Plötzlich arbeitslos

27. Juli 2017 18:35; Akt: 27.07.2017 18:36 Print

«Ich dachte, wer arbeiten will, findet auch einen Job»

von F. Lindegger - Marko verlor unerwartet seine Stelle in einem Industriebetrieb. Nun ist der 25-Jährige seit mehreren Monaten auf Jobsuche. 20 Minuten erzählt er seine Geschichte.

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Aufstehen zwischen sieben und halb acht, frühstücken, online nach passenden Jobs suchen, Bewerbungen abschicken: Die Stellensuche ist für Marko* längst zum täglichen Ritual geworden. Rund 100 Bewerbungen hat der 25-Jährige seit November verschickt, mit einer Anstellung hat es bisher nicht geklappt. Das nagt am Selbstvertrauen: «Ich dachte immer, wer arbeiten will, findet auch einen Job.»

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Bis zu seiner Entlassung im vergangenen November machte Marko eine klassische Schweizer Berufskarriere. Nach der obligatorischen Schulzeit absolviert er eine Lehre als Automechaniker. Mit dem Diplom in der Tasche wechselt der St. Galler den Arbeitgeber und arbeitet fortan als Mechaniker in einem Produktionsbetrieb mit mehreren Hundert Angestellten. Er repariert Maschinen und Anlagen an Gebäuden oder hält Gabelstapler in Schuss. Mit der Aussicht, im Unternehmen eine administrative Stelle anzutreten, beginnt Marko vor zweieinhalb Jahren eine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann.

Weiterbildung als Hindernis

Kurz darauf verlagert sein Arbeitgeber, eine Firma im Rheintal, die Produktion innerhalb der Region. Rund 30 Angestellte verlieren ihre Stelle. Marko ist von der Massnahme nicht betroffen, für ihn ändert sich nur der Arbeitsplatz. Im vergangenen Herbst folgt eine zweite Welle mit Entlassungen. «Jeden Monat wurde fünf, sechs Mitarbeitern gekündigt», so Marko. Im November erhält auch er die Kündigung. Seine Weiterbildung sei dabei einer der Gründe gewesen: «Früher oder später bis du sowieso weg», hätten ihm die Vorgesetzten beschieden.

Marko meldete sich bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) und gehört damit zu den insgesamt 133'603 registrierten Arbeitslosen in der Schweiz. Das RAV vermittelte ihm ein Praktikum als technischer Sachbearbeiter, das er zwischen Januar und Mai absolvierte. «Es war gut, wieder etwas in den Arbeitsalltag hineinzufinden. Ich bin es nicht gewohnt, zu Hause rumzusitzen», so Marko. Im April schloss er seine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann ab.

Absage wegen ausländischen Namens

Trotz Weiterbildung hatte er bisher keinen Erfolg bei der Job-Suche. «Wenn man auf so viele Bewerbungen jedes Mal eine Absage erhält, macht man sich schon seine Gedanken», sagt Marko. Besonders enttäuscht sei er gewesen, als man ihm aufgrund seines Namens einen negativen Bescheid gegeben habe. «Das Vorstellungsgespräch lief gut, und der Geschäftsinhaber erklärte, dass er mich einstellen würde. Doch seine Frau wolle das nicht, da ich einen ausländischen Namen hätte», erzählt Marko in perfektem Schweizerdeutsch.

Mit dem Jobverlust sind auch finanzielle Einbussen verbunden. Vor rund einem Jahr kaufte Marko eine Wohnung. Fast die gesamten Ersparnisse seien da reingeflossen. «Die ständige Unsicherheit belastet.» Besonders, da seine Frau in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartet. «Eigentlich haben wir geplant, dass sie nach der Geburt des Kindes das Pensum auf 50 Prozent reduziert.» Nun muss das junge Paar seine Pläne überdenken.

*Name geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fitnessdancing am 27.07.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz.

    Ja wenn man will findet man einen Job. Mit folgenden Abschlüsse: - 25 Jahre Berufserfahrung - 19 Jahre alt - 14 Uniabschlüsse im Master - 23 Sprachen fliessend - 5 Ausland-Aufenthalte - Auto, Lastwagen und Motoradprüfung

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  • Alida am 27.07.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....Kündigung erhalten

    Ich habe 17 Jahre in einem Büro gearbeitet. Jetzt mit 57 Jahren die Kündigung bekommen. Stelle sich einer vor wie schwierig es für mich wird. Aber gebe nicht auf!!

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  • Coco13 am 27.07.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Der perfekte Angestellte heutzutage: 100% Schweizer, jung und 50 Jahre Berufserfahrung. Ironie off. Wer dem nicht entspricht hat es immer schwer! Traurige Gesellschaft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AlessandraLu am 28.07.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrabgänger EBA chancenlos!

    Mein Sohn hat die LAP erfolgreich abgeschlossen und ist jetzt arbeitslos. Als Logistiker nur immer EFZ verlangt wird und er einen sehr guten EBA Abschluss hat.Wird er als 2 te klasse angeschaut! frechheit!!

  • Ein Leser am 28.07.2017 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Improvisation ist gefragt

    Dann muss man suchen und suchen vielleicht findet man etwas. Ich bin genau in der gleichen Situation, wenn man eine Weiterbildung macht findet man keine Arbeit bzw. nicht so einfach. Und im SG Rheintal dort hat man sowieso keine Chance am besten wegziehen. Der Druck der Grenzgänger kann dort niemand mehr standhalten.

  • P.Gross am 28.07.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin selber Schweizer

    Wenn man hier die Kommentare liest könnte man meinen Herr und Frau Schweizer währen verständnissvoll und warmherzig wen es um Arbeitslosigkeit geht. Leider habe ich in der Realität andere erfahrungen gemacht, man wird zum assozialen degradiert und die Menschen verlieren die achtung vor einem und man wird mit einer kälte und desinteresse ja sogar schon einer abneigung gleich behandelt.

  • Steven Berner am 28.07.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslos!

    Habe mit 44 meine Arbeit verloren und war 2.5 Jahre und arbeitslos. 297 Bewerbungen und die 293 führte zu einer neuen Anstellung. Bleibt zu erwähnen, dass diese weniger gut bezahlt ist. Ich jedoch, bin froh, wieder eine Stelle zu haben.

  • Daniela am 28.07.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    selbst Ausländerin

    Als ich vor 2 Jahren von einer Weltreise nach Hause kam, musste ich nicht viel Bewerbungen schreiben, von allen Bewerbungsgesprächen welche ich hatte, hatte ich Zusagen. Es kommt oft auch drauf an, wie Wortgewandt man im Bewerbungsschreiben ist, wie offen und freundlich man bei einem Bewerbungsgespräch auftritt. Mir wurde gesagt, dass mein Bewerbungsschreiben sehr spannend zu lesen war und ich sehr sympathisch und fröhlich aufgetreten bin. Da hat man meinen Nachnamen plötzlich vergessen. Das letzte mal hatte ich dieses Problem 2008 bei der Lehrstellensuche...