Mobilität

18. Juli 2017 22:40; Akt: 18.07.2017 22:44 Print

China wird E-Autos zum Durchbruch verhelfen

Elektroautos sollen dank chinesischem Schub das Auto der Zukunft sein. Die Branche schwankt zwischen Skepsis und Zuversicht.

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Rigorose Industriepolitik: Ein Arbeiter in der Produktionsstätte des Geely-Konzerns in der chinesischen Stadt Ningbo. (Archiv) (Bild: Keystone/Eugene Hoshiko)

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Nach wie vor räumen auch angesehene Fachleute dem Elektroauto nicht allzu grosse Zukunftschancen ein. Zu wenig ökologisch und zu gering die Reichweite, lauten ihre Argumente. Aus ganz anderen Gründen scheint der Technologieentscheid jedoch bereits gefallen zu sein.

Volvo hat sich vor kurzem als Trendsetter der Mobilität inszeniert. Ab 2019 wolle der Autobauer keine Personenwagen mehr bauen, die nur mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, verkündet der Autokonzern aus Schweden. Volvo sprach dabei von einem «neuen Kapitel», das in der Automobil-Geschichte aufgeschlagen werde.

PW der Zukunft ist ein Elektroauto

Das sehen in der Branche jedoch noch lange nicht alle so. Nur einige Monate zuvor erklärte Mazda-Europa-Chef Jeffrey Guyton in einem Interview, dass der japanische Autobauer im Elektroauto nicht die Zukunft sehe. Es werde zwar bei Mazda bis 2020 mehr alternative Antriebe geben als heute, sagte er. «Aber für unsere Pläne sind Hybrid- oder Elektroautos nicht zentral.»

Ob Volvo oder doch eher Mazda recht behalten werden, wird sich weisen. Für ETH-Professor Konstantinos Boulouchos, der das Schweizer Kompetenzzentrum für effiziente Mobilität leitet, gibt es jedoch einen klaren Trend. «Im Moment spricht vieles dafür, dass der zukünftige Personenwagen ein Elektroauto sein wird», sagt er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Folge der Industriepolitik

Boulouchos sieht dafür vor allem einen Grund: China. Das Reich der Mitte habe in der Fahrzeugproduktion neue Verhältnisse geschaffen, sagt er. Ausschlaggebend dafür sei neben der Grösse des Landes und der starken Luftverschmutzung in vielen chinesischen Städten vor allem eine rigoros durchgesetzte Industriepolitik.

Tatsächlich hat sich China zum Ziel gesetzt, die Fahrzeuge für den eigenen Automarkt selbst zu produzieren. Allein aufgrund der immensen Grösse des Heimmarktes wird China so zur Auto-Supermacht und damit zum Taktgeber der zukünftigen Mobilitätstechnik aufsteigen. Den Systementscheid zugunsten E-Fahrzeugen habe dabei die chinesische Regierung aus technischen und versorgungstechnischen Gründen gefällt, sagt Boulouchos.

So sei es der chinesischen Industrie bei den Benzinmotoren nicht gelungen, den Rückstand auf die westlichen Autobauer aufzuholen. Bei der E-Mobilität jedoch habe China sowohl die nötigen Rohstoffe sowie auch die industrielle und finanzielle Potenz, um den Markt zu dominieren, sagt der Mobilitätsexperte. «Damit hat China alle Hebel in der Hand, um den Trend vorzugeben.»

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht erstaunlich, dass sich ausgerechnet Volvo zum Elektroauto-Vorreiter aufschwingen will. Volvo gehört seit 2010 dem chinesischen Autokonzern Geely. Auch Übernahmen von westlichen Autobauern oder Autozulieferern können demzufolge Teil der chinesischen Expansionsstrategie sein.

Benzinhybrid wäre ökologischer

Dass China sich für E-Mobilität entschieden hat, heisst laut Boulouchos jedoch nicht, dass Elektrofahrzeuge auch die beste Antwort auf die Umweltprobleme sind. «Auch im Bereich der PKW wäre die technisch und ökologisch beste Lösung vorerst noch ein Benzin- oder ein Gashybridauto», sagt er.

