Vom Druck zur Depression

08. Oktober 2012 09:33; Akt: 08.10.2012 11:51 Print

Die Globalisierung macht uns krank

von Elisabeth Rizzi - Die Zahl von Depressionen hat laut einer Studie nicht zuletzt wegen der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt zugenommen – vor allem bei Jungen. Doch das ist nur eine Seite der Wahrheit.

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Die wirtschaftliche Globalisierung hat unser Arbeitsleben verändert. Die zunehmende Flexibilisierung und Arbeitssicherheit macht viele Menschen depressiv. (Bild: Colourbox)

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Die wirtschaftliche Globalisierung schlägt auf die psychische Gesundheit – und zwar auch hierzulande. Eine Studie der Kalaidos Fachhochschule Schweiz zeigt, wie die Globalisierung in den letzten 25 Jahren unser Arbeitsleben beeinträchtigt hat: Der Druck und die Flexibilisierung im Beruf haben zugenommen. Gleichzeitig sind die sozialen Netzwerke zerfallen – allen voran die Familien.

Beides zusammen trägt laut der Studie zu einem Anstieg depressiver Erkrankungen bei. Denn das Entstehen von Depressionen lässt sich zu 65 Prozent auf äussere soziale Faktoren zurückführen. Nur 35 Prozent macht dagegen die genetische Veranlagung aus.

Verlorener Optimismus

Um die Erkenntnisse aus der Wissenschaftstheorie in der Praxis nachzuweisen, hat Autor Rochus Troger die konkrete Situation in Zürich untersucht, dem wirtschaftsstärksten Kanton der Schweiz. Am stärksten anfällig auf depressive Erkrankungen sind laut der Studie Kinder und Jugendliche. Sie würden bezüglich Schutz und Betreuung vernachlässigt und erleben durch ihre gestressten Eltern das Arbeitsleben negativ. Gleichzeitig verlieren sie ihren Optimismus sowie die Überzeugung, die Dinge in ihrem Leben kontrollieren oder sich selbst verwirklichen zu können.

Bei den jungen Menschen hat die Zahl der Erkrankungen zumindest im Kanton Zürich besonders deutlich zugenommen. Auch bei Migranten sind die psychische Belastung und damit die Anfälligkeit auf eine depressive Erkrankung überdurchschnittlich stark ausgeprägt.

Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Depression sind beträchtlich. So entstehen laut Troger jährlich direkt messbare Kosten in Bezug auf Depression von mehr als 300 Millionen Euro allein im Kanton Zürich. Der Autor schätzt die indirekten Kosten bzw. die Dunkelziffer allerdings bedeutend höher. Seine Schlussfolgerung: Das Arbeitsleben muss wieder humaner gestaltet werden.

«Früher war alles besser»

Für Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland und Mitglied der OECD-Projektgruppe «Mental Health and Work» ist das allerdings nur die halbe Wahrheit. «Weder ist sicher, dass die Belastungen insgesamt im Arbeitsleben gestiegen sind, noch ist bewiesen, dass Depressionen zugenommen haben», warnt er. So könne auch die veränderte Bereitschaft der Bevölkerung, psychische Probleme zuzugeben, zu einem Behandlungsanstieg führen.

«Klar ist bloss, dass sich die Lebensverhältnisse laufend ändern, dass es aber ein starkes Bedürfnis gibt zu denken, dass früher alles besser war», so der Experte. Klar sei auch, dass es heute viel mehr professionalisierte Strukturen für Kinder und Eltern gäbe.

Doch auch Baer gibt zu, dass nicht alles zum Besten steht. Tatsächlich warnt auch seine Arbeitsgruppe, dass innerhalb der OECD-Länder psychische Erkrankungen ein wachsendes Problem sind, die das Wohlbefinden und die Produktivität am Arbeitsplatz beeinträchtigen.

Statt Giesskannenprinzip für alle fordert er aber gezielte Schritte gegen die Ausgrenzung. «Flexibilisierung ist nicht per se schlecht. Aber die Veränderungen in der Arbeitswelt und die Professionalisierung von Hilfen sollten nicht dazu führen, dass immer mehr psychisch belastete Personen aus den Betrieben ausgegliedert werden», so Baer. Damit meint er vor allem frühzeitiges Eingreifen und Behandeln.

