Lesergeschichten

30. November 2017 11:48; Akt: 30.11.2017 11:48 Print

«Wir haben unser Bitcoin-Vermögen total verzockt»

von R. Knecht - Bitcoin sorgte am Dienstag für Aufsehen, als der Kurs die 10'000-Dollar-Marke knackte. Leser berichten von ihren Erfahrungen mit der Währung.

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Was haben unsere Leser mit Bitcoins schon alles erlebt? Noemi D. hatte ein mulmiges Gefühl, als sie 2014 für knapp 525 Franken einen Bitcoin kaufte. Experte Daniel Diemers bestätigt: Bitcoin wird auch im kriminellen Umfeld benutzt, etwa im Zusammenhang mit der Ransomware Wannacry. Mehrere Leser wünschen sich, sie hätten mal Bitcoin verkauft beziehungsweise nicht zu früh verkauft. Flurin D. hat einen Stick mit 50 Bitcoins drauf per Post verschickt. Leider kam dieser nie an. Diemers empfiehlt darum, Back-ups zu erstellen. Alessio C. und seine Geschäftspartner verloren beim Konkurs von Mt. Gox praktisch all ihre Bitcoins. Schade, denn: «Wir wären heute Millionäre», so C. Dario A. ist begeistert davon, wie viel Gewinn man mit Kryptowährungen erzielen kann. Herkömmliche Aktion kämen da nie ran. So können Bitcoins aussehen, aber eigentlich existiert die Kryptowährung virtuell. Auch das sind Bitcoins, zumindest der Code zu dem Internetguthaben. Diese Zettel spucken die Bitcoin-Automaten in der Schweiz aus. Der einfachste und schnellste Weg, um an Bitcoins zu kommen, sind SBB-Billettautomaten ... ... oder spezielle Bitcoin-Automaten. Von denen gibt es jedoch nur rund ein Dutzend in der Schweiz. Um Bitcoins zu kaufen, benötigt man eine sogenannte Wallet auf dem Handy oder PC, also ein virtuelles Portemonnaie. In der Regel ist zudem ein Bankkonto notwendig, um herkömmliches Geld in die Kryptowährung umzutauschen. Zwar knackte der Bitcoin am 28. November die Marke von 10'000 Dollar, es ist aber möglich, weniger als 1 Bitcoin zu kaufen und damit auch deutlich weniger auszugeben. Dies, weil jeder Bitcoin in 100'000'000 Teile, sogenannte Satoshis, teilbar ist. Der Name leitet sich vom Namen des Gründers vom Bitcoin, Satoshi Nakamoto, ab. Von ihm gibt es kein verifiziertes Foto. Im Bild ist Dorian S. Nakamoto zu sehen, der zeitweise für diese Person gehalten wurde, die Verbindung zum Bitcoin allerdings abstritt. Wie bei anderen Vermögenswerten müssen Sie zum Jahresende Ihr Bitcoin-Guthaben im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung deklarieren. Aus Bitcoin-Transaktionen resultierende Gewinne muss man als natürliche Person im Privatvermögen aber nicht versteuern

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Am 28. November kletterte der Wert eines Bitcoins zum ersten Mal auf 10'000 US-Dollar. Dieser Boom sorgte auch bei den Lesern für Reaktionen – von Jubel bis Reue.

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Die einen haben mit Bitcoin Kapital geschlagen, andere haben alles verloren. Bitcoin-Experte Daniel Diemers, Partner bei der Beratungsfirma PwC Strategy&, gibt seine Einschätzung zu den Erfahrungsberichten der Leser.

• «Ich war überzeugt, das Geld nie mehr zu sehen»
Noemi D.: Ich habe 2014 einen Bitcoin für knapp 525 Franken gekauft. Beim Absenden der Überweisung hatte ich ein wirklich komisches Gefühl. Damals hiess es nur: «Darknet, Geldwäsche, kriminelle Machenschaften ...» Ich war fast sicher, dass ich das Geld nie mehr sehen würde. Entsprechend freue ich mich jetzt über die Entwicklung des Kurses.

Diemers: Es ist eine Tatsache, dass Bitcoin auch im illegalen Umfeld verwendet wird. Das hat man zuletzt am Beispiel der Ransomware Wannacry gesehen. Ein Erpresser will lieber eine anonyme Adresse im Internet verwenden, statt sein Bankkonto anzugeben. Daraus darf man aber nicht schliessen, dass Bitcoin ausschliesslich in kriminellen Machenschaften zum Einsatz kommt. Traditionelle Währungen werden übrigens von Kriminellen auch fleissig verwendet.

