Online-Offensive

25. August 2017 13:48; Akt: 25.08.2017 13:48 Print

So kämpfen Warenhäuser um ihre Zukunft

von F. Lindegger - Der Detailhandel ist unter Druck. Besonders spüren das die Warenhäuser. Mit Erlebnissen und neuen Online-Angeboten wollen sie aus der Krise finden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Warenhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand: Globus kündigte im Mai eine grundlegende Neustrukturierung an, nun zieht Manor nach. Das Unternehmen streicht dabei am Hauptsitz in Basel bis zu 200 von 1000 Stellen. Die beiden grössten Warenhaus-Ketten der Schweiz reagieren damit auf laufend sinkende Umsätze. Bei der Vorstellung der Pläne von Globus erklärte CEO Thomas Herbert, dass die Zahl der Kunden in den Filialen innerhalb der letzten vier Jahre um 10 Prozent abgenommen habe.

Umfrage
Kleider kaufe ich ...
18 %
63 %
16 %
3 %
Insgesamt 3172 Teilnehmer

Wie dem gesamten Detailhandel setzen den Kaufhäusern der starke Franken, der Online-Handel und neue Konkurrenz aus dem Ausland zu. Warenhäuser treffe es aber eher, da sie oft stark auf Bekleidung setzten, erklärt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. «Bei Lebensmitteln sind die Auswirkungen von Digitalisierung und Auslandeinkäufen weniger gross als etwa bei der Mode.»

Teure Erlebnisse

Die grossen Schweizer Warenhäuser reagieren darauf etwa mit dem Ausbau ihrer Online-Shops. Hochreutener erwartet, dass es mehr und mehr zu einer Verschmelzung von Online- und stationärem Handel kommt. «Die Kunden informieren sich beispielsweise online und holen Waren im Geschäft ab oder bringen sie wieder dorthin zurück.» Allerdings würden im Non-Food-Bereich weiterhin rund 85 Prozent des Umsatzes stationär erwirtschaftet. «Am Mehrheitsverhältnis wird sich trotz stark wachsendem Online-Handel in naher Zukunft nichts ändern», so Hochreutener.

Um Kunden wieder vermehrt in die Geschäfte zu locken, setzen die Detailhändler unter anderem auf Erlebnis-Konzepte. Globus etwa liess im Zürcher Einkaufszentrum Glatt unlängst eine Art Käsekeller errichten, wo der Käse reift und veredelt wird. Um den Kunden solche Erlebnisse zu bieten, sind allerdings grosse Investitionen nötig.

So reagieren die vier grössten Warenhäuser der Schweiz auf die sinkenden Umsätze:

• Manor
Manor ist die grösste Warenhaus-Kette der Schweiz und beschäftigt rund 10'000 Angestellte. Das Unternehmen erzielte 2015 einen Umsatz von 2,64 Milliarden Franken. Neuere Zahlen sind nicht bekannt. Der Umsatz dürfte im vergangen Jahr aber tiefer ausgefallen sein. Im Januar trat der langjährige Konzernchef von Manor zurück. Der neue Manor-Chef Stéphane Maquaire krempelt nun das Unternehmen um und stellte seinen «Transformationsplan» vor. Kurz zusammengefasst: Kosten sparen und Online ausbauen. Am Hauptsitz in Basel werden 200 von 1000 Stellen gestrichen.

• Globus
Die Globus-Gruppe ist Teil der Migros und setzte 2016 rund 879 Millionen Franken um – was insgesamt einem Rückgang von über 5 Prozent entsprach. Die Globus-Gruppe, zu der auch die Modekette Schild und der Herren-Globus zählen, zählt rund 3400 Angestellte. Im Mai stellte das Unternehmen seine Umbau-Pläne vor. Die Marken Schild und Herren-Globus verschwinden bis 2019. Durch die Reorganisation gehen in der Zentrale in Spreitenbach 80 von 400 Stellen verloren. Zudem schliesst das Unternehmen einen Teil der Filialen, wobei weitere 30 Jobs gestrichen werden. Dafür will Globus den Online-Handel forcieren und baut einen neuen Online-Shop auf.

