Böser Kantinenfood

23. Oktober 2012 18:16; Akt: 24.10.2012 12:35 Print

Rindsschmorbraten ist Umweltsünde Nummer 1

von S. Sturzenegger - In der Schweiz belastet Essen die Umwelt mehr als Autofahren. Nun will die grösste Verpflegungsfirma handeln: Die SV Group verbannt bestimmte Lebensmittel vom Menüplan.

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Die SV Group, das grösste Gastrounternehmen der Schweiz, will nun handeln. In einem weltweit einzigartigen Projekt in Zusammenarbeit mit dem WWF soll der Ausstoss der Treibhausgase bei der täglichen Verpflegung in den SV-Betrieben bis 2015 um 20 Prozent gesenkt werden.

Wasserverbrauch und Abfall reduzieren war gestern

«Es reicht nicht mehr, weniger Wasser zu verbrauchen und Abfall zu produzieren und ein Plakat von Max Havelaar aufzuhängen», sagte SV-Chef Patrick Camele vor den Medien in der Umwelt-Arena in Spreitenbach. Es gehe jetzt darum, die Konsumentinnen und Konsumenten zu sensibilisieren und als Anbieter zu handeln. Das heisst auch: Bestimmte Lebensmittel werden von den Tellern der SV-Kantinen verschwinden.

Für einzelne beliebte Mensa-Menüs hat die SV Group, die hunderte Kantinen, Restaurants und Catering-Services betreibt und über 300 000 Mahlzeiten pro Tag zubereitet, die CO2-Belastungen berechnen lassen.

Rindsschmorbraten als Umweltsünder

Der Rindsschmorbraten nach Burgunder Art mit Pommes Frites stellt sich dabei als einer der grössten «Umweltsünder» heraus: Er verursacht gemäss den Forschern vom Umweltberatungsunternehmen ESU-Services rund 5 Kilogramm Treibhausgase pro Menu. Pouletschenkel mit Zucchetti und Pommes Frites oder Lachsfilet mit Kartoffeln und Gurkensalat produzieren noch jeweils rund 3 Kilo CO2.

Dagegen haben Gemüsecurry mit Reis und Risotto nur rund 1 Kilo CO2 zur Folge. Damit ist klar: «Eine Mahlzeit mit Fleisch produziert rund dreimal mehr Treibhausgase als ein vegetarisches Gericht», wie Niels Jungbluth von ESU-Services sagt.

Spargeln nur aus der Schweiz

Doch nicht nur weniger Fleisch, sondern auch weniger Spargeln werden in Zukunft auf dem Menüplan sein. «Es nützt nichts, wenn wir uns ein paar Wochen lang mit Schweizer Spargeln brüsten, und den ganzen Rest des Jahres Spargeln aus Übersee verkaufen», sagt Camele. Diese «Flugwaren», also Lebensmittel, die mit dem Flugzeug transportiert werden, sind nämlich ebenso verantwortlich für viel CO2 Ausstoss.

Auch der Unterschied zwischen Gemüse aus beheizten Treibhäusern und Freilandgemüse beläuft sich auf das Zehnfache. Der tiefgekühlte Broccoli aus der Schweiz hat eine siebenmal bessere Ökobilanz als der frische Broccoli aus dem spanischen Gewächshaus. Solche Produkte müssen nach dem Plan der SV Group massiv reduziert oder ganz vermieden werden.

Broccoli ist nicht gleich Broccoli

Auf der «roten Liste» von Produkten, die in den SV-Betrieben künftig verboten werden, sind neben den Spargeln aus Übersee und den Broccoli aus dem Gewächshaus auch Lammfleisch aus Neuseeland, Pferdefleisch aus Kanada und Fisch aus Afrika.

Trotzdem: Die SV Group will ihren Gästen das Fleischessen nicht verbieten: «Die Gäste haben weiterhin die Wahl», sagt Camele. Es werde auch weiterhin Fleisch und Fisch geben, jedoch werde das Angebot an fleischlosen und fleischarmen Produkten ausgebaut und attraktiver gestaltet, «damit sich Gäste öfter für ein fleischloses Menu entscheiden».

Menüs sollen nicht teurer werden

Der Preis für solche Menüs soll nicht ansteigen. «Der neue Warenmix neutralisiert die Kosten», glaubt Camele. Durch den saisonalen und regionalen Einkauf steigen die Preise zwar an, durch einen reduzierten Fleischkonsum werde dieser Anstieg kompensiert.

