CS-Generalversammlung

28. April 2017 09:30; Akt: 28.04.2017 15:46 Print

Boni angenommen – Urs Rohner im Amt bestätigt

Die Generalversammlung der Credit Suisse ist vorbei. Die Bankchefs können aufatmen: Urs Rohner wurde als VR-Präsident bestätigt und sie bekommen ihre reduzierten Boni.

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Greenpeace-Aktivisten geifen an der GV der CS den Pipeline-Deal an. Sie seilten sich von der Decke ab. Dies führte zu einem Unterbruch der GV. Schliesslich konnte es aber wieder weitergehen. Turbulent ging es heute auch schon vor dem Hallenstadion zu und her: Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen die Grossbank. Die Polizei musste einschreiten Sie fordern ein Ende des Pipeline-Baus in North Dakota. Die CS ist an dem Projekt involviert. Die Aktivisten von Greenpeace liessen sich von der Polizei raustragen. Auch bis ganz nach vorne aufs Podest hatten die Greenpeace-Aktivisten es geschafft. Zuvor wurde Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der CS, an der GV nicht müde, die gute Nachrichten zu verbreiten: Es seien wichtige Meilensteine im Konzernumbau erreicht worden, so Rohner weiter. Die Gründung der Credit Suisse Schweiz habe den «Betrieb erfolgreich aufgenommen». Kriegt Tidjane Thiam seine Anliegen an der heutigen GV durch? Der CEO ist natürlich in Oerlikon auch präsent. Zumindest vor der GV war den beiden das Lachen noch nicht vergangen. Tidjane Thiam (links), CEO der Credit Suisse, und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner auf einem Archivbild. Die Grossbank steht aber auch wegen ihrer Boni-Politik in der Kritik. Die Anlagestiftung Ethos - im Bild Direktor Vincent Kaufmann - empfiehlt den Aktionären eine Ablehnung der Boni. Auch grosse Stimmrechtsvertreter wie ISS oder Glass Lewis empfehlen ein Nein zu den variablen Vergütungen. Der Teilbörsengang des Schweizer Geschäfts der CS wurde diese Woche abgeblasen. Überraschend kam das gute Abschneiden der Bank im ersten Quartal: Sie hat 596 Millionen Franken Gewinn gemacht. «Wir haben Vertrauen aufgebaut», sagte CS-Chef Thiam.

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Die Aktionäre der Credit Suisse haben an der heutigen Generalversammlung den Vergütungsbericht 2016 mit einer eher knappen Mehrheit angenommen. Sie stimmten an der konsultativen Abstimmung an der Generalversammlung vom Freitag mit 58 Prozent zu.

Die Gossinvestoren-Vertreter der Credit Suisse haben dem Kritiksturm der Aktionäre somit den Wind aus den Segeln genommen. Trotz der Ablehnung der grossen Stimmrechtsvertreter wie ISS, Glass Lewis und Ethos behielten die Vertreter die Überhand. Im vergangenen Jahr wurde der Vergütungsbericht noch mit 80 Prozent angenommen.

Rohner zeigt sich enttäuscht

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner zeigte sich enttäuscht. «Das ist deutlich unter den Vorjahren», kommentierte er das Resultat. Der Verwaltungsrat werde die Konsultationen mit den Aktionären intensivieren und sich Gedanken machen über die Vergütungspolitik. Weiter: «Wir wollen keinen Vergütungsbericht, der knapp mit 58 Prozent angenommen wird.»

Urs Rohner selbst hat ausserdem trotz grosser Kritik an der GV seine persönliche Wiederwahl geschafft. Die Versammlung hat ihn mit 91 Prozent Prozent im Amt bestätigt. Rohner kann also aufatmen.

Protest von Greenpeace

Zuvor war es zu einer Protestaktion der Umweltschützer von Greenpeace gekommen. Während der Rede von CS-Chef Tidjane Thiam liessen zwei angeseilte Greenpeace-Aktivisten ein gelbes Plakat vor der Tribüne herunter mit der Aufschrift «Stop dirty pipeline deals». Thiam sagte dazu vor dem fast vollen Zürcher Hallenstadion: «Ich unterstütze die freie Meinungsäusserung», und fuhr fort.

Die Greenpeace-Aktivisten wurden von der Polizei abgeführt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker teilte zudem am Freitag mit, sie reiche Beschwerde ein beim Nationalen Kontaktpunkt (NCP) für die OECD-Leitsätze (angesiedelt beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco). Vor dem Zürcher Hallenstadion, wo die GV stattfindet, demonstrierte die Organisation mit Flugblättern und farbigen Federn.

