Bessere Effizienz

20. November 2012 09:16; Akt: 20.11.2012 10:24 Print

Credit Suisse krempelt den Laden radikal um

Wie die UBS baut auch die CS ihre Struktur um - laut Analysten aber halbherzig. Unter anderem kapselt die Grossbank das Schweizer vom US-Geschäft ab. Weitere Jobs streicht die CS vorerst nicht.

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Hire and fire bei den Schweizer Banken? In den vergangenen 15 Jahren haben die Institute immer wieder Stellen abgebaut. Die grössten Stellenstreich-Runden in einer Übersicht. Kahlschlag bei der Credit Suisse: In der Schweiz streicht CS-Boss Brady Dougan 300 Stellen, weil die personalintensive Betreuung von Kleinkunden und die Vermögensverwaltung für Wohlhabende zusammengefasst werden. Kahlschlag bei der Schweizer Privatbank Julius Bär. Wegen der geplanten Übernahme des Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch ausserhalb der USA will CEO Boris Collardi 15 bis 18 Prozent der Stellen abbauen. Das entspricht 850 bis 1030 Jobs. hat die UBS die Streichung von rund 7200 Jobs bekannt gegeben. Die Credit Suisse gab im selben Zeitraum den Abbau von rund 2000 Jobs bekannt. Laut dem Bundesamt für Statistik wies der Schweizer Bankensaktor Ende 2011 die Zahl von 124 400 Vollzeitstellen aus. Den Rekorstand erreichte die Branche nach dem 3. Quartal 2011 mit 125 000 Jobs. Zum Vergelich: 10 Jahren zuvor waren es 117 100 Stellen. machte den Banken die Schuldenprobleme in der EU und in den USA zu schaffen. Die UBS gibt bekannt, in der Schweiz 400 Stellen abzubauen. Kurz zuvor hat Konkurrentin Credit Suisse gemeldet, hierzulande 500 Arbeitsplätze abzubauen. Beim Eurogipfel wird ein Rettungsschirm beschlossen. Während die krisengeschüttelte UBS ihren Mitarbeiterbestand von 65 233 auf 64 617 reduziert, baut die CS trotz Staatsschuldenkrise und Euro-Rettungsschirm ihren Personalbestand von 47 600 auf 50100 weltweit aus. Die Pleite der Lehman Brothers erschüttert das Finanzsystem. Die UBS streicht nach den Milliardenverlusten in der Finanzkrise vor allem im Investment Banking 8700 Stellen weltweit. 2500 Mitarbeitende in der Schweiz sind betroffen. Ebenfalls als Folge der Finanzkrise baut die CS 5300 Stellen weltweit ab, davon 650 in der Schweiz. Nach dem Abgang von CEO Peter Wuffli jubeln die UBS-Investmentbanker in den USA. Marcel Ospel kündigt sogar eine neue Offensive in Amerika an: Höhere Risikobereitschaft, um den Anschluss nicht zu verpassen. Ein Fehlgriff: 2007/08 muss die Bank 6100 Stellen im Investment Banking weltweit streichen. (Im Bild: Unterzeichnung des Steuer-Vertrags zwischen der Schweiz und den USA) Die CS nimmt Abschied von der gescheiterten Universalbank-Strategie. Sie verkauft den Traditionsversicherer Winterthur an den französischen Konzern Axa. Mit einem Schlag nimmt die Zahl der Beschäftigten bei der CS von 63 523 auf 44 871 ab. Ein grosser Tsunami erschüttert die Welt, ein kleiner die Grossbank UBS: Um Kosten zu sparen und in Asien zu wachsen, müssen 400 Stellen in der Schweiz gestrichen werden. Nach einem Rekordverlust von 3,3 Milliarden Franken für das Geschäftsjahr 2002 muss das Duo Oswald Grübel (CEO Credit Suisse Financial Services CSFS) und John Mack (CEO Credit Suisse First Boston CSFB) die Bank wieder auf Vordermann bringen. Bei CSFS verschwinden 1250 Arbeitsplätze, davon mehr als 350 in der Schweiz. Auch Konkurrentin UBS streicht 800 Stellen in der Schweiz. Die CS verlagert Wertschriften- und Treasury-Transaktionen nach London. Die Folge: 300 Stellen weniger in der Schweiz. Unbemerkt von der Öffentlichkeit findet ein weiterer Stellenabbau von 22 Prozent statt. Die Belegschaft der CS schrumpft von 78 457 auf 60 837 weltweit. In der Schweiz sinkt die Zahl der Bankangestellten von 21 270 auf 19 661. Auch die UBS baut 1000 Stellen in der Schweiz ab. Die CSFB streicht nach Turbulenzen um ungedeckte Swissair-Kredite und Verluste bei CSFB sowie einem schwächeren Versicherungsgeschäft weltweit 2500 Stellen. Auch die UBS baut 600 Stellen ab. Im Millenium knallen bei 900 UBS-Mitarbeitenden die Korken nicht. Ihre Stellen werden abgebaut. Nichtsdestotrotz steigt die Zahl der UBS-Mitarbeitenden im Geschäftsjahr 2000 um 45 Prozent auf 71 076. Dies wegen der Übernahme des US-Brokers Paine Webber. Die beiden Traditionsbanken Bankgesellschaft und der Bankverein fusionieren. Die neue Bank startet mit 7000 Angestellten weniger. Das neue Konglomerat beschäftigt 55 176 Angestellte weltweit, davon 36 638 in der Schweiz. Konkurrentin CS streicht derweil 700 Stellen bei CSFB in der Schweiz. Im Jahr von Klonschaf Dollys Geburt entschliesst sich die CS zu einer Neuorganisation. 3500 Arbeitsplätze in der Schweiz fallen der Optimierung zum Opfer.

