Bahngastronomie

14. September 2017 19:59; Akt: 14.09.2017 19:59 Print

Warum Speisewagen Defizite einfahren dürfen

von R. Knecht - Die SBB macht mit der Bahngastronomie millionenhohe Verluste. Trotzdem schafft das Unternehmen die rollenden Restaurants nicht ab.

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Die SBB macht mit der Bahngastronomie Verluste in Millionenhöhe. Auch in Zukunft werde das Unternehmen in diesem Bereich rote Zahlen im einstelligen Millionenbereich schreiben. Die SBB nehme diese Verluste in Kauf, weil das Angebot den Kundenbedürfnissen entspreche, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage von 20 Minuten. Darum plane die SBB weitere rollende Restaurants.

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Was könnte man am Gastronomie-Angebot der SBB verbessern?
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Die Essgewohnheiten unterwegs haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Insbesondere die Take-away-Angebote an Bahnhöfen sind beliebter geworden. Reisende finden an Bahnhöfen umfassende Verpflegungsmöglichkeiten vor, wie Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz, zu 20 Minuten sagt. So gibt es in der Schweiz mittlerweile etwa Brezelkönig-Filialen auf einzelnen Perrons.

Fahrpläne müssten überdacht werden

Oft ist es für Reisende auch einfach sicherer, sich schon vor dem Einstieg zu verpflegen. Der Grund: Nur wer jeweils den Fahrplan konsultiert, weiss, welches Angebot gerade besteht.

Das Gastronomiekonzept der SBB sei zu kompliziert, sagt Blättler. Man müsste das System grundsätzlich neu überdenken, sodass Kunden es sich einfach merken könnten. Ein Schritt wäre, auf allen Intercity- und Eurocity-Linien Verpflegung anzubieten, wie es die SBB zurzeit plant.

Verlagerung der Einnahmen

Blättler weist darauf hin, dass es sich bei den Verlusten der SBB im Gastronomie-Sektor um eine Verlagerung der Einnahmen handle. Das Verpflegungsgeschäft am Bahnhof sei lukrativ, weswegen die SBB mächtig Mietzinsen kassiere. Zwar seien deswegen die Einnahmen im Zug selbst kleiner, Blättler ist aber überzeugt, dass die Mieteinnahmen diese Verluste «um ein Vielfaches» wettmachen.

Die Deutsche Bahn (DB) geht laut einem Artikel von Spiegel Online davon aus, dass gewisse Reisende gerade wegen des gastronomischen Angebots den Zug als Transportmittel bevorzugen. Sofern diese Annahme zutrifft, liegt der Mehrwert der Bahngastronomie darin, dass zufriedene Kunden weitere Tickets oder Abos erstehen.

Im Ausland sieht es nicht besser aus

Laut Spiegel Online stehen auch bei der DB Defizite auf dem Menü: Mit rund 600 rollenden Restaurants habe das Unternehmen im vergangenen Jahr etwa 80 Millionen Euro Verlust eingefahren. Es seien auch schon schätzungsweise 150 Millionen Euro pro Jahr gewesen.

Auch im österreichischen Railjet decken Einnahmen aus der mobilen Gastronomie nicht den damit verbundenen Aufwand. Grund dafür ist, dass vor allem der Logistik-Aufwand und der Einsatz von Personal «extrem intensiv» sind, wie ein Sprecher der ÖBB zu 20 Minuten sagt. Allerdings würden auch in Österreich die Kunden den Service erwarten.

BLS versucht ihr eigenes Ding

Während andere Bahngesellschaften mit ihren Gastronomie-Angeboten Verluste schreiben, testet die SBB-Konkurrentin BLS momentan zwei Regioexpress-Züge mit sogenannten «Verpflegungszonen». Das Unternehmen wolle herausfinden, ob ein Angebot von Getränken und Snacks bei den Fahrgästen ankommt, sagt eine Mediensprecherin von BLS.

Falls ja, wäre es möglich, Verpflegungszonen in weiteren Zügen einzurichten. Die Sprecherin sagt, das Angebot solle sich sowohl für die Fahrgäste als auch die Bahngesellschaft lohnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meyer am 14.09.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Ich finde die Idee von der Mini-Bar / Board-Restaurant ganz gut und würde auch hin und wieder etwas konsumieren, wären die Preise nicht so astronomisch hoch. Vielen Mitreisenden geht es wohl ähnlich.

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  • böa am 14.09.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer

    Die Rechnung ist simpel: Am TakeAway, der Bahnhofsmigros etc... komme ich günstiger mit einem grösseren Angebot weg. Oder einfach gesagt, das Restaurant im Zug ist oft wohl schlicht zu teuer. (teilweise berechtigt durch Aufwände etc...)

  • Vladi am 14.09.2017 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Kein Wunder bei den Preisen ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • G.G am 15.09.2017 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Insider

    Schade bei diesen profesioniellen Küchengeräte die schon immer regelmässig gewartet und gereinigt wurde, was in den meissten Gastro Betrieben eher selten ist.

  • Martial2 am 15.09.2017 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marketing/Kalkulationssache...

    Speisewagen wären einen Erfolg, man muss nur daran arbeiten: Übliche Menüs, dass jeder gerne isst, gut geschultes Personal, und korrekte Preise wie in einem Mittelklasse-Restaurant. Also ein Tagesteller, mit Salat oder Suppe sollte nicht teuerer sein als 25 CHF. Der Erfolg wäre dann erreicht, das war früher auch den Fall!

    • Mariposa y otras am 15.09.2017 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Hören Sie doch endlich auf mit "Früher". Wann assen Sue das letzte Mal in einem SBB-Speisewagen? Sie schrieben vor Monaten, als im Bahnhof Luzern ALLES zusammenbrach und fremde Menschen einander Gratisfahrdienste anboten, wie froh Sie seien, zwei Autos zu besitzen und die SBB nie in Anspruch nehmen zu müssen. Sie sind für uns ein Plauderi. Schaltet den Kommentar. Anscheinend hat Martial2 ein Problem mit seinem Langzeitgedächtnis. Und Tschüüüs

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  • Spambot am 15.09.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Kommts beim durchlesen nur mir so vor oder sind da tatsächlich einige SBB Mitarbeiter kräftig am weibeln? Kommt teilweise so künstlich schleimig rüber... Meine Meinung zum Thema. Wenns keinen Gewinn bringt schliessen. Ist immerhin ein Subventionierter Verein, welche jedes Jahr die Preise erhöt. Da braucht es keine Minusgeschäfte für einige wenige Fahrgäste die da drin Platz haben.

  • Poodel am 15.09.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Und Eis für Getränke?

    Wenn man genug Platz hat, könnte man es endlich anbieten!

  • Pragmatiker am 15.09.2017 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Gastronomie???

    Das ist aber sehr stark übertrieben.

    • Martial2 am 15.09.2017 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pragmatiker

      Gastronomie kann man im Zug nicht betreiben, Küche zu klein, die Lebensmitteln sind beschränkt, die Kühlsysteme auch. Ergo anständige Mahlzeiten zu fairen Preise. Der Kunde befindet sich nicht in einem Gourmet-Tempel, das verlangt er auch nicht!!

    • SBB- und Flugreisender am 16.09.2017 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Dies ist weder in Kurz- noch in Langstreckenflügen möglich. Weshalb sollte es in Speiesewagen möglich sein? Trotzdem sind die Flugpassagiere zufrieden. Dies sollte Ihnen als Allwissender bewusst sein.

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