Protest gegen Pipeline

Der Protest richtet sich gegen eine Pipeline, die im US-Bundesstaat North Dakota durch ein Gebiet verlaufen soll, in dem der Stamm der Standing Rock Sioux heilige Stätten hat. Die Ureinwohner sind nicht nur über die Entweihung des Landes empört, sondern befürchten auch, dass ihr Trinkwasser durch Leitungslecks verseucht werden könnte.

Vor der mit Spannung erwarteten Konsultativabstimmung ergriffen ausserdem dreizehn Aktionäre das Wort, um sich über die hohen Boni für die Chefetage zu beklagen. Zuerst das Wort ergriff Hans-Jakob Heitz. Die CS sei eine Wiederholungstäterin, sagt Heitz. «Wir sind nicht käuflich mit einem Bonus-Verzicht.» Die Manager hätten statt Boni Mali verdient. Er frage sich, ob Urs Rohner schon mental abgedankt habe.

«Ich habe weder mental, noch sonst abgedankt»

Angesichts der Greenpeace-Aktion stellte Heitz die Zuverlässigkeit des Sicherheitsdispositivs im Hallenstadiums in Frage. Rohner betonte, dass das Sicherheitsdispositiv zuverlässig sei. Und fügte hinzu: «Ich habe weder mental, noch sonst abgedankt.»

Ins verschneite Zürich-Oerlikon sind am Freitag 1640 Aktionäre gekommen, die 1,27 Prozent des Aktienkapitals vertreten. Im Saal vertreten waren insgesamt 13,4 Milliarden Stimmen.

(vb/kwo/20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heinz am 28.04.2017 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    gewinn auf kosten von entlassungen

    kein gewinn kein bonus!

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  • Frau Holle am 28.04.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    solange rote Zahlen geschrieben werden..

    Massivst tiefere Gehälter und keine Boni solange diese Bank rote Zahlen schreibt. Und keine Entlassungen mehr der kleinen Arbeiter.

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  • Beobachter am 28.04.2017 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen abgebaut?

    Das stimmt nicht ganz. Wo kein Vertauen vorhanden ist, kann auch keines abgebaut werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • abc am 29.04.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jobs bei Konkurrenz

    Wenn die Kunden zur Konkurrenz gehen, dann gehen die notwendigen Angestellten auch mit. Somit verlieren die kleinen Angestellten ihren Job nicht. Dafür stirbt dann dieser morsche Verein CS!

  • Sparsäuli am 29.04.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös

    Ja ja macht nur munter weiter so!! Und wir bekommen 1% Lohnerhöhung!!

  • Herrcool.es am 29.04.2017 01:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt hat die Bank

    noch eine Altlast. Das ist ihr VR-Präsident

  • Ein aktionar am 29.04.2017 00:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total vertrauen

    Ein sehr klares Zeichnen für Herr Rohner, mit 90% Stimmen vertrauen ihn (fast) alle Aktionären, Ende der Diskussion

  • Rolf Schweizer am 28.04.2017 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Jammern über Bonis, aber dem VR zustimmen. Wann begreifen die Aktionäre, dass sie diesbezüglich mehr bewegen könnten, in dieser Angelegenheit...

    • Jean110 am 28.04.2017 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Wer bestimmt ?

      Wer sitzt bei GV? Sie ? ich ? NEIN. Genau die gleiche Type (Mangers und Ceos) wie auf der Bühne

    • juka am 28.04.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Schweizer

      sehr geehrter Herr Schweizer ich war heute dabei, gut 1600 Aktionaere waren da , auch Vertreter von groesseren Aktienpaketen. Leider nicht genug, da die groessten Aktionaeren auf dieser Welt einverstanden sind mit den gebahren de Verwaltungsrat, aus welchen gruenden auch immer. ich versichere Ihnen die Wut und die Machtlosigkeit von uns "kleinen" war Maslos. Denke aber immerhin sollte bei solcher Arroganz doch etwas klein wenig angekommen sein. steter Tropfen hoehlt den Stein.

    • mth.sch. am 28.04.2017 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Schweizer

      Das kann nie geschehen. Die einzelnen Grossaktionäre (sehr wenige) überstimmen die Kleinaktionäre (sehr viele). Simpel ausgedrückt, es gilt das Gesetzt, pro Aktie eine Stimme, nicht pro Aktionär eine Stimme.

    • Peter Ärger am 29.04.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Vorbestimmte GV's

      @Rolf Schweizer Eigentlich bräuchte es gar keine GV mehr, da Pk Versicherungen andere Banken sowie Grossindustrie und Grossinvestoren bereits schon 55% im Sinne der Bank ihre Stimme abtreten oder vertreten lassen. Altes Sprichwort eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus. Kurzum; das Ganze ist nur eine Farse die schon vorbestimmt ist. Kein Witz, aber Realität 1:1

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