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Nach der UBS steht nun auch die Credit Suisse vor einem Umbau: Die Bank kündigte an, mehrere Divisionen zusammenzulegen und die regionale Führungsstruktur zu ändern. Dabei kapselt sie das Schweizer vom US-Geschäft ab, das Investmentbanking bleibt bestehen.

Weiter fusionieren das Private Banking und das Asset Management. Die neue Division Private Banking & Wealth Management wird künftig von einer Doppelspitze geführt: Hans-Ulrich Meister und Robert Shafir werden diese Positionen übernehmen.

Die Neuorganisation bringt nach Angaben der Credit Suisse keinen zusätzlichen Personalabbau mit sich. Mit der Restrukturierung seien keine neuen Kostensparziele gesteckt worden, sagte eine CS-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

«Wir haben schon vorher mitgeteilt, dass wir Kosten sparen müssen, das bleibt so», sagte Katrin Schaad. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Nachgang dieser Neuorganisation Stellen gestrichen würden. Diese würden sich aber im Rahmen der bereits angekündigten Sparmassnahmen befinden.

Geringere Kosten, bessere Effizienz

An die Spitze der Investmentbank setzt die Credit Suisse Eric Varvel und Gael de Boissard. Walter Berchtold, Chairman Private Banking, und die Geschäftsleitungsmitglieder Fawzi Kyriakos-Saad und Osama Abbasi verlassen den Angaben zufolge die CS.

Das Unternehmen bezeichnet die Restrukturierung in einer Medienmitteilung von Dienstag als beschleunigte Umsetzung der bereits eingeschlagenen Strategie - geringere Kosten, weniger Risiken, bessere Effizienz und Ausrichtung auf die strengeren Kapitalmarktregeln.

«Wir wollen in unserem Kundengeschäft weiter Marktanteile gewinnen und Kapital ausgeglichener zwischen den Divisionen Private Banking & Wealth Management und Investment Banking einsetzen», so Konzernchef Brady Dougan.

Anleger sind skeptisch

Den Aktionären scheint der Umbau der Bank nicht zu gefallen. Die CS-Titel reagierten mit Kursverlusten auf die Reorganisation. In einem schwächeren Markt brach der Titel zunächst 3,3 Prozent ein und setzte sich damit an die Spitze der Verlierer unter den europäischen Bankwerten.

