Diesel-Affäre

03. März 2017 16:09; Akt: 03.03.2017 16:16 Print

1200 Menschen werden vorzeitig sterben

Forscher haben die Gesundheitsfolgen von manipulierter Schadstoff-Software infolge des VW-Abgasskandals betrachtet. Diese haben europaweite Auswirkungen.

storybild

Abgas-Manipulation hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit: Rauchender Autoauspuff. (Archiv) (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Infolge des VW-Abgasskandals werden einer Studie zufolge mehr als tausend Menschen in Deutschland und seinen Nachbarländern vorzeitig sterben. Aufgrund des vermehrten Schadstoffausstosses bei 2,6 Millionen VW-Fahrzeugen, die in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2015 verkauft wurden, würden 1200 Menschen in Europa ein Jahrzehnt ihrer Lebenszeit verlieren, heisst es in der heute veröffentlichten Studie.

Allein 500 vorzeitige Todesfälle wird es laut der Studie in Deutschland geben. Die übrigen 700 Fälle werden in Nachbarländern erwartet, darunter Polen mit 160 Fällen, Frankreich mit 84 und Tschechien mit 72. Dies entspreche zusätzlichen Gesundheitskosten und einem Verlust an Arbeitsproduktivität in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

Rund eine halbe Million Autos in den USA

An der im Fachmagazin «Environmental Research Letters» veröffentlichten Erhebung waren Forscher des renommierten Massachussetts Institute of Technology (MIT), der Universität Harvard und der belgischen Universität Hasselt beteiligt. Sie hatten bereits ausgerechnet, dass der VW-Abgasskandal in den USA zu 60 vorzeitigen Todesfällen führen könnte. Dort wurden 482'000 Volkswagen-Fahrzeuge verkauft, die mit der manipulierten Software ausgestattet waren.

Volkswagen hatte im Jahr 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm sorgt bei standardisierten Tests für einen niedrigeren Ausstoss von gesundheitsschädlichen Stickoxiden als im normalen Betrieb im Strassenverkehr. In Deutschland wurden entsprechend manipulierte Fahrzeuge unter den Marken VW, Audi, Skoda und Seat verkauft.

Immense Einsparungen bei Rückruf möglich

Stickoxide aus Dieselautos werden zusammen mit Ammoniak zu Feinstaubpartikeln, die tief in die Lunge eindringen können und so zu Krebs, chronischen Atemproblemen und vorzeitigem Tod führen können. Luftverschmutzung «macht sich nichts aus politischen Grenzen: sie geht einfach darüber hinweg», erklärte Steven Barrett, Co-Autor der Studie. Daher könne ein Auto in Deutschland leicht «bedeutende Auswirkungen auf Nachbarländer haben, vor allem in dicht besiedelten Gebieten wie dem europäischen Kontinent».

Sollte Volkswagen bis Ende 2017 alle in Deutschland betroffenen Autos zurückrufen und nachrüsten, «würde dies 2600 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und 4,1 Milliarden Euro an Gesundheitskosten verhindern», erklärten die Autoren. In Europa wurden mehr als acht Millionen Autos mit Manipulations-Software verkauft. Seit Bekanntwerden des Skandals rüstete Volkswagen nach eigenen Angaben 3,4 Millionen Wagen nach.

400'000 Todesfälle in Europa pro Jahr

Das Internationale Krebs-Forschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Diesel-Auspuffgase im Jahr 2012 als krebserregend ein. Die Europäische Umweltbehörde geht davon aus, dass jedes Jahr mehr als 400'000 Menschen wegen Luftverschmutzung in dichtbesiedelten Gebieten Europas vorzeitig sterben.

Dem MIT zufolge war der Stickoxid-Ausstoss der von Volkswagen manipulierten Autos im Schnitt viermal so hoch wie der europäische Grenzwert. Für ihre Studie verwendeten die Wissenschaftler Daten über die Volkswagen-Emissionen, Angaben darüber, wie oft und wie weit deutsche Autofahrer fahren, sowie die Luftverschmutzung beeinflussende Faktoren wie Wind und Regen.

Sie erstellten eine Karte zur Luftverschmutzung und eine Karte zur Bevölkerungsdichte in Europa und legten diese übereinander. Auf dieser Grundlage kalkulierten sie die Belastung der Europäer durch die überhöhte Luftverschmutzung durch den VW-Skandal und ihr erhöhtes Risiko eines vorzeitigen Todes.

(nag/afp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jimmy Neutral am 03.03.2017 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Amis

    Macht euch mal über die Lebensmittelindustrie gedanken.

  • Point Man am 03.03.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt und Älter

    Und ich dachte die Menschen werden immer älter! Man wie falsch ich doch lag :-))

  • guhu am 03.03.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relevanz

    seien wir ehrlich 1400 sind statistisch nicht relevant.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 06.03.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Diesel in der Luft beeinträchtigt meine

    Ich kann diese Studie nur bestätigen, da sich die Auswirkung von Dieselabgasen innert weniger Sekunden nach dem Einatmen in meiner Lunge bemerkbar machen.

  • Martial2 am 04.03.2017 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesiges Theater wegen VW...

    Warum das? Früher waren Diesel-Motoren nicht sehr beliebt, wegen Russpartikel und hohe CO2 Austoss. Heutzutage sind diese Motoren so sauber wie Benziner: Russpartikel-Filter, Kat. usw!!

  • Michael Juettner am 03.03.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieselhysterie

    Ist doch ganz eindeutig, das das Leben tödlich endet ! Da ist diese Dieselhysterie doch nur ein Mikropartikel im Geammtkosmos, denke es gibt so viel letalere Faktoren weltweit!

  • Chnoblibrot am 03.03.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben

    Schön werden die Menschenleben sogleich in Arbeitsleistung bzw. in Geld umgerechnet. Menschenleben=Wirtschaftskapital

  • marko 32 am 03.03.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafe

    Und was passiert jetzt weiter Nichts