• «Hätte ich doch Bitcoins gekauft»
Pascal R.: Der Bitcoin war irgendwann bei 3500.– und ich dachte mir: «Hätte ich doch ...» Kurze Zeit später waren es 4500.– und ich dachte wieder: «Hätte ich doch ...» Bei 5500.– hatte ich die Schnauze voll und kaufte mir mit meinem Ersparten 1 Bitcoin. Einige denken bestimmt immer noch: «Hätte ich doch ...»

Diemers: Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wann man kaufen oder verkaufen soll. Die Behauptung, man hätte voraussagen können, dass der Bitcoin-Kurs auf 10'000 Dollar steigt, halte ich für unrealistisch. Erfahrene Investoren sagen immer, man müsse dann kaufen, wenn alle zögern oder der Preis gefallen ist. Die optimalen Zeitpunkte für solche Schritte sind beim Bitcoin besonders stark von den Schwankungen von Angebot und der Nachfrage abhängig.

• «Die Post hat meine Bitcoins verloren»
Flurin D.: Als ein Bitcoin 2 US-Dollar wert war, kaufte ich mir 50 davon und speicherte sie auf einem USB-Stick. Um beim Austritt aus dem Militär nicht alles schleppen zu müssen, habe ich ihn zusammen mit allem Möglichen per Post an meine Adresse gesendet. Das Paket ist verschollen. Ein Dankeschön an die Post für den zuverlässigen Service und die verlorene halbe Million! PS: Finder werden fürstlich belohnt!

Diemers: Wenn es um Sicherheit geht, ist eine sogenanntes Cold Wallet, wie es dieser Leser eingerichtet hat, die beste Lösung. Es ist allerdings wichtig, dass man einen verschlüsselten Stick benutzt. Da gibt es viele professionelle Produkte auf dem Markt. Zudem sollte man natürlich Back-ups machen, damit man in genau so einem Fall trotzdem noch an seine Bitcoins rankommt. Alternativ sichert man seine Wallet mit einem sogenannten Wallet Root Key, den man dann im Safe aufbewahrt.

• «Wir wären heute Millionäre»
Alessio C.: Ich war 2013 gross im Mining-Geschäft. Der Kurs war damals bei 80 US-Dollar. Als die grosse «Blase» kam, habe ich mit meinen Geschäftspartnern wieder in Bitcoin-Unternehmen investiert und beim Kurssturz nach dem Konkurs von Mt. Gox (siehe Box) alles verloren. Wir wären heute gemachte Millionäre, doch wir haben praktisch alles verzockt.

Diemers: Aus Mt. Gox hat man viel gelernt. Einerseits war das Problem damals, dass Mt. Gox mehr als zwei Drittel der weltweiten Bitcoin-Transaktionen verwaltete. Heute gibt es viel mehr solche Portale, so dass der Kurs von einem einzelnen Vorfall weniger extrem beeinflusst würde. Bei Mt. Gox war anscheinend die Cyber Security schlicht ungenügend. Heute ist sie einer der wichtigsten Aspekte von erfolgreichen Handelsportalen. Darum ist es nicht so wahrscheinlich, dass etwas mit Mt. Gox Vergleichbares geschieht. Das heisst natürlich nicht, dass es nie wieder passieren könnte.

• «Mit Aktien habe ich nie so viel Gewinn erzielt»
Dario A.: Ich bin vor etwas über einem Jahr richtig eingestiegen, hatte zuvor aber selbst schon auf den Computern der Uni Litecoin-Mining betrieben. Mit neuen Kryptowährungen verdient man so gut wie immer Geld. Zuvor habe ich zehn Jahre lang mit Aktien und Optionen gehandelt, aber nicht annähernd so viel Gewinn erzielt.