«Die Bank hat die Zeichen zwar erkannt und schraubt auch ein wenig an der Reorganisation», sagte ein Händler. «Aber der Entscheid scheint etwas halbherzig.» Die Konkurrentin UBS hatte kürzlich einen Radikalumbau beschlossen und will grosse Teile des Investmentbankings schliessen. Der starke Kursanstieg der UBS-Aktien seitdem zeige, was im Markt von Banken erwartet werde.

«Die Ankündigungen machen Sinn, auch wenn wir grössere organisatorische Änderungen erwartet haben», erklärten die Analysten der Bank Sarasin. «Die Reorganisation ist eine Konkretisierung der bereits kommunizierten Kostenmassnahmen von insgesamt vier Milliarden Franken und wird darüber hinaus zu keinen weiteren Einsparungen führen», hiess es bei der ZKB.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Meier am 20.11.2012 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelspitze - funktioniert nicht.

    Keine Doppelspitze funktioniert wirklich. Wirklich Sparpotential würde bestehen wenn einer dieser oberen gehen würde. 20-30 Mio. liegen da drin mit einer Person, plus sein Stab und eine Reihe von MD's (5-7 reichen) und das Sparziel von 300 Mio. ist erreicht. Bei gleicher Vertriebskraft. - Think about it.

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  • Olav Talger am 20.11.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinlösung

    Schlussendlich wird bei der CS doch alles beim Alten bleiben, das Topmanagment kann sich von Jahr zu Jahr mehr die Kassen vollstopfen, während man auf Kosten der Mitarbeiter spart.

  • Konsument am 20.11.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dito

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Credit Suisse bewusst der UBS die Verkündung der schokierenden News zu überlassen nur um danach im Windschatten die selben Entscheidungen, ohne riesigen Medienwirbel auszulösen, ebenfalls treffen. Strategisch auf jedenfall geschickt :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Olav Talger am 20.11.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinlösung

    Schlussendlich wird bei der CS doch alles beim Alten bleiben, das Topmanagment kann sich von Jahr zu Jahr mehr die Kassen vollstopfen, während man auf Kosten der Mitarbeiter spart.

  • Thomas Meier am 20.11.2012 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelspitze - funktioniert nicht.

    Keine Doppelspitze funktioniert wirklich. Wirklich Sparpotential würde bestehen wenn einer dieser oberen gehen würde. 20-30 Mio. liegen da drin mit einer Person, plus sein Stab und eine Reihe von MD's (5-7 reichen) und das Sparziel von 300 Mio. ist erreicht. Bei gleicher Vertriebskraft. - Think about it.

    • V.B. am 20.11.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Doppelspitze wird ...

      Diese Doppelspitze wird funktionieren, denn ein zweiter erhält ja bestimmt einen Bonus!

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  • Simon Lennart am 20.11.2012 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Entscheid

    Ein wirklich notwendiger und guter Schritt der CS Führung. Die Kosten werden gesenkt und die Zusammenarbeit der verschiedenen Divisionen verstärkt. Bravooo CS-Spitze

    • L.B. am 20.11.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Die Kosten werden ....

      Die Kosten werden gesenkt und die Boni werden weiter steigen. Bravo!

    • Ineichen Cyrill am 20.11.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      Jenseits von Gut und Böse

      Also sie Mister Lennart Simon kommen in dieser Angelegenheit wirklich draus. Sie sind ein guter Mann. Toi Toii! wir brauchen in dieser düsteren Finanzwelt da draussen Leute mit Kenntnissen, wie SIE! Hut ab

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  • Der Kritiker am 20.11.2012 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ein erster Schritt

    Die Abkapselung vom US-Geschäft war dringend notwendig! Diesen Schritt hat die UBS leider noch nicht vollzogen. Allerdings sind die restlichen Umbaumassnahmen viel zu schwach. Die Risiken werden trotz anderer Bekundungen weiterhin bestehen bleiben.

    • K.G. am 20.11.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Erster Schritt ....

      Ich warte auf den letzten Schritt, denn "erste" Schritte hatten wir doch schon mehrere.

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  • Konsument am 20.11.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dito

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Credit Suisse bewusst der UBS die Verkündung der schokierenden News zu überlassen nur um danach im Windschatten die selben Entscheidungen, ohne riesigen Medienwirbel auszulösen, ebenfalls treffen. Strategisch auf jedenfall geschickt :)

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