• Coop City
Das Warenhaus von Coop entstand 2003 durch die Übernahme der EPA. Der Umsatz von Coop City betrug 2016 rund 778 Millionen Franken – 2015 waren es noch über 800 Millionen Franken. Gut 2000 Angestellte arbeiten für das Unternehmen. Bisher versuchte Coop, die sinkenden Umsätze durch eine Neugestaltung der Warenhäuser zu stoppen. Im Gegensatz zu den Konkurrenten verfügt Coop City bislang über keinen eigenen Online-Shop. Im Frühjahr erklärte die Basler Genossenschaft, dass sie prüfe, auch für Coop City ein Online-Angebot zu lancieren.

• Jelmoli
Jelmoli erwirtschaftete 2016 rund 152 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Betriebsverlust von 2,4 Millionen Franken. Bereits im Vorjahr erzielte das Unternehmen keinen Gewinn. Jelmoli, das zum Immobilienkonzern Swiss Prime Site gehört, beschäftigt knapp 600 Angestellte. Das Zürcher Warenhaus setzt stark auf das sogenannte Shop-in-Shop-Konzept. Auf rund der Hälfte der Ladenfläche von Jelmoli betreiben Marken wie Nike oder Swatch eigene Geschäfte. Die übrige Fläche bewirtschaftet Jelmoli selbst. Das Unternehmen will zudem expandieren und wird am Flughafen Zürich 2019 neue Verkaufsflächen beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • onlineshopper am 25.08.2017 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrweg

    Manor-Onlineshop will für Rechnung per Email CHF 2.00. Kaum der richtige Weg.

    einklappen einklappen
  • 807687 am 25.08.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich setze bei meinem kleinen Laden

    auf Handarbeit in der angegliederten Werkstatt, auf kompetente Beratung, Reparaturen, und auf herzlichen Umgang mit der Kundschaft. Jeder Kunde soll sich bei mir wichtig, verstanden und gut betreut wissen, auch nach dem Kauf. Die Mund zu Mund-Reklame, die daraus resultiert, ist die nachhaltigste Werbung.

    einklappen einklappen
  • Schweizer am 25.08.2017 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Das verwundert mich überhaupt nicht bei diesen Preisen. Ich kaufe meine Kleider wenn möglich in Deutschland und Amerika online. Ich bezahle hier in der Schweiz nicht das doppelte für genau das Gleiche. Und die Bedienung in den genannten Warenhäusern lässt auch zu wünschen übrig.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flavio B am 26.08.2017 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Ja ich habe auch Angst um die Zukunft. Aber lasst mal als Kunden ruhe walten. Ihr seid auch ziemlich anstrengend ;-)

  • Peter Gilomen am 26.08.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Personalabbau und miserabler Kundendienst!

    Pedro War heute in Thun und habe mich für ein Laura-Star-Bügeleisen interessiert. Die Aktion wurde kurz zuvor Ausgerufen. Ausser an der Kasse war weit und breit kein Verkaufspersonal zu finden. Nach 10 Minuten haben wir dann den Laden verlassen ohne einen Einkauf zu tätigen. Und da wundert sich Manor, wenn die Umsätze ständig rückläufig sind. So nicht!

    • J.h am 26.08.2017 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Gilomen

      Ist mir in hinwil das gleiche passiert .kaufte es dann im interdiscount mit beratung.In der chefetagen der Manor sind nur Theoretiker die die kundschaft verärgern

    • Ricky am 26.08.2017 21:56 Report Diesen Beitrag melden

      @J.h

      Und ich habe dafür mit Interdiscount wiederholt sehr schlecht Erfahrungen gemacht in Sachen Kompetenz und Freundlichkeit. Desinteresse pur des (zu) wenigen Personals.

    einklappen einklappen
  • Minka am 26.08.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel der schlechten Qualität

    Ich gehe nur 1-2x im jahr kleider einkaufen. Und zwar bei Hessnatur. Es spielt für mich keine rolle, ob noch ein Warenhaus/shoppingmall usw aufmacht. Die Qualität aus bangladesh & co brauche ich nucht; und auch muss ich nicht jede Woche was neues haben. Setze auf Qualität statt Quantität. An mur verdient der ch-handel deshalb nucht.

  • Kunde am 26.08.2017 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parkhaus.

    Horrende Gebühren im Parkhaus. Jetzt zeigen die vom VCS verordneten Gebühren und verhinderte Parkplätze ihre ersten Erfolge.

  • w.au am 26.08.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    +++

    euch ist jede Ausrede recht um euren Auslandeinkauf zu rechtfertigen. Macht weiter so ihr sägt an eurem eigenen stuhlbein