Die Mensa der Uni Basel ist nun der erste Betrieb, der den Nachhaltigkeitsplan von SV Group und WWF einhalten soll. Der Plan verlangt, dass die Küchenchefs volle Transparenz haben über die Produkte, die sie einkaufen und verarbeiten. Bis 2015 soll das Programm mit dem Namen «One Two We» in 100 Betrieben umgesetzt sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • someone am 24.10.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    Ich fahre Auto, esse jeden Tag Fleisch in der Kantine und werde in zukunft sicher rindsschmorbraten bevorzugen und wisst ihr was? Ich fühle mich verdammt gut dabei!!

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  • T.S am 23.10.2012 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das...

    Rindsschmorbraten ist ein unrentables Gericht während dem ein Pouletschenkel Gewinn abwirft... wie blöde will man den Konsumenten verkaufen ?? TK Gemüse = tiefe Personalkosten , frisches Gemüse rüsten erzeugt hohe Personalkosten ...

  • Filet am 23.10.2012 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm fleisch

    Schweizer fleisch!alles andere ist beilage!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sparer am 26.10.2012 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Energieverbrauch

    Alles ohne kochen und waschen essen das spart Energie!Am besten noch unverpackt einkaufen, keine Teller und kein Besteck, und das ganze während dem laufen geniessen damit der Körper nicht abkühlt, so können wir die Heizung auch noch sparen.......

  • Klimatiker am 26.10.2012 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiterer "Klimafurz"

    Verbietet doch gleich alles! jedem ein garten eine kuh ein huhn und ein misthaufen.aber keine heizung, keine kinder und kein auto.auch keine öv mehr.wer glaubt noch dieses Märchen?Die erde hat ihre Zyklen,da ändert es nichts daran ob ein paar Schweizer einen Schmorbraten essen!einfach zum lachen!wie lassen wir uns noch unsere verblödeten gehirne waschen? lol!

  • Der Pragmatiker am 26.10.2012 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    CO2 Abzocke

    Globale Erwärmung hat nichts mit CO2 zu tun, liest mal Fachzeitschriften, schaut Euch die richtigen Reportagen etc... CO2 hat nur mit Geld zu tun, that's it!

  • Der Logiker am 25.10.2012 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Bio Birchermüsli

    Bio ist: ohne künstliche Dünge,- Futter,- und Spritzmittel aus dem eigenen Garten oder aus dem eigenen Stall ohne Transportweg. Trutenfleisch aus Brasilien, Pferdefleisch aus Kanada, Schweinedärme aus Iran, Entenfleisch aus China, Spargeln aus Mexico. Theoretisch ist alles was in die Schweiz transportiert wird umweltschädigend. Einheimischer Schmorbraten ist grün und in Ordnung

    • T.R. am 25.10.2012 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Wohl eher der Unlogiker^^

      Fleisch ist allgemein so ganz und gar nicht grün, mein Lieber... pro kg werden 15'000l Wasser "verbraucht" (muss danach mit Strom wieder aufbereitet werden) und das Futter für die Tiere muss ja auch irgendwo angebaut werden, oder? Dieses Futter könnten wir z. Bsp. auch selbst essen, Sojapflanzen können hier in der Schweiz ja gut gedeihen und daraus kann man sehr leckere, gesunde und fettarme Gerichte zaubern.

    • José Pereira am 26.10.2012 01:09 Report Diesen Beitrag melden

      Die Pflanzen muss man anbauen (mit Trakt

      Warum soll man Futter für die Tiere anbauen?!... Ich habe Ziegen gehabt und nie Futter angebaut oder gekauft. Also, jeder Fleischfresser in der Natur ist jetzt ein Sündenbock für eure dämliche Mobilität. Der Adler soll aufhören Hasen zu fressen und Tomaten beim Markt holen! Alles hat sein Maß und hier wird maßlosen Maßnahmen genommen...

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  • Steakverschlinger am 25.10.2012 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lust

    Ich weiss ja nicht, wie ihr das seht, aber ich hab jetzt mächtig Lust auf einen dicken Rindsschmorbraten mit ordentlich Pommes mit Mayo.

    • Keno am 25.10.2012 22:56 Report Diesen Beitrag melden

      Mit Gemüse lässt sich sogar Geld sparen

      Ich auch mein Guter..... Trotzdem werde ich in Zukunft vielleicht einmal ganz bewusst einfach nur einheimisches Gemüse essen und es wird mir trotzdem genauso, oder sogar noch etwas besser schmecken... ;-)

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