.Mai 2016) FILE- This May 26, 2017, file photo shows an Uber office in Austin, Texas. Ryan Graves, Uber's chief of global operations, resigned and investors sued the companyÄôs former CEO. Graves told Uber staff in an email Thursday, Aug. 10, that he will transition out of his role as senior vice president of global operations in mid-September. That board, and its support for former CEO Travis Kalanick, was the subject of a lawsuit filed Thursday in Delaware Chancery Court by Benchmark Capital Partners. () Kaum als Taxi erkennbar: Der Amateur Fahrdienst Uber stellt Taxifahrten zu günstigen Preisen zur Verfügung Mit dem Smartphone kann das nächstliegende Uber-Fahrzeug geortet werden. 559 Anzeigen sind in Zürich und Lausanne gegen Uber-Fahrer eingegangen. (Archivbild) Das Parlament hat beschlossen, die Regelungen für Taxifahrer zu lockern: Sie sollen keine Fahrtenschreiber mehr brauchen. (17. Mai 2016) «Einschränken, im Sinne von Verbieten, das wäre komplett falsch»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann reagiert auf die heftige Kritik am Fahrdienst. (Archivbild) In diversen Städten weltweit hatten sich Taxifahrer letztes Jahr zu Protesten versammelt. Mit Taxikolonnen machten sie auf ihr Anliegen aufmerksam. Zürich wurde vom Fahrplan gestrichen: Jetzt ist Schluss, diesen Donnerstag (10. August 2017) wurde Uber Pop in Zürich eingestellt. Der Service ist nur noch in Lausanne und Basel verfügbar. Die Nationale Taxiunion fordert, dass der Uber-Konzern zur Rechenschaft gezogen wird. Auch in Budapest, der Hauptstadt Ungarns, protestierten Taxifahrer gegen Uber: Sie fuhren in Kolonnen über die Elisabethbrücke. (17. Mai 2016)

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Uber schien die heftigen Konflikte mit den Behörden und der Taxi-Branche in Europa beigelegt zu haben, doch nun sorgt London für einen Eklat. Die britische Hauptstadt will den Fahrdienst von ihren Strassen verbannen. Begründung: Uber agiere verantwortungslos.

London wirft den Fahrdienst-Vermittler Uber raus. Die Nahverkehrsbehörde der britischen Hauptstadt wirft dem milliardenschweren US-Start-up Verantwortungslosigkeit vor. Deshalb werde die bis zum 30. September laufende Lizenz nicht verlängert.

Uber will gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen. Dafür hat die Firma drei Wochen Zeit - und wird dann während des Einspruchverfahrens ihren Betrieb aufrecht erhalten können. In London buchen nach Angaben von Uber rund 3,5 Millionen Menschen Fahrten über die App. Über 40'000 Fahrer böten in der Stadt ihre Dienste auf der Plattform an. Für sie sei die Entscheidung «frappierend», kritisierte der Chef von Uber in London, Tom Elvidge.

Uber werde «unverzüglich» Widerspruch vor Gericht einlegen. Die Behörde habe dem Druck weniger Leute nachgegeben, die die Auswahl für Konsumenten einschränken wollten.

MyTaxi reagiert mit Rabatt

In London sind auch diverse andere Fahrdienst-Vermittler aktiv. Die zum Daimler-Konzern gehörende Taxi-App MyTaxi nutzte die Entscheidung sofort für eine Rabattaktion mit bis zu 50 Prozent Abschlag für Fahrten in London bis Ende September.

Die Behörde Transport for London erklärte, Uber sei nicht «fähig und geeignet», um eine neue Lizenz zu erhalten. Das Verhalten des Dienstes könne Folgen für die Sicherheit seiner Fahrgäste und der Öffentlichkeit haben.

Im einzelnen gehe es unter anderem um das Melden ernsthafter Straftaten und die medizinische Begutachtung der Fahrer. Die Behörde nannte keine konkreteren Kritikpunkte dazu. Uber entgegnete, man habe sich immer an die Regeln zum Melden von Straftaten gehalten.

Zudem zeigte sich Transport for London unzufrieden mit Ubers Erklärungen zum Einsatz der sogenannten «Greyball»-Software. Damit hatte Uber unter anderem in US-Städten versucht, Behördenkontrolleure hinters Licht zu führen, die den Dienst bei Regelverstössen auf frischer Tat ertappen wollten. «Greyball» sorgte dafür, dass ihnen in der App falsche Inhalte angezeigt wurden.

Die US-Justiz ermittelt bereits deswegen. Uber erklärte dazu am Freitag, die Software sei in London nie zum Täuschen von Behörden genutzt worden. Das lässt die Möglichkeit offen, dass «Greyball» gegen Rivalen eingesetzt wurde.

Erinnerung an frühere Konflikte

Londons Bürgermeister Sadiq Khan unterstützte die Entscheidung der Nahverkehrsbehörde: «Alle Unternehmen in London müssen nach den Regeln spielen und die hohen Standards einhalten, die wir erwarten - vor allem wenn es um die Sicherheit von Kunden geht.»

Der Vorstoss von London weckt die Erinnerung an frühere Konflikte mit europäischen Metropolen. Uber hatte zunächst entgegen geltender Regeln versucht, das in den USA erfolgreiche Modell mit Privatleuten als Fahrer überall in Europa zu etablieren.

