Spekulationen

13. April 2014 14:50; Akt: 13.04.2014 23:15 Print

Leidet der Nestlé-Präsident an Krebs?

Entzündetes Auge und eine Perücke: Die Schweiz rätselt über den Gesundheitszustand von Nestlé-Boss Peter Brabeck. Erkranken Konzernlenker, macht sich meist auch die Börse Sorgen.

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Nachträglich tönt alles ganz logisch und von Kommunikationsprofis perfekt orchestriert: «In unserer Organisation kann jeder innerhalb von 24 Stunden ersetzt werden, falls etwas passieren sollte», sagte Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck vor Wochenfrist im Interview mit der Zeitung «Le Temps». Dann schob er nach: «Wenn ich heute ein Problem hätte, wäre morgen ein neuer Nestlé-Präsident da. Alles ist geregelt und antizipiert.»

Warum nur hat der 69-jährige das so betont? Weil Unsicherheit Gift für die Investoren ist – und der Nahrungsmittelgigant damit rechnen musste, dass der Gesundheitszustand des langjährigen Konzernlenkers bald international Schlagzeilen machen würde. Sichtbar wurden Brabecks gesundheitliche Probleme an der Nestlé-Generalversammlung vom vergangenen Donnerstag. Der Österreicher litt an einem schwer entzündeten Auge, trug eine Perücke und versteckte seine Haut unter einer dicken Schicht Make-up. Seine Gesundheit aber erwähnte er mit keinem Wort.

Alters-Lymphdrüsenkrebs oder Darmkrebs?

Bei Brabeck sei eine heilbare Krankheit diagnostiziert worden, die während sechs Monaten regelmässiger Behandlung bedürfe, erklärte Nestlé am Freitagabend in einem Communiqué nach Börsenschluss. Die Fähigkeit, seine Funktionen als Verwaltungsratspräsident auszuüben, werde nicht beeinträchtigt. Auch bei diesem Statement wird klar: Nestlé will keine Zweifel über den Kurs des Unternehmens aufkommen lassen und betont den «courant normal».

Doch an welcher Krankheit leidet Brabeck, der noch vor zwei Monaten vital wirkte? Brabeck sei an Krebs erkrankt und müsse starke Medikamente nehmen, vermutet der «SonntagsBlick». Infrage kämen zwei mögliche Krebsarten: Alters-Lymphdrüsenkrebs oder eine Behandlung nach der Operation eines Darmkrebses, verriet ein Arzt der Zeitung. Beide sind theoretisch in sechs Monaten heilbar und Patienten werden mit Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt, was Brabecks Haarausfall und damit die Perücke erklären würde. Das entzündete Auge stammt laut Informationen des «SonntagsBlicks» zu 90 Prozent von einem geplatzten Äderchen und ist darum eher harmlos.

Kommunikation am Freitag nach Börsenschluss

Dass eine Erkrankung eines wichtigen Unternehmensführers den Aktienkurs beeinflussen kann, illustriert das Beispiel des im Oktober 2011 verstorbenen Apple-Mitbegründers Steve Jobs. Im Frühjahr 2009 hatte Jobs wegen seines Bauchspeicheldrüsenkrebses eine halbjährige Auszeit bekanntgegeben: Der Aktienkurs des Konzerns tauchte um über 6 Prozent.

Wie sich die Krankheit Brabecks auf den Aktienkurs auswirken wird, ist offen. Seit dem Statement des Nahrungsmittelriesen aus Vevey am Freitagabend blieb die Schweizer Börse geschlossen. Im ausserbörslichen Handel verlor der Titel rund 1,3 Prozent. Vermutlich hat der Konzern bewusst diesen Kommunikationszeitpunkt gewählt, damit die Investoren die beunruhigende Nachricht übers Wochenende verdauen können. Letzte Woche kündigte Brabeck an, sein Amt 2017 definitiv abzugeben. Dann wird der heute 69-Jährige die Altersbegrenzung erreicht haben, die der Nahrungsmittelkonzern in seinem Statut festgelegt hat.

(sas)