Diemers: Der Vergleich mit Aktien und Optionen hinkt. Bei Aktien gibt es eine Art direkten Gegenwert in der Gesellschaft, die sie herausgibt. Hinter Bitcoin steckt eben gerade keine Firma, darum handelt es sich dabei um eine ganz andere Art von Investition, die dem Devisenhandel ähnlicher ist. Allerdings wird der Kurs des Bitcoin nicht vom Bruttosozialprodukt eines oder mehrerer Länder beeinflusst. Dadurch ist die Kryptowährung noch unabhängiger als andere, an Länder gekoppelte Devisen. Je mehr Bitcoin aber als Zahlungsmittel eingesetzt wird, umso realwirtschaftlicher wird er letztlich werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Banker am 30.11.2017 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    0815 Medien

    Wenn dann sogar die 0815 Medien anfangen von Bitcoins zu schwärmen, dann sollte man schnellstens vom Zug runter.

    einklappen einklappen
  • Penumbra Noctis am 30.11.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stinkend reich

    Ach, haette haette, Velokette! Ich hab mal 3 Bitcoins fuer rund Fr. 10.- gekauft. Hab die dann bei einem Kurs von Fr. 200.- pro Bitcoin wieder verkauft. Klar, wenn ich die noch haette, waers ein neues Auto, ja und? Damals gabs eine Party fuer Freunde. Immer dieser doofe Konjunktiv mit seinem haette, koennte, sollte... YOLO!

  • ein leser am 30.11.2017 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gewinner

    ich habe mir 2014 12 Bitcoin für 168 damals in Euro gekauft und bin dieses Jahr bei 8700 ausgestiegen. haben uns ein neues Auto gekauft und den Rest noch als Rücklage. mehr brauche ich auch nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bitcoin Expert am 01.12.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss was?

    99% der Poster hier habe keine 100% Ahnung es Bitcoin ist und wie es funktioniert und wie es gehandelt wird. Also verschont uns von den Kommentaren. Wer schonmal ein Bitcoin geerntet hat soll weiterreden...

  • erelpower am 01.12.2017 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    seit ich meinen hund bitcoin getauft habe wird er überall verhätschelt.

  • Zorro am 01.12.2017 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin-Aktien

    Auch bei Bitcoin gibt es spannende Aktien. Die Titel der Bitcoin Group (Kürzel: ADE) zum Beispiel. Eines der wenigen erfolgreichen Unternehmen, welches seriös ist und bereits Geld verdient. Auch bei 79 kaufe ich noch nach!

  • Karl Nickel am 01.12.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Speuklationswährung

    Der Bitcoin ist eine reine Spekulationswährung ohne jeglichen Gegenwert, deswegen wird bereits über ein Verbot spekuliert. Der Flashcrash am Mittwoch hat uns gezeigt wie schnell das Vermögen weg sein kann. Schwankungen von 20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. In China ist der Bitcoin verboten, andere Länder werden nachziehen und dann fällt die Währung über Nacht ins bodenlose. Ein Verbot wird ja bereits von diversen Stellen gefordert!

    • janes am 01.12.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Nickel

      das war aber nicht der erste crash, gibt es immer mal wieder. hat sich bis jetzt aber auch immer schnell wieder erholt. und verboten wurde in china nicht der bitcoin, sondern handelsplattformen. ist aber kein problem, da man ja ganz einfach auf ausländische börsen ausweichen kann. aber ja, hauptsache über etwas urteilen, womit man sich nicht mal 5 minuten beschäftigt hat.. und ja, klar kanns runtergehen, aber es kann auch nach oben gehen. aber wirklich wissen kann das niemand.

    • Alex F. am 01.12.2017 22:47 Report Diesen Beitrag melden

      @ Karl Nickel

      1. Die Blockchain Technologie ist eine mit Zukunft, denn jede Währung, die NICHT über eine Zentralbank kontrolliert wird, ist frei von jeglicher Manipulation. Bitcoin (Kryptowährungen generell) machte eben genau den Fehler, dass man mit dem Handel treiben kann und somit den Spekulanten Tür und Tor öffnet. 2. Welche Alternative ausser dem jetzigen System gibt es? Das wo wir haben, hat auf lange Sicht gesehen, die finanzielle Enteignung der Menschen im Sinn (Bargeld Abschaffung, totale Überwachung etc.). Entweder Kryptowährung, oder eine totale Reformation des bestehenden Finanzsystems.

    einklappen einklappen
  • Fritz am 01.12.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Heute geht's leicht runter mit den Bitcoins... Und schon hat es keine Berichte mehr in den Medien... Dabei wäre es ja nun interessanter zum einsteigen?! PS ich steige nicht ein!