Der Arbeitspsychologe fordert nicht nur Arbeitgeber und die Invalidenversicherung auf, nicht wegzusehen, sondern auch die behandelnden Ärzte. «Sie werden meist zu wenig oder zu spät aktiv, erst wenn die Patienten schon vom Stellenverlust bedroht sind.» Daneben sollte auch mehr in junge Menschen investiert werden. Gerade bei psychisch verletzlichen Jungen sei mehr Unterstützung nötig, um den Übergang von der Schule ins Erwerbsleben nachhaltig zu sichern.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Familie? Gibt es die noch? Mann und Frau arbeiten und die Kinder überlässt man sich selbst. So zerfällt die Gesellschaft nach und nach. Die Wirtschaft möchte den Menschen am Liebsten gleich vom Kindergarten weg einstellen. Früher durfte man bis zun sechsten Lebensjahr noch einfach Kind sein. Heute mit 4Jahren in die Spielfruppe, dann Kindergarten und ab in die Schule. Die Eltern sind froh, wenn die "Bälger" bis zum Abendbrot weg sind von zu Hause. So haben sie Zeit um Geld zu scheffeln und Karriere zu machen. Ein Leben für das Geld und den Luxus! Danach reich sterben. Ein gutes Leben? – Porte Monnaie

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yasemin am 08.10.2012 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roboterlife

    In der Schweiz muss man Roboter sein. Arbeiten wie ein roboter, Fühlen wie einer. Keine menschlichkeit mehr. Ich bin 22 und hatte einen zusammenbruch! Grund :job/chef! Am bessten auswandern wo es sich menschlicher leben lässt. Heey schweizer seit ein bisschen lockererrrr!!

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  • Kanton SZ am 08.10.2012 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Quantität statt Qualität

    In der heutigen Zeit verlangen die Firmen nur Produktivität. Die Zahlen müssen stimmen, man will immer mehr und an den Kosten muss gespart werden. Kein Wunder kommt man sich wertlos vor, wenn man wie eine Marionette behandelt wird. Die Quantität ist für die Firmen wichtiger als Qualität. Das ist eine traurige Tatsache. Nun ist die Frage - Was tun? Das Volk will ja keine 6 Wochen Ferien, da sie fürchten Ihren Job zu verlieren. In der Woche arbeitet ein Schweizer durchschnittlich 41.6 Stunden. Kein Wunder leiden so viele an Depressionen und sind schlecht gelaunt.

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  • Marcel, Bern am 08.10.2012 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verweichlichte Gesellschaft

    Womöglich gibt es auch immer wie mehr Psychotherapeuten, die aus Eigeninteresse die Gesellschaft immer wie mehr pathalogisieren. Auch meine Generation musste kämpfen. Eine fehlgeleitete, 68-Pädagogik, bei der Disziplin verpönt ist, hat unseren Jugendlichen diese Fähigkeit genommen. Wir sind eine spassoptimierte Freizeitgesellschaft geworden, die es im internationalen Vergleich in den nächsten Jahrzehnten sehr schwer haben wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chv am 09.10.2012 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas tun 

    So viele super Beiträge !!! Ich bin echt froh das es noch Menschen gibt die noch nachdenken. Dann lasst uns was tun !!! Nichts ist Gutes ausser man tut es.

  • goethe (24) am 08.10.2012 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lesen 2/2

    Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr zu der Tür des Nachbarn. Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns gefüllt. Wir können Atome spalten, aber nicht unsere Vorurteile. Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist, etwas darzustellen als zu sein. Jeder hat die Wahl etwas daran zu änderen, oder das Gelesene ganz schnell zu vergessen. Liebe Grüsse von einem jungen Mann

    • t.ruther am 09.10.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      wow..

      bäääm deine worte haben gesessen. Danke!

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  • Goethe (24) am 08.10.2012 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Lesen Teil 1/2

    Wir haben grössere Häuser, aber kleinere Familien, mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit, mehr Wissen, aber weniger Urteilsvermögen, mehr Experten, aber grössere Probleme. Wir rauchen und trinken zu viel, lachen wenig, fahren zu schnell, regen uns unnötig auf, sehen zu lange fern, stehen zu müde auf, lesen wenig, denken selten vor, halten keine Zwiesprache mehr. Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber unsere Welt reduziert. Wir wissen, wie man Lebensunterhalt verdient, aber nicht wie man lebt. Wir haben dem leben Jahre hinzugefügt, aber können wir den Jahren auch Leben geben?

    • Zirze am 08.10.2012 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Es lebe Goethe

      Weise Worte, alle Achtung!

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  • Jonei am 08.10.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    aber trotzdem

    Es geht uns besser als früher. Für mich ist das Klagen auf hohem Niveu. Wir müssen nur damit umgehen können!

  • onkel doktor am 08.10.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    eine religion dies nicht braucht im 21J

    schafft Geld ab und ihr habt die lösung für alle probleme..