Nigeria-Connection

22. Juli 2012 19:07; Akt: 23.07.2012 09:26 Print

Deshalb bekommen wir so stupiden Spam

von Alex Hämmerli - Je irrwitziger ihre Geschichten über reiche Verwandte und Prinzen, die in Nigeria Millionen hinterlassen haben, desto erfolgreicher sind Cyber-Betrüger. Das zeigt eine neue Studie.

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Nur die Leichtgläubigsten fallen auf die Nigeria-Connection rein.

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Jeder von uns hat sie schon bekommen: E-Mails von angeblichen Vertretern verstorbener afrikanischer Geschäftsleute, die Millionenbeträge versprechen, wenn man denn nur die «dringend benötigten» paarhundert Dollar überweist, um letzte bürokratische Hürden zu überwinden. Das Englisch oder Deutsch ist grottenschlecht, die Story haarsträubend unglaubwürdig.

Bei den allermeisten Computernutzern landen die E-Mails dort, wo sie hingehören: Im Papierkorb. Nur schwer kann man sich vorstellen, dass jemand auf einen solch plumpen Betrugsversuch reinfallen könnte. Dennoch muss sich das Geschäft mit der millionenfachen Spam-Lüge lohnen, denn sonst hätten es die Gauner längst aufgegeben. Nun zeigt eine neue Studie der Microsoft-Forschungsabteilung, dass die Nigerianischen Scammer (engl. Betrüger) mit ihren hanebüchenen Geschichten gezielt nach den Leichtgläubigsten unter den Leichtgläubigen suchen.

Misstrauische werden so früh wie möglich ausgesiebt

Die Logik ist folgende: Der millionenfache Versand von Mails ist fast gratis. Schreibt ein potenzielles Opfer aber zurück, so muss der Betrüger auf die Antwort reagieren. Das wiederum verursacht grossen Aufwand, da das Opfer nun im Zuge etlicher E-Mails davon überzeugt werden muss, das Geld zu überweisen. Riechen in dieser Phase zu viele den Braten und springen vorzeitig ab, bedeutet das für die Betrüger einen Verlust.

Um solche Situationen möglichst zu verhindern, sind die Lockangebote so offensichtlich mies verfasst. Microsoft-Experte Cormac Herley schreibt in seiner Studie, das diene den Scammern als Filter, um sogenannt «falsch-positive» Kontakte, die nichts als Mühe verursachen, auszusortieren. Was bleibt sind die wirklich Leichtgläubigen, die sich bis zum Schluss problemlos übers Ohr hauen lassen.

Auf der Jagd nach den Betrügern

Stimmt die These von Herley, könnte man den internationalen Scam-Betrug ausmerzen. Es müsste nur eine genügend grosse Masse an Empfängern auf die Angebote zum Schein eingehen, obwohl sonnenklar ist, dass hinter dem Prinzen ein krimineller Ring steht. Exakt dieses Vorgehen hat sich zum Hobby einiger Internet-Aktivisten entwickelt, etwa der Betreiber von 419eater.com. Die Zahl 419 steht für den entsprechenden Paragraphen im nigerianischen Gesetzbuch.

Wie gross ist der Schaden?

Wie viele Menschen den E-Mail-Betrügern auf den Leim gehen, lässt sich nur schwer ermitteln. Denn oft melden sich die Opfer nicht – etwa weil es ihnen peinlich ist, dass sie auf die billige Masche reingefallen sind – oder weil sie sich bewusst sind, dass sie das Geld ohnehin nie mehr sehen werden. Konkrete Schweizer Zahlen gibt es daher weder bei der Meldestelle Melani, noch beim Bundesamt für Statistik noch beim Bundesamt für Polizei. Die holländische Firma Ultrascan schätzte im Jahr 2007, dass der finanzielle Schaden damals 4,3 Milliarden Dollar betrug. Neuere Zahlen gibt es nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thibault Müller am 24.07.2012 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Geschichte:

    Bei meinem Grossvater ging das genauso - einfach per Post. Er hat dem ganzen natürlich glauben geschenkt und millionen nach Nigeria oder wo auch immer geschickt...

  • SysAdmin am 23.07.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    System - Administratoren informieren!

    Nun müsste man es eigentlich in die Pflicht der Mail-Server Administratoren legen! Jeder moderne Mail-Server hat einen Spamfilter. Anstatt nun die Mails zu filtern, müssten Sie mit einer einfachen, am besten variierenden Antwortmail automatisch beantwortet werden. So bekämen die Spammer dann plötzlich Millionen Mails zurück und wären mit dem beantworten / aussortieren derart beschäftigt, dass das Ganze nicht mehr rendieren würde...

    • Per Fect am 23.07.2012 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Coole Idee

      Verkauf sie an Yahoo und co. ;)

    • Root Zürich am 24.07.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Na Toll schon mal was von "Kollateraler Spam" gehört??? du als Sys Admin solltest wissen das es Span gibt die genau dann, wenn du Antwortest noch mehr Spam erzeugst....geh mal über die Bücher hier ein Tip "Spam & Viren bekämpfen" O'Reilly Verlag.

    • Swissbay am 24.07.2012 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Return

      super Idee. Return Spam. Warum wird das nicht gemacht ???

    • Mike_TG am 25.07.2012 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      natürlich - so erwischts garantiert die

      FALSCHEN. Schon aufgefallen das die Absender-Adressen NIE die korrekten sind? Man kann JEDE E-Mail-Adresse (inkl. Phantasienamen) als Absender angeben. die autom. Mail ginge dann an jenen. Mailbox-Bombing. DDoS. Suchen Sie sich den passenden Begriff aus.

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  • Lüku am 23.07.2012 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Geschichte

    Meinem Grossvater wurde mal ein Brief in schlechtem deutsch zugeschickt dass er letzten Monat einen Lotteriegewinn von 5 Millionen Franken im Ausland gemacht habe. Er solle doch eine kleine Bearbeitungsgebühr entrichten um das Geld zu erhalten. Das Problem an der ganzen Sache: Er war zu diesem Zeitpunkt schon 10 Jahre verstorben.

  • Ardnas Rellüm am 23.07.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    es passiert auch bei kleinanzeigen

    hierzulande kann einem das auch viel einfacher passieren: zB. wenn man einen artikel verkaufen möchte. für den laien sieht es unverfänglich aus, denn die betrüger versuchen die verkäufer mit gefälschten paypal oder bank mails zum versand der ware zu bringen, obwohl kein geld eingegangen ist. das ist vielleicht nicht so einfach durchschaubar, wenn man nicht täglich damit zu tun hat. am schluss ist man ware und geld fürs versenden los.... ich melde solche sachen immer postwendend an kobik.ch und der nigerianischen sonderbehörde efccnigeria.org.

  • Kirk am 23.07.2012 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt.....

    Also wenn die Schadenssumme tatsächlich stimmt, dann sind diese dreisten Kerle tatsächlich einiges schlauer als wir.... ich hab schon vor 20 Jahren einen meiner Kunden davon abgehalten, Geld dahin zu schicken... Einige, die ihrem Geld nachgereist waren, kamen nie wieder zurück... tja die Gier..