Der Grund dafür ist die Stromproduktion. So wird zum Beispiel in Europa noch viel Strom von Kohlekraftwerken erzeugt, was alles andere als klimaschonend ist. «Wenn man vor allem die CO2-Emmissionen reduzieren wollte, wäre es sinnvoller zuerst diese Kohlekraftwerke zu ersetzen anstatt damit E-Fahrzeuge zu betreiben», sagt Boulouchos. Für die nächsten 10 bis 15 Jahre wäre dies eindeutig der schnellere Weg zur angestrebten Absenkung der CO2-Emissionen.

Langfristig dagegen bestimme die Entschiedenheit der Umsetzung die Entwicklung. «Wenn sehr viel Geld in neue Energien und in den Ausbau der Übertragungsnetze investiert wird, kann der Umstieg auch bezüglich Emmissionen erfolgreich sein.» Boulouchos rät den europäischen Staaten in diesem Zusammenhang zudem ein verstärktes industriepolitisches Engagement.

China hat sich Rohstoffe gesichert

«Vor allem bei den Batterien ist es wichtig, dass die europäische Industrie nicht abgehängt wird», sagt er. Bei der Produktion ist sie bereits im Rückstand. China hat zudem mit der Sicherung wichtiger Schürfrechte für Batterie-Rohstoffe in Afrika die eigene Position in diesem Zukunftsmarkt weiter gestärkt.

Batterien sind aber auch technisch ein Schwachpunkt der E-Mobilität. Die als grosser Fortschritt bezeichnete Schnellladung ist gemäss Boulouchos nämlich ein Trugschluss. Denn bis jetzt ertrage keine Batterie auf Dauer eine solche Prozedur.

Aber auch bei diesem Argument gegen Elektroautos gilt, was Boulouchos über Batteriepreise und die Wirkung der Politik sagt. «Wir alle haben unterschätzt, wie schnell die Preise sinken und wie stark sich die Politik bei der Senkung der CO2-Emmissionen der Autos ins Zeug legt.»

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 18.07.2017 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Europäer sich nicht anstrengen,

    werden sie von China mit e-Cars links überholt.

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  • Erna F-H am 19.07.2017 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super find ich gut. Sie machen etwas sie sprechen nicht nur davon.

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  • Langnase am 18.07.2017 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Boooom

    "Tatsächlich hat sich China zum Ziel gesetzt, die Fahrzeuge für den eigenen Automarkt selbst zu produzieren" Na hoffentlich besser als beim ersten BUD Elektroauto. Da explodierten die Batterien. E-Roller sehe ich hier täglich hunderte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pepe am 19.07.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    E auto

    Die e autos sind noch in der entwicklung. Ich kauf einen und in ein paar jahren ist der wieder veraltet weil die teile oder so nicht mehr passen oder batterie probleme gibt. Lieber warten bis die richtig ausgereift sind.

  • Luki am 19.07.2017 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    E auto

    Und flugzeuge und helikopter auch mit strom. Wen jeder ein e auto hat wo kommt der ganze strom her. Im winter wen der strom knapp ist fahren wir trotzdem. Ich sitze im e auto mit kinder und es ist kalt und muss 2 stunden warten bis die batterie voll ist.

  • Dä Jesus am 19.07.2017 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sheepworld

    Schon lustig, dass alle bei E Autos ganz genau auf den CO2 ausstoss während der Produktion achten und immer darauf hinweisen wie "schmutzig" Stromer sind, dabei aber komplett ignorieren, dass Dieseler und Benziner auch nicht auf den Bäumen wachsen. Das ist so richtig schön naiv nachgeblöckt. Das Leitschaf der Öllobby blöckt es vor und alle Konsumschäfchen blöcken es nach, ohne zu merken, dass die, die reich werden mit Öl bewusst Verbrenner glorifiziert werden und Elektroautos dämonisiert.

  • DanyBS68 am 19.07.2017 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hybrid verkehrt?

    Wäre am besten statt volle E Autos zu bauen einen kleines bezinbetriebener generator in den Motorraum zu machen damit man damit die Batterie beim fahren wenn nur nich so 30 % vorhanden sind lädt. Ich sags mal so umgekehrt al es jetzt bei den Toyota Hybrids ist. Einen 5 oder 10 liter tabk wprde da dann sicher für 2000 + kilometer reichen und zudem auch weniger abgase in der lift als jetzt.

  • Sun Burner am 19.07.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonnenbrand

    MAG Schweissen mit einer Autogen-Schweissbrille gibt einen Sonnenbrand!!! Da merkt man dass China ein Entwicklungsland ist.