Nach heftigem Gegenwind der Behörden und einer Klagewelle aus der Taxi-Branche lenkte der Dienst ein und schien die Konflikte beigelegt zu haben.

Für das zuletzt krisengeschüttelte Unternehmen Uber ist es ein weiterer schmerzhafter Rückschlag - und ein Problem mehr für den neuen Chef Dara Khosrowshahi. Der bisherige Chef des Online-Reisebüros Expedia übernahm vor wenigen Wochen den Spitzenjob von Mitgründer Travis Kalanick.

Sexismus- und Diskriminierung-Vorwürfe

Der charismatische Kalanick, der als treibende Kraft hinter der aggressiven globalen Expansion von Uber galt, musste auf Druck von Investoren gehen. Zuvor legte eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung schwerwiegende Defizite offen.

Ein weiteres massives Problem ist eine Klage der Google-Schwesterfirma Waymo, die Uber den Einsatz bei ihr gestohlener Roboterwagen-Technologie vorwirft. Uber war in Finanzierungsrunden mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet worden und die Investoren wollen jetzt nach dem kostspieligen internationalen Ausbau eine Aussicht auf Profite.

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 22.09.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    der ist nicht schlecht:

    ''Im März entschied ein Gericht, alle Fahrer müssten einen Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse vorweisen. '' Wenn das so in der Schweiz wäre, gäbe es nur noch UBER-Taxis und kein offizielles mehr, denn ich hatte bis jetzt noch keinen Fahrer in einem öffentlichen Taxi, der der einheimischen Sprache mächtig war.

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  • Ruedi am 22.09.2017 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    alle Fahrer müssten einen Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse vorweisen.... Verstehe ich jetzt nicht. Das ist ja genau der grosse Vorteil von Uber, dass man nicht einmal mit dem Fahrer sich verständigen muss. Auch in Russland hat das immer super geklappt. Ich als Vielreiser finde es schade, dass Uber überall blockiert und Steine in den Weg gelegt werden. Und welcher Taxifahrer in der Schweiz kann denn Deutsch?

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  • Peter am 22.09.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit?

    Ich finde Uber sicherer als normale taxi

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas am 25.09.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Uber ist beliebt

    Und nicht nur wegen preis.In London sind mehere Leute am protestieren,das zeigt das Uber sehr beliebt ist !Es erinnert mich an die 30er jahre die prohibizionismus ära ,alkoholverbot usw..Herr Khan spielt mit sein job ,die taxilobby wird ihm nicht soviele stimme bringen wenn 60% der Bevölkerung Uber will

  • Barbarossa am 25.09.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzes London-Taxi

    Der typische schwarzer Taxi in England war nicht nur ein Taxi. Es war auch ein Helfer im Not, Geschichtenerzähler und Informationsstelle zugleich. Wenn es früher ca. 100'000 Taxis in London gab, gibt es heute ca. 400'000 dank Uber. Diese Uber-Fahrer sprechen meistens kein English und kommen meistens aus den muslimischen Ländern. Wenn man neben dem Religionsvielfalt, viele Fälle von Sexattacken oder sogar Vergewaltigungen in Betracht zieht, wurde die Regierung zur einer solchen Handlung gezwungen.

    • Daniel Müller am 25.09.2017 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Uber Fahrer sprechen sehr wohl Englisch

      Dem kann ich gar nicht beistimmen. Erstens erzählen Black Cab Driver gar nichts, da sie eine Trennscheibe zum Fahrgastraum haben. Und zweitens sprechen die Uber-Fahrer, bei welchen ich mitfuhr immer gut Englisch. Und ich bin während zwei Jahren in London sehr häufig Uber gefahren. Einzig, dass es häufig Muslime sind stimmt. Na und? Meist haben diese wahrscheinlich spannendere Geschichten zu erzählen als ein London-Taxi-Fahrer...

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  • Uber Benutzer am 25.09.2017 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    von wegen

    Wer bei uns nicht fähig ist sind unsere offiziellen Taxifahrer.Am Samstag feierten wir in einem Clubhaus Geburtstag,wollten dann ein Taxi ordern.Er wollte keines schicken,da das direkt an der Strasse stehende Clubh.(Allein auf weiter Flur)keine Hausnummer hatte, konnte ich auch keine durchgeben.Anruf abrupt abgebrochen. Uber Taxi bestellt,stand keine zwei Minuten später vor der Türe

  • zaria am 24.09.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verbietet Uber

    Uber kann unmöglich weltweit kontrollieren mit wem sie unterwegs sind. Uber lehnt denn auch jede Verantwortung ab, weil sie nur eine Vermittlungsplattform sind.

  • zarina am 24.09.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Uber Nein

    Wenn Sie mit Uber unterwegs sind und es passiert etwas. Da der Fahrer für alles selber verantwortlich ist, Versicherung etc.. Sie erleiden einen Schaden. Es ist gut möglich, dass alles an Ihnen als Kunde hängen bleibt. Uber ist nur eine Vermittlungsplattform und lehnt jede Verantwortung ab. Nein Uber macht alles kaputt. Taxifahrer kann man auch in einem regional geführten Unternehmen sein.